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Höflichkeit in Deutschland

Dass es mit der Höflichkeit in Deutschland nicht weit her ist, wage ich hier mal so zu behaupten. Daran ändert auch eine WM unter dem Slogan „Zu Gast bei Freunden“ und wochenlanges Zusammenreißen – was die Höflichkeit angeht – während dieser Zeit nicht wirklich was. Danach war ziemlich schnell alles wieder beim Alten. Dieses Wochenende hat die weltbeste aller WG-Genossinnen mal wieder so ein Erlebnis gehabt, bei dem es mir erstmal regelrecht die Sprache verschlagen hat.

Die waWG (weltbeste aller WG-Genossinnen) war in der Stadt und hatte das Auto im Parkhaus abgestellt. Als sie aus der Stadt zurückkommt, parkt neben ihr gerade ein Mann seinen Schlitten ein. Seine Frau steht bereits im Parkhaus und beobachtet das ganze. Die waWG sieht sofort, dass die Parklücke neben unserem Auto eigentlich etwas knapp ist, für den Schlitten des Mannes und sie, wenn er eingeparkt hat, auf der Fahrerseite unmöglich in das Auto einsteigen kann. Sie spricht daraufhin die Frau an, weist diese auf den Umstand hin. Die zuckt nur mit den Schultern und deutet nur stumm auf ihren Mann im Auto.

Inzwischen hat der Mann eingeparkt und steigt aus. Die waWG ispricht ihn höflich(!) an, weist auf die Enge hin und bittet ihn, ob er wohl so nett wäre, nochmal kurz zurückzusetzen, damit sie einsteigen und wegfahren kann. Der Mann guckt sie an, guckt sich den schmalen Durchgang zwischen den beiden Autos an und sagt: „Nö! Sie können ja auf der Beifahrerseite einsteigen, da ist noch genug Platz!“

Die waWG glaubt nicht richtig zu hören – immerhin ist sie keine zwanzig mehr und hat bereits einen Wirbelvorfall hinter sich. Sie bittet also den Mann – unter Hinweis auf besagten Wirbelvorfall und andere Rückenschäden, die ihr solche Verrenkungen erschweren bzw. die Gefahr eines erneuten Schadens am Rücken – nochmals darum, doch bitte eben kurz nochmal zurückzusetzen.

Der Mann weigert sich und sagt, sie solle sich nicht so anstellen. Da die waWG ein ausgesprochen geduldiger Mensch ist, versucht sie den Mann nochmal zur Einsicht zu bewegen (Anmerkung meinerseits: in der Zeit hätte der Kerl den Wagen bereits zweimal zurücksetzen können und das Problem wäre gelöst gewesen!) und erklärt ihm nochmal in aller Ruhe, wenn er höflich zu ihr wäre, würde er den Wagen mal eben ….

Der Kerl bleibt bei seiner Verweigerungshaltung und die waWG weist ihn daraufhin, sollte sie einen Rückschaden beim Einsteigen via Beifahrerseite erleiden, ginge die Arztrechnung dann an ihn. Der Kerl fragt zurück, mit welcher Begründung denn bitte (alles in zunehmend aggressiveren Ton!) und die waWG erklärt ihm, das habe sie ihm doch gerade gesagt. Der Kerl schnappt sich seine Frau und sagt im Weggehen noch, die waWG solle ja aufpassen und keinen Kratzer an seinem Schlitten verursachen.

Die waWG bleibt einigermaßen sprach- und fassungslos zurück und startet das Unternehmen, wie komme ich ins Auto, ohne das nebenstehende Auto in irgendeiner Weise zu touchieren. Letztlich bleibt ihr tatsächlich nur der Weg via Beifahrerseite. Als es ihr endlich gelingt und sie mit dem Auto ausparkt, sieht sie, dass der Kerl ein wenig entfernt stehengeblieben ist und das ganze beobachtet hat. Während sie wegfährt, sieht sie iim Rückspiegel, wie er zu seinem Auto zurückgeht, und sich die Beifahrerseite beguckt als ob er kontrolliert, ob sie da einen Kratzer verursacht hat – was sie natürlich nicht getan hat. Außerdem hatte der Kerl ein Stück Papier in der Hand und die waWG meint, es würde sie nicht wundern, wenn der ihr Autokennzeichen notiert hat und sie demnächst eine Anzeige wegen Sachbeschädigung am Auto oder so bekommt (für einen oder mehrere Kratzer, die sie nicht verursacht hat).

Soviel zur Höflichkeit in Deutschland. Der Kerl hat Glück gehabt, dass ich nicht mit dabei war, ich wäre nämlich mit Sicherheit nicht so geduldig geblieben wie die waWG. Mann, Mann, Mann!!!

3 Gedanken zu „Höflichkeit in Deutschland

  1. Das ist wirklich der Hammer! Typisch deutsch! Ich habe bis vor rd. einem Jahr einige Zeit in Portugal gelebt, wo die Leute wesentlich höflicher sind. Seit ich zurück bin, erleb ich die krassesten Dinger in Sachen Rücksichtslosigkeit, Ignoranz und Unhöflichkeit. Das alles aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Kommentarfeldes sprengen. Ich habe in meinem Leben schon den halben Globus bereist und nirgends habe ich solche ätzenden Leute getroffen wir hier. Es ist zum Kotzen!

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