Computer & IT

»Anregungen« aus China und Lösungen aus der Schweiz

Unser aller Kanzlerin Angela Merkel war ja gerade in China und hat sich da beschwert wegen der Produktpiraterie und weil da irgendwelche chinesischen Hacker im Kanzleramt und weiteren Bundesbehörden in den Computern rumgeschnüffelt haben sollen. Proteste gegen sowas gibt es schon lange, die Chinesen versichern immer wieder aufs Neue, etwas dagegen tun zu wollen, lächeln ihr unergründliches Lächeln und weiter gehts. Vielleicht sollte man mal zu einer anderen Methode der Gegenwehr greifen und sich mal umgekehrt bei den Chinesen bedienen. Innenminister Schäuble kann sich da sicher das ein oder andere bei den Chinesen abschauen. Wie wär’s denn zum Beispiel mit diesen »niedlichen« Figuren?

Das sind chinesische Comic Cops, die ab heute in China auf Streife im Internet gehen. Insgesamt dreizehn der chinesischen Webportale, darunter auch die größten Sohu und Sina werden sie besuchen. Geplant ist, dass sie bis zum Ende des Jahres sogar auf allen in Peking registrierten Servern patroullieren werden. Das können sie zu Fuß, per Motorrad oder per Auto. Praktisch sieht das so aus, dass die virtuellen Cops auf bestimmten Webpages im Browser der User als popup auftauchen. Als User kann man sie z.B. selbst anklicken, um »anstößige Inhalte« zu melden oder sich »Hilfe zu holen«.

Natürlich signalisieren die niedlichen Comic Cops dem chinesischen Surfer auch, dass der Staat seine Internetaktivitäten jederzeit im Auge hat bzw. haben könnte. Etwa alle 30 Minuten werden die Comic Cops auf den registrierten Portalen bzw. Webseiten auftauchen und die Internetuser auffordern, sich von illegalen Aktivitäten im Internet und »schlechten Webseiten« fernzuhalten.

Neu ist das zumindest nicht für alle Chinesen, denn bereits seit letztem Jahr patroulieren die Comic Cops »Jingjing« und »Chacha« in der südchinesischen Stadt Schenzhen. Benannt wurden sie nach dem chinesischen Wort »jing cha«, das »Polizei« bedeutet.

So macht sich die Staatsmacht eine Eigenart der Chinesen zu eigen, nämlich deren Liebe zu solchen niedlichen kleinen Comicfiguren. Und wer will denn so einem niedlichen Kerlchen auch etwas Böses zutrauen? Ist es nicht gut, wenn da jemand mal für ein bißchen Ordnung im Internet sorgt? Wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man die Cyber-Cops auch nicht zu fürchten - oder?!?

Falls Minister Schäuble die Anregung aufgreifen will, hier schon mal ein Erst-Entwurf für die deutschen Comic Internet-Cops. ;o)

Um den Bürgern die Comic Cops näher zu bringen, könnte man ja einen Namenswettbewerb für die beiden ausschreiben. Irgend jemand schon erste Namensvorschläge?

P.S.: Der Eintrag war schon fertig geschrieben, als auch Kulturzeit die Figuren kurz erwähnte. Die eigentliche Nachricht war aber, dass die beiden Schweizer Künstler Mathias Jud und Christoph Wachter eine Methode entwickelt haben, wie weltweit jegliche Internet-Kontrolle umgangen werden kann. Ihrem Kunst-Projekt geben sie den Namen »Picidae« - die lateinische Bezeichnung für »Specht«. Als universelles Zeichen wählen sie zwei eckige Klammern und ein kleines »o«.

Hinter Picidae steckt eine genial einfache Idee: Sags mit Bildern. Mit diesem Kniff unterläuft man die chinesischen Zensur, denn die sucht einzig nach verdächtigem Text und heiklen Stichworten. »Mit Picidae erstellen wir ein Bild einer Website«, erläutert Mathias Jud. »Wir benutzen dieses Bild als Verschlüsselung, das heißt, die Zensur ist nicht mehr fähig, innerhalb dieses Bildes den Text zu erkennen. Wir Menschen sehen diesen Text aber im Bild auf dem Screen, das heißt,es sieht genau gleich aus.« Wer bei Picidae eine Internet-Seite aufruft, erhält von einem Server umgehend das automatisch generierte Bild dieser Webpage, etwa der gesperrten Seite »Tianwang«. Dank raffinierter Technik bemerkt der Benutzer nichts davon, dass er auf einem Bild surft. Alles erscheint normal.

Picidae als Fenster zur Welt - es funktioniert ohne zusätzliche Programme und verlangt vom Benutzer keine technischen Kenntnisse.
Quelle

picidae.net

P.S.2: So, und jetzt berichtet mal ordentlich über diesen Eintrag und verlinkt ihn, damit ich auch mal mit was Vernünftigem bei Rivva auftauche. ;o)

3 Gedanken zu „»Anregungen« aus China und Lösungen aus der Schweiz

  1. Du schaust also auch Kulturzeit:-)

    Ich habe den Bericht auch gesehen und fand die Idee ebenso simpel wie genial…

    Liebe Grüsse, kho

  2. Ja klar, schau ich auch Kulturzeit! 🙂

    Die Idee ist so simple, dass man sich fragt, warum da nicht schon jemand früher drauf gekommen ist! Genial - wie Du sagst!

Kommentare sind geschlossen.