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Gewinner des Designwettbewerbs Index: 2007

2005 wurde der Index Award ins Leben gerufen und wird nun alle zwei Jahre in Kopenhagen verliehen wird. Das Besondere an diesem Designpreis ist nicht nur das Preisgeld von 100.000 Euro für jeden prämierten Entwurf, was ihn zum weltweit höchst dotierten Designpreis macht, sondern vielmehr die Kriterien, nach denen die eingereichten Produkte beurteilt werden: Bei diesen steht weniger die ästhetische Qualität im Mittelpunkt als vielmehr die Frage, inwieweit die Entwürfe das Leben von möglichst vielen Menschen verbessern können. Getreu dem Motto „Design to improve life“. Jetzt wurden die diesjährigen Gewinner bekanntgegeben.

Sieger in der Kategorie Home:
Alberto Meda und Fransisco Gomez Paz mit ihrer „Solar Bottle“

Solar Bottle „Solar Bottle“ ist ein kostengünstiges Produkt zum Desinfizieren von Trinkwasser und wurde entworfen von Alberto Meda zusammen mit dem argentinischen Designer Fransisco Gomez Paz. Noch immer sterben derzeit 4.500 Kinder pro Tag an Krankheiten wie Cholera, Typhus oder Hepatitis A, die sie durch verunreinigtes Trinkwasser aufnehmen. Dabei ist die Lösung dieses Problems sehr einfach: Mittels des sogenannten SODIS-Verfahrens braucht Wasser in transparenten Glasflaschen für mindestens sechs Stunden direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden, schon werden die gefährlichen Keime abgetötet. Meda und Gomez haben mit ihrer „Solar Bottle“ das Verfahren weiter verbessert und die optimale Hülle dazu entwickelt. Die besonders dünne aber breite Flasche mit einem Fassungsvolumen von vier Litern besteht aus einer transparenten Vorderseite und einer aluminiumfarbenen Rückseite, die die hindurch fallenden Sonnenstrahlen reflektiert und somit verstärkt. Mittels eines integrierten Griffs kann die Flasche dem jeweiligen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen angepasst werden. Es ist ebenfalls möglich, mehrere Flaschen zu stapeln oder als Pakete zu bündeln.

Sieger in der Kategorie Work:
Philip Greer, Lisa Stroux, Graeme Davies & Chris Huntley mit ihrem „Tongue Sucker“

Tongue Sucker
Die Idee zu „Tongue Sucker“ kam den vier Studenten des Londoner Royal College of Arts, als während der Bombenanschläge im Juli 2005 in London mehrere Menschen starben, weil professionelle medizinische Hilfe zu spät vor Ort war. Das Problem: Häufig rutscht bewusstlosen Opfern beim Liegen die Zunge in den Hals und blockiert die Atemwege. Wenn nicht innerhalb von vier Minuten Hilfe eintrifft, kann die betroffene Person sterben oder einen schweren Hirnschaden erleiden. „Tongue Sucker“ oder zu Deutsch „Zungensauger“ ist so gestaltet, das er auch von Menschen angewendet werden kann, die über keine medizinische Vorkenntnisse verfügen. Man braucht nur den Gummiball am Ende des Schlauches drücken und das Gerät dem bewusstlosen Opfer in den Hals stecken. Lässt man den Gummiball wieder los, entsteht ein Unterdruck, der die Zunge nach oben ansaugt. Die Atemwege bleiben somit frei bis die entsprechenden Rettungskräfte eintreffen und weitere Maßnahmen ergreifen können. Würde dieses Produkt in die Grundausstattung von Erste-Hilfe-Koffern integriert werden, könnte tausenden Unfallopfern pro Jahr das Leben gerettet werden.

Sieger in der Kategorie Body:
Sébastien Dubois für die Entwicklung einer low-cost Beinprothese für Landminenopfer

Mobility for Each One (Sébastien Dubois)Der kanadische Designer Sébastien Dubois hat sich mit „Mobility for Each One“ dem Problem der Landminenopfer angenommen und eine besonders einfach herzustellende Beinprothese entwickelt. Bisher kosten entsprechende Produkte zwischen 1300 und 4000 US-Dollar, die jedoch der Großteil der 25 000 Menschen, die Jahr für Jahr vor allem in Entwicklungsländern Opfer von Landminen werden, nicht bezahlen kann. Sébastien Dubois hat es geschafft, den Preis aufgrund günstigerer Werkstoffe und vorgefertigter Bauteile auf nur acht US Dollar zu senkten – einem Fünfhundertstel des bisherigen Preises. Anstatt auf Almosen und permanente Hilfe angewiesen zu sein, könnten Landminenopfer in jenen Regionen nun wieder Laufen lernen und ihrem Leben einen neuen Sinn geben.

Preisträger in der Kategorie Community:
OLPC / Yves Behar für die Entwicklung des „XO“ Laptops

Dieser Laptop ist besonders auf Kinder und die Nutzung in Entwicklungsländern zugeschnittenen und soll am Ende unter 100 Dollar kosten soll – derzeit kostet der Laptop noch zwischen 135-175 US-Dollar. Die Entwickler sind aber fest davon überzeugt bis 2008 die 100-Dollar Marke zu erreichen. Geplant ist, die „XO“ Laptops an Schulen in Entwicklungsländern zu liefern, die diese wiederum ihren Schülern kostenlos zur Verfügung stellen. Die Entwickler legen Wert darauf, dass es sich hierbei nicht um ein Laptop-Projekt sondern um ein Bildungsprojekt handelt.

Publikumspreis:
Hân Pham für die Entwicklung von „Antivirus“

Antivirus von Hân PhamDer Publikumspreis ging an Hân Pham aus Dänemark für seine Entwicklung des „Antivirus„, einer Art „Kappe“ die z.B. auf Getränkedosen aufgesetzt werden kann und mit deren Hilfe man eine sichere Möglichkeit hat, benutzte Injektionsspritzen bzw. -nadeln nach Gebrauch und sofort sicher zu entsorgen und so die Gefahr von Nadelverletzungen und dadurch ausgelöste Infektionen zu vermeiden bzw. zu minimieren.
Jedes Jahr verursachen Verletzungen durch Injektionsnadeln 250.000 HIV-Infektionen und 2 Millionen Hepatitis C-Infektionen.

Preisträger in der Kategorie Play:
Martin Eberhard und Barney Hatt für ihren Tesla Roadster