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Weltwasserwoche in Stockholm oder Lange Warteschlange vor der Toilette

Weltwasserwoche 2007Zur Zeit und noch bis zum 18 August findet in Stockholm die diesjährige 17. World Water Week statt. Das Thema lautet: »Progress and Prospects on Water: Striving for Sustainability in a Changing World«. Die »Weltwasserwoche« gilt als die wohl bedeutendste internationalen Konferenzen zum Thema. Rund 2500 Top-Experten aus insgesamt 140 Ländern diskutieren die ganze Woche über die vorgegebenen Themen rund um das Wasser.

Die Notwendigkeit sauberer sanitärer Anlagen ist ein weiteres Schwerpunktthema der Veranstaltung, das unter dem provokativen Slogan »Beeilt Euch: 2,6 Milliarden Menschen stehen vor einer Toilette an« steht.
Mehr als eine Milliarde Menschen habe derzeit keinen Zugang zu Trinkwasser, täglich sterben bis zu 34.000 Menschen durch Wassermangel und fehlende sanitäre Einrichtungen.
Jährlich sterben nach Angaben von Wissenschaftern zwei Millionen Kinder weltweit an Durchfall, den sie sich durch fehlende sanitäre Anlagen und Hygiene eingehandelt haben.
Dabei machen die Experten aber auch deutlich, dass es nicht reiche, allein Geld in Infrastrukturprojekte zu pumpen, vielmehr müsse auch das öffentliche Bewußtsein und Verhalten verändert und geschult werden. Toiletten seien entweder nicht vorhanden oder würden nicht benutzt. Stattdessen landeten Kot und Urin nicht selten in der Trinkwasserleitung. »Viele Regierungen in den Entwicklungsländern haben bereits für die Einrichtung von Latrinen und anderen Hygienemaßnahmen gesorgt. Doch diese werden nicht genutzt. Stattdessen werden Latrinen zu Reislagern oder Ziegenställen umfunktioniert, weil die Menschen dies für sinnvoller halten.« Der landesspezifische Kontext müsse bei der Suche nach Lösungen der Probleme rund um die Hygiene unbedingt mit bedacht werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Weltwasserwoche liegt auf dem Thema Wasser und Klima. So wird schon jetzt in der Landwirtschaft so viel Wasser benötigt, dass Flüsse - aus denen das Wasser entnommen wird - das Meer nicht mehr erreichen. Außerdem werden nun zur Erzeugung sog. Agro- bzw. Biosprits vermehrt Pflanzen wie Zuckerrohr, Raps oder Eukalyptus angebaut, die ebenfalls sehr viel Wasser benötigen. Schätzungen zur weltweiten Entwicklung des Biosprit-Marktes, zeigen, dass der Anbau dieser Energiepflanzen im Jahr 2045 ebenso viel von Wasser benötigen werden, wie die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion: 11.000 Kubikkilometer, also 11.000 Milliarden Kubikmeter. Weltweit seien aber nur 14.000 Kubikkilometer Süßwasser zugänglich.

Stockholm Water PrizeWährend der Woche werde auch verschiedene Preise verliehen. Der »Stockholm Water Prize« geht dieses Jahr an Professor Perry L. McCarty von der Stanford University, Kalifornien. Er wird für seine jahrzentelange Grundlagenforschung im Bereich der Interaktion von Mikroorganismen im Wasser ausgezeichnet. Professor McCarty, fand im Rahmen seiner Forschungen an der Interaktion von Mikroorganismen eine effizientere Methode der Abwasseraufbereitung.
Der Preis ist auf 150.000 US Dollar dotiert und wird jährlich für besondere Leistungen im Bereich Wasserschutz und -konservierung vom Stockholm International Water Institute (SIWI) verliehen. Verliehen wird ihm der Preis am 16. August vom schwedischen König Carl XVI. Gustaf.

Stockholm Junior Water PrizeEin weiterer Preis, der während der World Water Week verliehen wird, ist der »Stockholm Junior Water Prize«, der an junge Aktivisten mit überzeugenden Wasserprojekten vergeben wird und heute von Kronprinzessin Victoria von Schweden an die Gewinner, die ebenfalls erst heute bekanntgegeben werden, verliehen wird. Der Preis ist mit 5.000 US Dollar dotiert und feiert dieses Jahr zugleich sein zehnjähriges Bestehen.
Dieses Jahr sind 30 Teilnehmer (oder Kleinstgruppen) aus insgesamt 27 Ländern im Finale. Wirklich sehr interessant, welche Projekte die jungen Aktivisten auf die Beine gestellt haben.
Update: Stockholm Junior Water Prize 2007 geht nach Mexiko

Last but not least wird auch noch der »Stockholm Industry Water Award«, der Unternehmen auszeichnet, die in der Produktion besonders umsichtig mit der Ressource Wasser umgehen, verliehen.

17. World Water Week
Stockholm International Water Institute
Wer sich für das Thema interessiert, kann z.B. das lesenswerte Dossier der taz zur diesjährigen Weltwasserwoche anschauen.
Zur Vertiefung des Themas bietet sich auch die Sammlung »Fakten zum Thema Wasser« des Deutschen Zweigs der IHP/HWRP an.

9 Gedanken zu „Weltwasserwoche in Stockholm oder Lange Warteschlange vor der Toilette

  1. Einmal mehr gelange ich durchs Anklicken eines Links bei Melody auf eine weitere spannende Seite. Vielen Dank für die Infos zur World Water Week, sie sind sehr anschaulich aufbereitet. Besonders spannend find ich das zugegebenermaßen, da mein alter Internetfreund Dave Pressekontakt bei dem Projekt ist. 🙂 Ich wusste schon, dass er einen wichtigen und interessanten Job hat - aber nicht wie weltbewegend er ist.
    So klein ist die virtuelle Welt, ein netter Zufall!

  2. Hallo Tina und willkommen in meiner bescheidenen Hütte meinem Blog! Das ist ja wirklich ein netter Zufall, dass Du den Pressebeauftragten von dort kenntst. Ja, die Welt ist wirklich klein, zumindest die virtuelle! 🙂

  3. Bei der tollen Aufbereitung der Infos hier war’s ja auch leicht, mal richtig einzutauchen in die Welt der Wasserwoche. Wirklich ein witziger Zufall, ich freu mich immer noch! Und der gute Dave wird bestimmt dankbar sein für deinen Anteil an der Pressearbeit. 🙂

  4. Oh, hier funktioniert ja sogar das Gravatarchen. Eine Inspiration, das bei mir auch mal einzupflegen zu versuchen.

  5. Hallo, ist ja cool, dass Ihr Dave kennt, und noch besser, dass Ihr über die Wasserwoche schreibt!!! Echt super, danke!
    Riesengrüsse,
    Steph, SIWI (Dave’s Kollegin)

  6. Auch cool, dass du uns hier gefunden hast. 🙂
    Liebe Grüße nach Schweden an dich, Dave, Manfred und den Rest der Truppe - ihr macht einen tollen Job!

    Tina

  7. Steph, ich kenne Dave nicht, nur Tina kennt ihn - ich kenne eigentlich keinen von Euch - ich habe nur die Einträge hier geschrieben und darauf seid Ihr dann gestoßen - was mich freut, weil so wenigstens ein wenig »Reaktion« auf die Einträge kam - ist immer wieder schade, dass in der deutschsprachigen »Blogosphäre« solche Themen kaum auf Interesse stoßen. Aber egal - ich freu mich jedenfalls, dass Ihr hierhergefunden habt und Euch gefreut habt und an die Truppe in Stockholm auch von mir herzliche Grüße!

  8. Ja, das »uns« in meinem Beitrag war ein wenig irreführend. Besonders aufmerksam wurde ich durch die Verbindung zu Dave, aber besonders angetan war ich von der Art der Präsentation. Auch wenn die Seite des Stockholmer Instituts ausführlich und aufschlussreich ist, die Aufbereitung hier war einfach »leckerer«. 🙂 Und du hast sicher Recht, Liisa. Diese Themen sind nicht so attraktiv in der deutschen Blogosphäre. Ich habe dabei aber oft das Problem, dass ich ein wenig ungeduldig bin und Beiträge dieser Art oft zu tief einsteigen und man erst recherchieren muss, um überhaupt zu verstehen, worum es im Kern geht. Und die Bilder und eine bildhafte Sprache sind auch hilfreich, um mich anzulocken und lesen zu machen. 🙂 Also nochmal danke!

  9. Danke für das Lob, Tina! 🙂 Dann hat sich der Aufwand meinerseits wirklich gelohnt, auch wenn Du ja offenbar über Deine Kontakte schon mit der Materie und der Konferenz etwas vertraut warst. Und vielleicht stolpern später ja doch noch der ein oder andere Besucher auf der Suche nach Informationen über das Wasser oder die Konferenz oder damit verbundenes wie Umweltschutz etc. über den Eintrag und findet darin die Informationen, die er/sie sucht.

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