Literatur & Lyrik

5. Tübinger Bücherfest

Besucher einer Veranstaltung des Tübinger Bücherfestes Am kommenden Wochenende steigt mal wieder das Tübinger Bücherfest. Selbiges findet alle zwei Jahre statt und erfreut sich in Tübingen und darüber hinaus inzwischen großer Beliebtheit. Eigentlich hätte das Tübinger Bücherfest turnusgemäß im vergangenen Sommer stattfinden müssen. Die Organisatoren entschieden sich aber wegen der Fußball-WM das Fest um ein Jahr zu verschieben. Nun wird es vom 15. bis 17. Juni also wieder alle Gassen Tübingens mit Bücherliebhabern und Schriftstellern, Buchhändlern und Buchmachern, Antiquaren und natürlich auch jeder Menge Büchern füllen.

Die Veranstaltungsorte, die sich überwiegend im Freien befinden (für den Fall, daß das Wetter nun überhaupt nicht mitspielt, gibt es natürlich Ausweichmöglichkeiten unter Dächer) bilden eine besondere Kulisse für die Zuhörer und die Literatur, zumal einige Orte sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Im Garten des Evangelischen Stifts werden Gedichte von Nico Bleutge, Christa Hagmeyer und Uljana Wolf und lyrische Texte von Sandra Hoffmann vorgetragen und im Garten des Wilhelmsstifts wird der Schauspieler Heinz Bennent Hölderlin vortragen.

Ungewöhnliche Veranstaltungsorte sind noch der Pfleghof, der Schwurgerichtssaal des Landgerichts, das Uhlandbad und ein Tübinger Stadtbus. Natürlich gibt es auch Veranstaltungen auf den öffentlichen Plätzen Tübingens oder für ganz romantische Seelen Poesie bei einer Stocherkahnfahrt auf dem Neckar.

Höhepunkte gibt es während des Bücherfests so einige, … z.B. ein Dichterspaziergang, der den Spuren der großen ehemals in Tübingen lebenden Dichter folgt und das sind jede Menge: Hölderlin, Schelling, Hegel, Schiller, Uhland, Wieland, Goethe, von Härtling, Hesse, Bloch, Hans Mayer, Celan und noch viele andere.

Schwerpunkt beim diesjährigen Tübinger Bücherfest ist die zeitgenössische russische Literatur und so stellen sich eine Reihe hochkarätiger Schriftsteller von dort ein, so z.B. Vladimir Sorokin, der aus seinem Roman »Bro«, dem zweiten Teil seiner »Eishammertrilogie« lesen wird, Viktor Jerefejew und der populärste russische Fantasy- und Science-Fiction Autor Sergej Lukianenko. Ebenfalls da sein werden die »Königin des russischen Kriminalromans« Polina Daschkowa, Julia Kissina. Außerdem wird der Übersetzer und Lyriker Ralph Dutli eine Einführung in das Werk des amerikanisch-russischen Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky geben.

Das sind aber natürlich längst noch nicht alle Autoren, die das Tübinger Bücherfest dieses Jahr schmücken werden. Weitere Autoren kommen aus Tübingen bzw. Schwaben wie z.B. Peter Prange und Frank Baasner, Hermann Bausinger, Olaf Nägele, Anton Hunger und Angelika und Silvia Overath.

Neben den Russen gibt es noch weitere internationale Gäste: Yoko Tawada aus Tokyo, Anthony McCarten aus Neuseeland, Stefan Brijs aus der Nähe von Antwerpen, Dorota Maslowska aus Polen.

Die Krimisparte wird z.B. von folgenden Autoren bedient: Der Schweizer Michael Theurilliat wird aus seinem zweiten Krimi »Eistod« um seine Hauptfigur Kommissar Eschenbach vorlesen. Wolfgang Schorlau liest aus »Fremde Wasser« (im Uhlandbad!) und bei Stefan Fröhlich und Andreas Reuß ermittelt der Moraltheologe Philipp Laubmann in »Teufelswasser« seinen dritten Mordfall.

Für die Sparten Sachbuch und Kinder- und Jugendbuch wird es auch eine Reihe Veranstaltungen geben.

Am Samstag und Sonntag wird es mitten in Tübingen auch wieder die sehr beliebte »Antiquariatsmeile« geben und Bücherliebhabern reichlich Gelegenheit zum Schmökern bieten und mit etwas Glück auch den ein oder anderen literarischen Schatz zu ergattern und heimwärts zu tragen.

Alles weitere zu Programm, Zeiten etc. findet sich unter www.tuebinger-buecherfest.de/ - leider, leider kommt die Website des Bücherfest allerdings auch im 10 bzw. 11. Jahr immer noch sehr »schlicht« daher. Vielleicht erbarmt sich da ja mal jemand bis zum nächsten Bücherfest und zieht eine vernünftige Webpage auf, die dem sonst so schönen Fest auch angemessen ist.

Wermutstropfen für mich war bisher, daß die französische Schriftstellerin Sylvie Germain ihr Kommen zum Bücherfest absagen mußte, denn gerade auf sie hatte ich mich ganz besonders gefreut.