Frauen

Germaine Tillion wird 100 Jahre

Im Juni 2004 habe ich in der Reihe »Bemerkenswerte Frauen« Germaine Tillion ausf?hrlich vorgestellt. Eine ?beraus beeindruckende Frau mit einer bewegten und bewegenden Lebensgeschichte. Am kommenden Mittwoch, dem 30. Mai 2007 feiert sie nun ihren 100. Geburtstag.

Aus diesem Anlass zeigt z.B. Arte jetzt am Samstag, dem 26. Mai 2007 um 9:55 Uhr in Erstausstrahlung die Dokumentation »Germaine Tillion, eine Zeugin des Jahrhunderts«.

Die 52-min?tige Dokumentation entstand 1974, kurz nach dem Erscheinen von Germaine Tillions Buch »Ravensbr?ck«. Der Regisseur begleitete die Autorin in ihre bretonische Heimat und f?hrte ein langes Interview mit ihr.
Germaine Tillions scharfsichtigen gesellschaftlichen Analysen zeichnen ein Bild der Gefahren, die von Unmenschlichkeit und Intoleranz ausgehen und haben somit bis heute nichts an ihrer Pr?senz verloren.

Achtung: Leider wird diese Dokumentation bei Arte nicht zu einem sp?teren Zeitpunkt wiederholt. Wer also interessiert ist und nicht so fr?h die Dokumentation anschauen kann, m??te sie per Videorekorder aufnehmen.

Am 3. Juni 2007 will die KZ-Gedenkst?tte Ravensbr?ck Germaine Tillion anl??lich dieses Geburtstags ehren. Im Rahmen des geplanten literarisch-musikalischen Programms sollen erstmals Teile ihrer im Frauen-KZ Ravensbr?ck entstandenen Operette »Le Verf?gbar aux enfers« von Sch?lern des Gymnasium Carolinum Neustrelitz aufgef?hrt werden. Das von »bitterer Ironie und schwarzem Humor gepr?gte St?ck« handelt in Anlehnung an Jacques Offenbachs »Orph?eus aux enfers« (Orpheus in der Unterwelt) vom ?berleben der so genannten »Verf?gbaren« in dem KZ. Dieser H?ftlingsgruppe, die keinem festen Arbeitskommando zugeordnet war, hat auch Germaine Tillion angeh?rt. Von ihren franz?sischen Kameradinnen gesch?tzt hatte sie in einer Kiste versteckt die Operette geschrieben.

Eine Wiederholung der Veranstaltung am Institut Fran?ais in Berlin ist f?r den Juli 2007 geplant.

Als Ethnologin erforschte Tillion vor dem Zweiten Weltkrieg die Lebensformen von Berberst?mmen in Algerien. Als Mitglied der franz?sischen Widerstandsbewegung wurde sie nach ihrer Verhaftung im Oktober 1943 nach Ravensbr?ck verschleppt. Sie ?berlebte das Lager, ihre Mutter Emilie Tillion wurde am 2. M?rz 1945 in der Gaskammer von Ravensbr?ck ermordet. In den folgenden Jahrzehnten schrieb Germaine Tillion insgesamt drei Fassungen einer Studie ?ber das Frauen-Konzentrationslager, die bis heute als Standardwerk gilt.

Unerm?dlich hat sie sich eingesetzt f?r Menschenrecht, f?r die Auss?hnung in Europa und besonders zwischen Frankreich und Deutschland und ist eine ?berzeugte Europ?erin. Ihre Kenntnisse der islamischen Welt, ihr tatkr?ftiges Engagement in den nordafrikanischen L?ndern, ihre unaufh?rlichen Bem?hungen um den Dialog zwischen den islamischen und den christlichen Kulturen zeichnen sie aus als eine Europ?erin par excellence im Dialog der Kulturen.

Germaine Tillion ist neben Genevi?ve de Gaulle die einzige franz?sische Frau, die mit dem Gro?en Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet wurde. In Deutschland erhielt sie 2004 aus den H?nden von Bundespr?sident Johannes Rau das Gro?e Bundesverdienstkreuz.

Bleibt mir nur noch herzlich zu gratulieren:

Joyeux anniversaire, Madame Tillion!

Wer mehr ?ber Germaine Tillion erfahren m?chte und des Franz?sischen m?chtig ist, kann z.B. zur Biographie »Le t?moignage est un combat, une biographie de Germaine Tillion« von Jean Lacouture greifen. Die Biographie ist 2000 im Verlag du Seuil erschienen.