Soziales

Der Weg nach Europa

Dieser Tage geht die Reportage des französischen Reporters Daniel Grandclément durch die Medien. Er hat Bootsflüchtlinge mit der Kamera begleitet und wagte sich auf eine Überfahrt von Bossasso, Somalia, über den Golf von Aden nach Jemen.

Wie groß muss die Hoffnung auf ein besseres Leben sein, wenn man solche Risiken eingeht? … Wenn ein Boot in Seenot gerät oder aus anderen Gründen »Ballast« abwerfen muss, stoßen diese Typen gnadenlos Menschen über Bord. Grandclément darf nicht filmen, wie das Boot in See sticht, auch nicht die Besatzung. Aber er nimmt dies und anderes wahr: 128 Menschen sind auf einem nicht einmal zehn Meter langen Boot eingepfercht, sogar unten im Kielraum, wo sie kaum ausreichend Luft zum Atmen bekommen. Ständig übergibt sich jemand, denn kaum einer war je zuvor in einem Boot auf dem Meer unterwegs. Die acht Mann Besatzung drangsalieren und schlagen die Flüchtlinge zudem - um Meutereien im Keim zu ersticken, so vermutet der französische Reporter. Wenn die Kamera aus ist, langen sie noch härter zu. Doch was kann Grandclément tun, wenn er selbst sich keinen Zentimeter rühren darf?

Die Schleuser werfen kurz vor der Küste alle Menschen brutal über Bord. Grandclément erlebt es als Wunder, dass alle lebend am Ufer ankommen. Für die Somalis ist nun das Ziel erreicht: Sie dürfen als politische Flüchtlinge im Jemen bleiben. Nur die Äthiopier müssen sich weiter nach Saudi-Arabien durchschlagen - auf die Gefahr hin, gefangen und nach Hause zurückgeschickt zu werden. … Nach dem mörderischen Meer müssen sie nun die endlose Wüste durchqueren.

Für Daniel Grandclément war allein sein Teil der Reise schon der blanke Albtraum. Unvorstellbar für uns, was Afrikaner für Strapazen und Erlebnisse hinter sich haben, wenn sie dann an europäischen Küsten anlanden.

Die kanarischen Inseln und Lampedusa z.B. verzeichnen seit zwei Wochen wieder ein Anschwellen der Flüchtlingsströme. Jeden Tag landen mehr Boote mit völlig entkräfteten Afrikaner dort an. Im vergangenen Jahr waren über 31.000 afrikanische Flüchtlinge auf die Kanaren gelangt, mehr als in den vier Jahren zuvor zusammen.

Passend dazu auch noch das Video »Kingsley’s Crossing« von Olivier Jobard, der die Reise eines jungen Kameruners nach Europa dokumentiert hat.