Nachdenkliches

»Letzter Wille«

Bisher bin ich davon ausgegangen, daß der letzte Wille eines Menschen sozusagen bindend für die Hinterbliebenen ist - sofern er ihnen nichts wirklich Unmögliches abverlangt. Ich meine mit »letzter Wille« jetzt nicht ein juristisch einwandfrei aufgesetzes Testament, sondern Wünsche, die der oder die Verstorbene bezüglich seiner/ihrer Beisetzung etc. geäußert oder sogar schriftlich festgelegt hat. Nun habe ich in meinem Umfeld im vergangenen Jahr mitbekommen, daß das offenbar nicht selbstverständlich ist. Mich würde nun mal interessieren, wie Ihr das seht? Würdet Ihr einen solchen »letzten Willen« ernstnehmen und erfüllen, auch wenn er Euch persönlich vielleicht nicht zusagt/gefällt?

7 Gedanken zu „»Letzter Wille«

  1. Doch, wenn es nicht ganz was Schlimmes ist, was anderen vielleicht wehtut, auf jeden Fall. Das hat etwas mit Respekt vor jemanden zu tun. Aber, wie gesagt, es kommt auf die Sache an. Wenn es sich dabei um etwas handelt, was den Respekt vor den anderen fehlen läßt, dann würde ich es vielleicht nicht respektieren. Wie ist da die Gesetzeslage?
    Ach, es kommt einfach auf die Sache an.

  2. Vor 2 Jahren habe ich meinen Vater beerdigt. Mit dem Bestatter habe ich mich vorher lange auseinandergesetzt und er hat mir sehr weitergeholfen.

    Sicherlich soll man die letzten Wünsche respektieren (es gibt keine juristische Relevanz). Sollte aber z.B. der Verstorbene Wert auf eine anonyme Grabstätte legen, man selber als Hinterbliebener damit aber überhaupt nicht zurecht kommen - dann darf man sehr wohl diesen letzten Wunsch außer Acht lassen. Schließlich muss man damit weiterleben.

  3. Es geht mir gerade um die Wünsche, die nicht »gesetzlich« festgelegt oder geregelt sind. Oder um mal Kristins Beispiel zu nehmen, stelle ich »meinen Willen« über den des Verstorbenen oder ist es eben ein Zeichen von Respekt, wenn ich den Willen des Verstorbenen erfülle, obwohl ich mit einer anonymen Grabstätte nicht so gut zurecht käme als mit einer normalen Grabstelle?

  4. Auf jeden Fall wäre der letzte Wunsch - auch ohne die juristische Relevanz - ganz eindeutig für mich eine Bitte, die ich erfüllen würde. Es sei denn, es übersteigt meine finanziellen Mittel.
    Wir haben auch erst schlucken müssen, als mein Vater von einer anonymen Grabstätte sprach, aber wir haben den Wunsch erfüllt. Das hat für mich etwas von Respekt der Überlebenden dem Willen des Verblichenen gegenüber zu tun!
    Ich selber würde sicherlich einen kleines Donnerwetter von wo auch immer senden, wenn man sich nicht an meinen Wunsch halten würde.

  5. Ich kenne zwei sehr unterschiedliche Fälle, bei denen der »letzte Wille« wirklich außer acht gelassen wurde. In dem einen Fall war es der »Noch-Nicht-Geschiedene-Ehemann«, der sich über den - sogar schriftlich festgelegten - letzten Willen der Schwiegermutter meiner Freundin B. hinweggesetzt hat. Er war nicht zu bremsen von Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln - und niemand von ihnen war in der Lage, ihn mit gesetzlichen oder juristischen Mitteln in die Schranken zu verweisen.
    Diese Frau war an Brustkrebs erkrankt und wußte, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit stirbt. Aber dass sich die Krankheit so schnell ausbreitet und ihr so wenig Zeit bleibt, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie konnte daher nicht mehr alle Sachen notariell festlegen und rechnete einfach fest damit, dass sich über ihre schriftlichen Festlegungen niemand hinwegsetzt.

    Der zweite Fall ist ganz anders gelagert. Der Mann meiner Freundin ist sehr plötzlich an Herzversagen gestorben. Er war Anfang 30 und hatte ein paar Wochen vorher anlässlich einer Beerdigung kundgetan, dass er verbrannt und anonym bestattet werden möchte, falls er irgendwann einmal stirbt. Als er dann so plötzlich aus dem Leben schied, haben sich meine Freundin und seine Mutter (also die einzigen ihm nahestehenden Menschen) gemeinsam entschieden, nur einen Teil seines letzten Willens zu erfüllen. Die Verbrennung. Beide Frauen hatten das Gefühl, dass sie die Trauer ohne Grab nicht überstehen könnten.
    Aus meiner Sicht eine richtige Entscheidung, denn selbst mit Grab war es für sie jahrelang ein schrecklicher Schockzustand.

    Der dritte Fall den ich kenne, betrifft meine Freundin S. Sie ist an einer sehr schlimmen unheilbaren Krankheit gestorben, als ihre Kinder 17 und 19 Jahre alt waren und hat ihnen und ihrem Lebensgefährten eine sehr komplizierte Aufgabe bzgl. ihres letzten Willens hinterlassen. Um diesen letzten Willen zu erfüllen mussten ihre Liebsten einen nicht ganz legalen Weg finden. Sie haben es geschafft! Schließlich hat S. ihnen ihre Energie, ihre Stärke und ihre Liebe geschenkt.
    Ich bin sehr stolz auf sie!

  6. Danke Euch allen, die Ihr Euch heute zu diesem Thema zu Wort gemeldet habt. Es zeigt mir auf jeden Fall, daß es heutzutage durchaus unterschiedliche Ansichten und Haltungen zu dieser Fragestellung gibt und es nicht mehr selbstverständlich ist, daß der »letzte Wille« eines Verstorbenen - wenn nur irgend möglich- auch erfüllt wird.

  7. Hm, ich werde es mal ausdrücklich meinen Hinterbliebenen hinterlassen, denn die sind es, die eventuell leiden müssen oder Schwierigkeiten bekommen. Ich aber merke nichts mehr, wenn ich tot bin. Vor Jahren mal meinte ich, DEN Popsong könnt ihr mal abspielen lassen, wenn ich tot bin und dann merkte ich im Gespräch, dass das gar nicht auf Zustimmung stieß. Ich denke, die Zurückgebliebenen leiden genug, dann muss man ihnen das Leben nicht noch zusätzlich schwer machen.

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