Nordisches ·Soziales

Auf in den Norden? - Teil 3

Kriminalromane aus Skandinavien, besonders aber aus Schweden, boomen bei uns seit Jahren. Dabei gilt vielen dieses Land als friedliche Idylle. Ganz so ist es nicht mehr aber im Vergleich zu anderen Ländern geht es in Schweden immer noch recht wenig kriminell zu, wie Zahlen belegen. Trotzdem fürchten sich die Schweden am meisten vor Kriminalität und Verbrechen, vor Ausländern und vor dem sozialen Abstieg. Ihre Angst vor dem Verbrechen ist vermischt mit einer seltsamen Faszination dafür und erreicht teilweise übersteigerte Formen. Politiker und Medien machen sich das zunutze und ziehen die Angstlust-Schraube weiter an und das hat Folgen (ähnliche Mechanismen ausgelöst durch Politik und manche Medien wirken übrigens auch bei uns in Deutschland ähnlich »gut«!)

Die Angst vor Verbrechen ist in der Bevölkerung schon so groß, dass sie kaum noch steigt, stellte eine junge Kriminologin fest. Es sind nicht mehr besorgte Väter und Mütter, die das Thema weiter hochspielen: Es sind Politiker, unterstützt von Opferverbänden und Medien. Politiker und Medien buhlen verzweifelt um öffentliche Aufmerksamkeit. Nationale Entscheidungsträger mussten Befugnisse an die EU abgeben, und auf die Wirtschaft haben sie weniger Einfluss denn je. Sie wollen ihre Macht retten und appellieren an die vermeintlichen Instinkte der Wähler. Sie appellieren an die Rache und an die Angst. »Wir müssen so handeln, wir haben keine andere Wahl, auch wenn wir anders denken« – das hätten ihm Politiker immer wieder unter vier Augen gesagt, berichtet der Stockholmer Kriminologie-Professor Jerzy Sarnecki. Wer 20 Sekunden in den Nachrichten wolle, müsse verkünden, »das System« sei nicht hart genug.

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Teil 1: Dänemark
Teil 2: Finnland