Soziales

Welt-Malaria-Tag - Malaria geht auch uns an

Unter »Malaria« können sich die meisten Menschen in unseren Breitengraden noch recht wenig vorstellen. Relativ viele wissen, daß Malaria von (Anopheles-)Mücken übertragen wird, viele glauben, Malaria sei »so eine Art Grippe« und das man »da immer so komische Anfälle bekommt«. »Komisch« sind die Anfälle allerdings ganz und gar nicht, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Es ist unglaublich, wie sehr einen ein akuter Malaria-Anfall körperlich mitnimmt und wie schnell einen eine Malaria tropica an den Rand des Todes bringen kann. Wohl dem, der an vorbeugende Medikamente kommt bzw. an die entsprechenden Medikamente, wenn es einen erwischt hat.

Leider können sich das aber viele Menschen besonders in Afrika nicht leisten. Ich habe während meiner Zeit in Afrika das häßliche Gesicht der Malaria gesehen. Ich habe um mehr als ein Neugeborenes gekämpft, dessen Mutter während der Schwangerschaft an Malaria erkrankt war und das darum mit viel zu geringem Geburtsgewicht (wobei die afrikanischen Neugeborenen sowieso viel viel weniger wiegen als die Neugeborenen hier bei uns!) oder gleich mit einer angeborenen Malaria geboren wurde. Die Säuglinge bekamen Fieber, Gelbsucht oder Anfälle, manche Lungenödeme - und nicht selten war die Mutter entkräftet, wie sie selber von der Malaria war, bei der Geburt gestorben. Die endlosen Nachtwachen bei diesen Neugeborenen, in denen die Malaria wütete und ihr zerstörerisches Werk trieb, gehen mir bis heute nach. Irgendwann habe ich aufgehört, zu zählen, wieviele Kinder wir trotz Medikamenten an die Malaria verloren haben.

Anlässlich des heutigen Welt-Malaria-Tags weist UNICEF darauf hin, dass in Afrika alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria stirbt. Die meisten dieser Mädchen und Jungen werden nicht einmal fünf Jahre alt. Malaria ist eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern in den ärmsten Ländern Afrikas.

Fast 20 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind auf Malaria zurückzuführen. UNICEF ruft dazu auf, den Kampf gegen Malaria durch eine verbesserte Gesundheitsversorgung und den Einsatz von Moskitonetzen zu verstärken. Wenn die Netze flächendeckend verwendet würden, könnte die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren in Afrika insgesamt um bis zu 25 Prozent gesenkt werden.

UNICEF ist weltweit der größte Beschaffer und Lieferant von imprägnierten Bettnetzen. Allein 2006 hat UNICEF mehr als 24 Millionen Netze für den Einsatz in Malariagebieten bereitgestellt. Die Verteilung der Bettnetze an schwangere Frauen und Familien mit Kleinkindern kombiniert UNICEF oft mit Impfkampagnen gegen die wichtigsten Kinderkrankheiten. Gleichzeitig drängt UNICEF darauf, armen Ländern Zugang zu neuen lebensrettenden Kombinationspräparaten (ACT) gegen Malaria zu ermöglichen. Das lange am weitesten verbreitete Mittel Chloroquin ist in den meisten Ländern Afrikas wirkungslos geworden, weil der Erreger der Krankheit Resistenzen dagegen entwickelt hat. Doch die neueren wirksamen Medikamente auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin sind immer noch zehn bis 20 mal teurer als Chloroquin.

Auch das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk action medeor e.V. startet heute eine neue Kampagne, um Malaria zu bekämpfen und vor allem in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit für das malariabedingte Sterben der Menschen in Afrika zu wecken. Über diese Organisation kann man z.B. auch sog. »Malaria-Pakete« spenden. Mit z.B. 20 € werden vier Moskitonetze für eine mehrköpfige Familie in Afrika finanziert. Mit einem Paket für 50 € können Medikamente für 50 an Malaria erkrankte Kinder finanziert werden - das bedeutet mit gerade mal 1 Euro kann man die medikamentöse Behandlung eines an Malaria erkrankten Kindes sicherstellen.

Übrigens: Schon jetzt reist in jedem zweiten rückkehrenden Flugzeug schätzungsweise ein infizierter Urlauber mit. Vor allem Last-Minute-Reisende, die keine Zeit oder Lust haben, sich vor dem Flug ausreichend zu impfen, laufen Gefahr, die Krankheit als unfreiwilliges Souvenir mitzunehmen. Jährlich werden etwa 1.000 Malariafälle in Deutschland registriert, 20 bis 30 Menschen sterben daran - in unseren gut ausgerüsteten Krankenhäusern unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal und das sich verändernde Klima in unseren Breitengraden (steigende Temperaturen, mildere Winter) läßt Experten die Rückkehr der Malaria auch in manche europäische Länder befürchten.

Malaria Foundation International

Roll Back Malaria
Eine Organisation innerhalb der WHO – unterstützt finanziell, organisatorisch, logistisch, wissenschaftlich etc. die Bestrebungen von Regierungen die Malaria zurückzudrängen. Möchte die Malaria bis 2010 um die Hälfte reduziert haben, sowohl betreffend Krankheitsbefall als auch bezüglich Todesfällen.