Musik ·Nordisches

Wie das Akkordeon Norwegen eroberte

Ab 1850 wurden Akkordeon, Walzer, Mazurka, Polka usw. in Norwegen sehr populär und von Puristen sofort heiß angefeindet, weil ausländisch (das Akkordeon kam aus Österreich, die meisten Noten aus Deutschland und Österreich, und die Melodien der Brüder Schrammel aus Wien waren besonders beliebt).

Die Puristen erklärten, echte Norweger hätten Hardangerfiedel zu spielen und alte einheimische Tänze wie Slåttar und Springar zu tanzen. Dadurch wurde die Hardangerfiedel auch in Gebieten populär, wo es sie vorher nie gegeben hatte.

Im Jahr 1904 verbrannten die wichtigsten Nachlässe von norwegischen Akkordeonisten, unabhängig voneinander: der von Anders Sørensen (1821-1896), einem Schüler Ole Bulls, der lieber Klassiker geblieben wäre, davon aber nicht leben konnte, und von Per Bolstad, Ålesunds Walzerkönig. Sein Nachlaß verbrannte beim großen Brand von Ålesund.

Der »Antiwalzerterrorismus« half den Puristen aber auch nicht - kurz vor Weihnachten 1904 entstand Norwegens erste Grammophonaufnahme: Carl Mathiesen spielte auf einem Akkordeon einen Walzer.

Ebenfalls 1904 eröffnete Christianias erstes Kino, das Edison, und viele andere folgten bald. Dort wurden nicht etwa Pianisten angeheuert, sondern Akkordeonspieler, die Walzer, Mazurka usw. spielten, und sie mußten sich dem Film entsprechend kleiden: als Scheich, als Cowboy usw.

Salonfähig wurde die »neue« Musik 1917, als Königin Maud - die Mutter des heutigen norwegischen Königs Harald - den Kinomusiker und Akkordeonisten Hans Erichsen zum Konzert ins Schloß einlud.

Der wohl berühmteste Akkordeonspieler Norwegens war Toralf Tollefsen (1914-1994). Er begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Akkordeonspielen, mit sechzehn Jahren wurde er Profi-Akkordeonspieler. 1947 spielte er mit den Londoner Symphony Orchestra in der Royal Albert Hall.

Auch heute noch erfreut sich das Akkordeon großer Beliebtheit in Norwegen.

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