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Klimaschutz auf Kosten der Schwachen

Zur Zeit ist ja das Thema Klimaschutz in aller Munde, was höchste Zeit ist. Allerdings blinder Aktionismus kann hier auch von Übel sein.

Auch die USA haben ja nun angekündigt, etwas fürs Klima tun zu wollen und haben z.B. damit begonnen aus Mais zunehmend Ethanol herzustellen - als Benzinersatz. Wunderbar mag mancher rufen, doch die Geschichte geht weiter, wie gestern der Weltspiegel berichtete. Dieses Vorgehen stürzt nämlich Mexiko in die sog. »Tortilla-Krise«. Die heißen Maisfladen sind das Grundnahrungsmittel der Mexikaner schlechthin. Mexiko war eines der Hauptanbau-Länder für Mais, bis die Amerikaner den Maisanbau für seine Landwirte hoch subventionierte. Die USA-Landwirte bauten wie wild Mais an und überschwemmten den mexikanischen Markt mit billigem Mais. Das wiederum führte dazu, daß der mexikanische Mais-Markt zusammenbrach. Für mexikanische Bauern lohnte es sich nicht mehr selber Mais anzubauen, viele verkauften als Folge davon ihre Felder. Stattdessen importiert Mexiko den Großteil seines Maisbedarfs aus den USA.

Doch jetzt brauchen die USA ihren Mais selber - weil sie ja was für den Klimaschutz tun wollen - und somit wird der Mais der nach Mexiko exportiert werden kann weniger und natürlich teurer. So teuer, daß viele Mexikaner sich ihre Tortillas nicht mehr leisten können. Inzwischen gehen tausende Mexikaner auf die Straße und protestieren gegen diese Entwicklung. Ein Vorsitzender einer Agrargenossenschaft sagte: Es sei doch pervers, daß die USA und Teile Europas, während Millionen Menschen auf der Welt hungern, nun um das Klima zu schützen, Lebensmittel in die Tanks ihrer Autos füllen wollten.

Wird hier also Klimaschutz wieder mal auf Kosten der Schwachen betrieben? Welche (Kurz- und Langzeit-)Folgen hat es für andere Teile der Welt, wenn wir Klimaschutz betreiben? Kann man diese Folgen verhindern oder abmildern oder sonst für einen Ausgleich sorgen? Die Welt ist ein Dorf heißt es häufig und das ist wahr. Wir hängen in vielerlei Hinsicht enger zusammen als vielen bewußt ist, wie das obige Beispiel zeigt.

4 Gedanken zu „Klimaschutz auf Kosten der Schwachen

  1. Ähnliche Probleme ergeben sich ja z.B. bei der Diskussion lokal produzierte Konsumgüter vs. Fairtrade-Produkte. Kaufen wir vor Ort, um lange Transportwege zu vermeiden, dann hat das Einfluß auf Bauern in ärmeren Ländern. Es ist alles so komplex miteinander verflochten, daß es immer schwieriger wird, in allen Lebensbereichen ethisch zu handeln.

  2. Das größte Problem ist der zeitfaktor. radikales umdenken in den Ländern »der ersten Welt« führt in der regel dazu, dass in den anderen Ländern Folgeprobleme auftreten. man kann natürlich nach und nach umschwenken und so den Mexikanern Zeit geben zu reagieren, denn das Land im eignenen Land ist ja noch da und der Anbau könnte mit der Zeit wieder anlaufen.

    Doch Zeit ist das was wir wahrscheinlich nicht haben glaubt man den Uno Prognosen. Die Frage ist dann was auf lange Sicht gesehen der schlimmste Fehler wäre, denn um Fehler auszubügeln müssen auch weiterhin andere Fehler gemacht werden.

  3. @ DaShan … ja, der Zeitfaktor ist wirklich ein Problem. Das kommt davon, wenn man erst fünf vor zwölf anfängt was gegen eine drohende Katastrophe zu unternehmen. Eine Möglichkeit wäre ja auch, daß die USA den Mais einfach erstmal weiter zum bisherigen Preis exportieren, das würde das Drama für die Mexikaner zumindest ein bißchen minimieren. Gleichzeitig müßten die Mexikaner anfangen wieder selber Mais anzubauen und wenn sie ihren Maisbedarf wieder größtenteils selber decken können, dann können die USA ja all ihren Mais in Ethanol umwandeln.

    @ Anne … ich könnte da immer verzweifeln, wenn ich sehe, wie es immer schwieriger wird ethisch zu handeln und vor allem, daß es immer und immer wieder die trifft, die es so schon mehr als schwer haben. 🙁

  4. natürlich wäre das eine Möglichkeit, aber hier sprechen wir auch schon wieder von einer Regulierung, die sicherlich strukturell gesehen 10 - 20 Jahre in Anspruch nehmen wird. Wirtschaftliche Modelle können innerhalb von Sekunden kollabieren, aber sich ändern können sie nur in Jahren.

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