Literatur & Lyrik ·Musik

Befiehl du deine Wege

Heute vor 400 Jahren wurde der Liederdichter Paul Gerhardt geboren. Ich selber habe seine Lieder schon in meiner Kindheit kennen und lieben gelernt und für mich ist Paul Gerhardt einer der bedeutendsten kirchlichen Liederdichter, die wir überhaupt haben. Viele seiner Lieder finden sich auch heute noch in den kirchlichen Gesangsbüchern.

Interessant finde ich, daß viele, die eigentlich mit Glaube und Kirche nicht mehr allzuviel am Hut haben, trotzdem die Lieder von Paul Gerhardt lieben und sich in seinen Texten wiederfinden oder verstanden und aufgehoben fühlen. Lieder wie »Nun ruhen alle Wälder« und »Geh’ aus mein Herz« sind weit über den kirchlichen Raum hinaus bekannt.

Sein Passionslied »O Haupt voll Blut und Wunden« das wohl bekannteste Passionslied überhaupt.
Für mich zählen seine Lieder »Fröhlich soll mein Herze springen« und »Ich steh an deiner Krippen hier« zu den schönsten kirchlichen Weihnachtsliedern.

Schaut man sein Leben an, wird klar, daß er seine Texte nicht vom sog. grünen Tisch oder in abgehobener geistlichen Manier geschrieben hat. Gerade Menschen in schweren Lebenskrisen haben in seinen Texten und Liedern Trost und Hoffnung gefunden.

Befiehl du deine Wege

Befiehl du deine Wege
Und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden,
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren mußt du trauen,
Wenn dir’s soll wohlergehn;
Auf sein Werk must du schauen,
Wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
Und mit selbsteigner Pein
Läßt Gott sich gar nichts nehmen,
Es muß erbeten sein.

Hoff, o du arme Seele,
Hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
Da dich der Kummer plagt,
Mit großen Gnaden rücken;
Erwarte nur die Zeit,
So wirst du schon erblicken
Die Sonn’ der schönsten Freud’.

Auf, auf, gib deinem Schmerze
Und Sorgen gute Nacht!
Laß fahren, was dein Herze
Betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente
Der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente
Und führet alles wohl.

Ihn, ihn laß tun und walten,
Er ist ein weiser Fürst
Und wird sich so verhalten,
Daß du dich wundern wirst,
Wenn er, wie ihm gebühret,
Mit wunderbarem Rat
Die Sach’ hinausgeführet,
Die dich bekümmert hat.

Wohl dir, du Kind der Treue!
Du hast und trägst davon
Mit Ruhm und Dankgeschreie
Den Sieg und Ehrenkron’.
Gott gibt dir selbst die Palmen
In deine rechte Hand,
Und du singst Freudenpsalmen
Dem, der dein Leid gewandt.

Mach End’, o Herr, mach Ende
An aller unsrer Not,
Stärk unsre Füß’ und Hände
Und laß bis in den Tod
Uns allzeit deiner Pflege
Und Treu’ empfohlen sein,
So gehen unsre Wege
Gewiß zum Himmel ein.
Paul Gerhardt - Auszug aus seinem Lied »Befiehl du deine Wege« - vollständiger Text

Texte und Podcast aus Anlaß von Paul Gerhardts 400. Geburtstag

Gefeiert wird der Dichter mit dem Paul Gerhardt-Jahr, das gestern mit einem Festgottesdienst eröffnet wurde.

Liedtexte von Paul Gerhard hier und hier

Kalenderblatt Deutschlandradio Kultur über Paul Gerhard anläßlich seines 400. Geburtstags - als podcast zum anhören

Die lutherische Nachtigall - Paul Gerhardt zum 400. Geburtstag

Der lutherische Dichter, dessen Lieder auch Katholiken singen - Stuttgarter Zeitung zu Paul Gerhardts 400. Geburtstag

Gott sitzt im Regimente - Eßlinger Zeitung zu Paul Gerhardts 400. Geburtstag

Ein Hardliner auf lutherischer Seite war Paul Gerhardt. Aber auch ein Tröster im irdischen Leid. Eine Würdigung des großen Barockdichters - taz zu Paul Gerhardts 400. Geburtstag

2 Gedanken zu „Befiehl du deine Wege

  1. Über ihn kam heute in Deutschlandradio Kultur auch ein interessantes »Kalenderblatt«, das man hier als podcast anhören kann.
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag! Übrigens vermiss ich Dich bei flickr!

  2. Vielen Dank Rosina für den Hinweis auf den podcast, hab den Link gleich noch in den Eintrag übernommen, damit er hier in den Kommentaren nicht verlorengeht.

    Glaub mir, ich vermisse Flickr und viele Freunde, wie Dich, dort auch sehr. Manchmal tut Konsequenz halt wirklich weh.

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