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Monster und Mensch

Ist ja vielleicht blöde aber ich frage mich die ganze Zeit, was in den Rettungskräften, den Krankenschwestern und Ärzten vor sich geht, die jetzt mit dem Mörder von Mitja zu tun haben. Schafft man es auch diesen Mann professionell zu behandeln? Und selbst wenn, wie steht es um die Emotionen derjenigen, die mit ihm zu tun haben? Der Mann ist ein Mörder, ein Monster aber eben auch ein Mensch und mit dem sind nun viele konfrontiert, die sich sowas vermutlich nie haben träumen lassen - also daß sie mal in so eine Situation kommen könnten.

Den Kerl unter der Straßenbahn rauspulen und am Leben halten? Man könnte sich ja etwas ungeschickt dranstellen und wenn er da stirbt unter der Bahn, wäre es auch kein großer Verlust oder?! Regt sich da vielleicht doch beim ein oder anderen der Gedanke mal eben ans Bett zu stoßen »Oh Entschuldigung, das tut mir leid« (und innerlich denken sie vielleicht ‘Hoffentlich hat es weggetan!’ Der Patient hat Schmerzen und will ein Schmerzmittel? Ach, reicht auch, wenn wir ihm das erst in zwei Stunden geben - soll er ruhig spüren was Schmerzen sind! Oder empfinden sie doch so etwas wie Mitleid auch mit einem solchen Monster, einfach weil er zugleich ein Mensch ist, der jetzt leidet?

Keine Ahnung, vermutlich sind die Ärzte und Pflegekräfte professionell aber irgendwie stelle ich mir vor, daß sie in kurzen Pausen zusammen sitzen und über ihre Empfindungen und »den Fall« diskutieren oder abends nach Hause kommen und mit ihren Angehörigen oder Freunden über ihre Empfindungen sprechen einfach weil diese Situation zu irre ist.

3 Gedanken zu „Monster und Mensch

  1. Ja, man kann nur hoffen, dass man selbst in so einer Situation sich professionell verhalten würde. Ich glaube, ich würde mich schon bemühen. Leichter fiele es mir sicher dann, wenn ich merken würde, dass er nicht ein eiskalter psychopathischer Killer wäre, sondern einer, der es einfach nicht schaffte, mit sich zurande zu kommen.
    Kennst du den Film oder/und das Buch über Jürgen Bartsch? Daraus habe ich zumindest ein wenig dieses Getriebensein, das ihm selbst das Leben zur Hölle machte, begriffen - auch wenn die andere Seite letzten Endes nie nachvollziehbar sein wird und kann.

  2. Daß Hangtäter entlassen werden, ist doch lange bekannt. Es ist auch seit langem bekannt-z.B. durch Interviews mit Frank Schmökel- daß geschickten Leuten es immer wieder gelingt, ihre Therapeuten und Gutachter auszutricksen.
    Solange immer nur kurz Erregung hochkocht, wenn es neue Taten gibt, die Bevölkerung aber das ganze Resozialisierungskonzept von Hangtätern nicht in Frage stellt, wird sich nichts grundsätzlich ändern.
    Der Glaube an besser qualifizierte Therapeuten und Gutachter ist sehr naiv, meiner Erfahrung nach ( siehe Homepage) ist der Glaube an Therapien und sichere Prognosen ein reiner Wunschtraum.

  3. Ich würde nicht allzu sehr auf die Professionalität der Helfer bauen. VOR dem Patienten sicher. Aber in seiner Abwesenheit MUSS gelästert und geschimpft werden, damit man diese Diskrepanz zwischen persönlicher Einstellung (Meine Kollegin: »Ich würde ihm die Eier abreißen!«) und notwendiger beruflicher Neutralität überhaupt ertragen kann. Immer wieder gibt es Patienten, die man selbst nicht leiden kann. Wir behelfen uns damit, daß andere zu ihm gehen. Mir selbst würde helfen, wenn ich mir sagte: »Pflege ihn möglichst gesund, damit er mit allen Fasern seines Wesen die lange, lange Haftstrafe erleben kann!« Dieser Triebttäter liegt ja in unserem Krankenhaus; allerdings arbeite ich selbst in einer Außenklinik, also ausreichend weit weg von der momentanen Ofenhitze. Natürlich wird darüber diskutiert. Und die Ansichten sind entsprechend rüde und von Wut geprägt, daß so etwas passieren konnte.

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