Kunst ·Literatur & Lyrik

Hesses farbige Welt

Hermann Hesse als Literat ist den meisten bekannt. Fast jeder, der in Deutschland seine Schulzeit absolviert hat, dürfte in einer der höheren Klassen mindestens eines seiner Bücher wie »Siddhartha« oder »Der Steppenwolf« gelesen haben. Daß Herman Hesse auch zu Pinsel, Zeichenstift und Farbe gegriffen hat, ist dagegen vielen immer noch unbekannt.

1916 unternahm Hermann Hesse nach einem Nervenzusammenbruch als Folge der Erlebnisse im 1. Weltkrieg auf ärztliches Anraten als vierzigjähriger seine ersten Malversuche. Er selbst hat darüber einmal gesagt:

»Es ist so, dass ich längst nicht mehr leben würde, wenn nicht in den schwersten Zeiten meines Lebens die ersten Malversuche mich getröstet und gerettet hätten.«

Nach seinem Umzug in die farbenprächtige Landschaft des Tessins im Jahre 1919 entstanden auf Ausflügen Tausende farbenprächtige Aquarelle.
Schon 1918 beginnt Hermann Hesse, farbig illustrierte Gedichte zu verkaufen, deren Erlös vor allem der von Hesse geleiteten Bücherei für Kriegsgefangene zugute kommt. Freunden und Familienmitgliedern schenkt er illustrierte Manuskripte und verziert zahlreiche Briefe an seine Söhne und Freunde mit kleinen Aquarellen. Seine Aufzeichnungen Wanderung sind ebenfalls mit kleinen Aquarellen ergänzt. Doch es ging ihm nie darum, sich ernsthaft als Maler zu etablieren. Doch seine Aquarelle und Bilder sind heute sehr geschätzt und werden rund um die Welt in Ausstellungen gezeigt. Es wird damit die umfangreichste, jemals über Hermann Hesse gezeigte Ausstellung sein.

Ab morgen beginnt z.B. die Ausstellung »Hermann Hesse - Dichter & Maler« im Leopold Museum in Wien, wo bis zum 3. Juni 2007 über 100 seiner Aquarelle ergänzt durch zahlreiche Fotografien, Dokumente, Originalmanuskripte und Briefe gezeigt werden.

Weitere Aquarelle und Zeichnungen von Herman Hesse

2 Gedanken zu „Hesses farbige Welt

  1. Die Bilder sind herrlich. Ich hab sie als Schülerin in den 70igern in Marbach im Liteaturarchiv gesehen.Und viel später mal nach Montagnola gefahren , nur um die Stellen wieder zu finden, wo er gemalt hat. Die Orginale sind nicht groß, haben aber eine unglaubliche Leuchtkraft.

  2. Hm, ich hab gemischte Gefühle, was Hesses gemalte Werke angeht. Ich habe sie vor ein paar Monaten in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall gesehen (Ausstellung »Literatur kann man sehen«). Mich haben diese Aquarelle nicht so stark angesprochen. Habe den Eindruck, sie wirken vor allem durch die Farben, aber ansonsten kaum. Lag vielleicht auch daran, dass nebendran Werke von Günter Grass zu sehen waren, den ich wirklich als Maler »in his own right« sehen würde, nicht (wie Hesse) als Schriftsteller, der »auch malt«.

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