Film ·Nordisches

Goldkäfer für »Das Leben der Anderen«

Im Trubel der Nominierung des deutschen Films »Das Leben der Anderen« für den Oscar in der Sparte »Bester nicht englischsprachiger Film« ist untergegangen, daß der Film gerade in Schweden den »Guldbagge« (Goldkäfer) für den besten ausländischen Film erhalten hat. Der Guldbagge ist quasi der schwedische Oscar. Ist doch auch schon mal was - zumal ich persönlich bezweifle, daß sie den amerikanischen Oscar wirklich abräumen werden - allein schon, weil kein Mensch dort den Namen Florian Henckel von Donnersmarck aussprechen kann. :o) Aber vielleicht gibt’s ja auch da eine Überraschung.

Florian Henckel von Donnersmarck hatte übrigens eine nette Dankesrede für die Schweden verfaßt, die allerdings der deutsche Kulturattaché in Schweden vortragen mußte, da am Abend der Preisverleihung (22.1.2007) die Französische Premiere des Films war und laut F. H.v.D. die Franzosen gedroht hätten, den DGSE (den französischen Geheimdienst) auf ihn anzusetzen, sollte er sich dafür entscheiden an diesem Abend in Schweden statt in Frankreich zu sein.

Ansonsten teilte er den Schweden mit, daß ihm der Guldbagge für seinen Film ganz besonders viel bedeutet und zwar weil er schon immer gehofft hat Anerkennung in Schweden zu finden. Warum gerade dort? Nun, wegen eines wunderschönen schwedischen Mädchens namens Aleksandra Schalburg, mit der er im Alter von 4 bis 6 Jahren zusammen im Kindergarten in New York war. Als sie schließlich mit ihren Eltern zurück nach Stockholm zog, war sein Leben nicht mehr dasselbe. Der zweite Grund, warum er sich über diesen Preis besonders freue sei, weil auch Ingmar Bergman einen Guldbagge erhalten habe und daß er (F H.v.D.) nun auch einen habe, mache ihn sehr stolz.

Als bester Film mit dem Guldbagge ausgezeichnet wurde »Förortsungar« (Kidz in da Hood). Als Musical erzählen die schwedischen Regisseurinnen Ylva Gustavsson und Catti Edfeldt in Förortsungar von der harten Realität einer jungen illegalen Immigrantin, die in einem Musiker einen ungewöhnlichen Pflegevater findet.

Als bester männlicher Schauspieler wurde Gustaf Skarsgård für seine Rolle als Johan in eben diesem Film ausgezeichnet. Er ist zur Zeit Schwedens shooting star. Gustaf Skarsgård wurde 1980 in Schweden geboren, hat aber trotz seiner Jugend schon an Dutzenden von Filmen mitgewirkt. Zu seinen Kinofilmen gehören »Coq Rouge« (1989) und »Evil« (2003), der auf dem Bestseller von Jan Guillou basiert und im Jahr 2003 für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert war. Gustaf Skarsgård gilt als einer der talentiertesten jungen Schauspieler Schwedens.

Der Preis für beste Regie ging an die beiden Regisseurinnen des Films Ylva Gustavsson und Catti Edfeldt ebenso ging der Preis für das beste Drehbuch an »Förortsungar«.

Den Guldbagge als beste weibliche Schauspielerin erhielt Haddy Jallow für ihre Rolle als Fatou in »Säg att du älskar mig« (Say That You Love Me / Sag, daß Du mich liebst).
Die 15jährige Fatou und ihre Freundinnen Betty und Kim suchen nach der Liebe und verwechseln sie mit Sex. Eines Abends nach einem Striptease-Spiel mit einer Gruppe Jungen wird Fatou vergewaltigt. Danach streitet sie ab, daß das passiert ist und gesteht es auch sich selbst nicht ein. Doch die Wahrheit holt sie ein.

Bester Schauspieler in einer Nebenrolle wurde Anders A. Rosendahl in der Rolle des Roffe in »Hemligheten« (The Secret/ Dunkle Geheimnisse).
Bei »Hemligheten« handelt es sich um den vorläufig letzten Film aus der Film-Reihe um Henning Mankells Kommissar Wallander mit Krister Henriksson in der Rolle des Kurt Wallander. Der Film wird am 24.2.2007, um 22.30 Uhr in der ARD gezeigt.

Der Guldbagge für die beste Schauspielerin in einer Nebenrolle ging an Lia Boysen für ihre Rolle als »Vera« im Drama »Sök« (Search)
»Frau, 38, keine Kinder, kein Ehemann!« - Karrierefrau Lisa will eine Veränderung in ihrem Leben und sucht die große Liebe im Internet. Internet-Dating scheint die Lösung, doch alle Männer die sie trifft zeigen ihr eher die unangenehmen Seiten. Der Traum vom glücklichen Familienleben rückt immer mehr in die Ferne. Bis Lisa auf die Idee kommt, doch einmal in ihrer unmittelbaren Umgebung nach einem möglichen Partner Ausschau zu halten.

Der Guldbagge für den besten Dokumentarfilm 2006 ging an Åsa Blanck and Johan Palmgren für »Vikarien« (The Substitute / Der Aushilfslehrer).
Voller Ambitionen kommt der junge Lehrer Max an die Hallonberg-Schule in dem gleichnamigen Stockholmer Vorort. Doch schon bald geraten Max’ Unterrichtsstunden völlig aus dem Ruder: Die pubertierenden Schüler tanzen dem Junglehrer hemmungslos auf der Nase herum. Max glaubt anfangs, auf sanfte Weise und durch eindringliches Zureden irgendwann doch ihr Interesse zu gewinnen. Als er damit nicht weiterkommt, ruft Max seinen eigenen alten Lehrer um Hilfe: Der 73-jährige Folke gehört noch zur alten Schule der Lehrerschaft. Er setzt auf Respekt und Ordnung, und er stößt auch schon mal Drohungen aus. Gleichzeitig ist Folke Weltmeister im Rückwärtssprechen. Als er für Max einspringt, prallen an der Hallonberg-Schule Welten aufeinander.

Der Preis für das Lebenswerk ging an Nils Petter Sundgren, den großen alten Mann der schwedischen Filmkritik.

Den Ingmar Bergmann-Preis 2006 durfte die Schauspielerin Angela Kovács mit nach Hause nehmen.

Der Gullspira 2006 für herausragende Beiträge im Bereich Kinderfilm ging an die Regisseurin Catti Edfeldt und der Publikumspreis schließlich ging an Johan Brisinger für seinen Film »Underbara älskade« (Suddenly)

Damit ist der Film »Förortsungar« (Kidz in da Hood) der diesjährige Abräumer bei den Guldbagges.

Die Guldbagges werden jährlich in insgesamt 14 Kategorien vom Schwedischen Filminstitut vergeben.