Soziales

Wo leben wir eigentlich?

Ich dachte, ich hätte mich verhört als die Meldung kam, daß es dem Kindermörder Gäfgen anscheinend tatsächlich genehmigt wird eine »Stiftung für junge Gewaltopfer« zu gründen. Angeblich, weil diese Stiftung nichts mehr mit ihm zu tun habe - nur weil der Name, der ursprünglich »Magnus Gäfgen-Stiftung« sein sollte, geändert wurde. Das ist ja wohl an Absurdität und Zynismus nicht mehr zu überbieten. Opfer von Verbrechen müssen in diesem Land oft jahrelang um ihr Recht bzw. Entschädigungen prozessieren und so ein Kerl darf sich mal gerade als »Stifter« oder noch schlimmer »Wohltäter« produzieren. Angeblich gibt es schon hohe Geldsummen, die für die Stiftung versprochen wurden. Da dürfte es wohl bald andere Täter geben, die auch plötzlich ihre humane Ader entdecken und Stiftungen initiieren. Mann, Mann, Mann … wo leben wir eigentlich?

8 Gedanken zu „Wo leben wir eigentlich?

  1. Liisa, ich habe den Bericht auch gesehen und war genau so fassungslos wie du! Nicht nur, dass er sich wieder in der Öffentlichkeit produzieren kann nein, man gibt ihm womöglich noch die Plattform dazu. Für mich einfach eine Unmöglichkeit!
    Gruß
    Barbara

  2. Eigentlich würde ich ja jedem erstmal zugestehen, dass man nach so einer Tat irgendwann begreift, dass man auch sein eigenes Leben für immer zerstört hat, und irgendwie versucht, etwas gutes aus dem Rest zu machen.

    Andererseits wundert mich, woher das Geld kommt. Wenn mir seine WIkipedia Seite ansehe, dann steht dort etwas von Verbraucherinsolvenz. Also muss das Geld doch von dritter Seite kommen? Warum dann unbedingt den Namen des Mörders verwenden?

    Wenn ich mir den Rest der Seite ansehen — Buch geschrieben, Revision angestrengt, Staatshaftungsansprüche angestrengt — dann passt das auch gut in das Bild von jemand, der verzweifelt versucht, sich in einem positiven Licht darzustellen, um doch noch aus dem Gefängnis zu kommen.

  3. Ich frage mich mittlerweile, ob es nicht schon so eine Art Insassen-Consultants gibt. Die sich sofort auf solche Täter stürzen, die aufgrund ihrer besonders schlimmen Taten ein „Ansehen“ mit hohem Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit haben und diese dann in Richtung Autobiografie, Verkauf von Drehbuchrechten, Stiftungsmanagement und Public Relations und Massenmörder-Merchandising drängen …

  4. Den Eindruck könnte man wirklich bekommen, creezy! Ich hab hier auch schon öfter zur weltbesten aller WG-Genossinnen gesagt, daß wir inzwischen soweit sind, daß man seine Zukunft sichern kann, indem man ein größeres Verbrechen begeht - notfalls auch ein paar Jahre im Knast einkalkuliert und danach geht’s dann ab in die Talkshow-Runde, man schreibt ein Buch und läßt seine Geschichte verfilmen und ist am Ende ein »gemachter Mann«. Ekelhaft!

  5. Dieser Trend ist nicht ganz abwegig, siehe auch der Fall Kampusch: Kaum aus der Hölle freigekommen, gehts übers Fernsehen in eine Stiftung.
    Aber… sie ist immerhin das ‘Opfer’, im obigen Fall ist es der Täter! Interessant wären in diesen Fall einmal, welche die Geldgeber sind.

  6. Liisa, was Du da an die Wand malst, ist in Österreich vor ein paar Jahren mal wirklich passiert (OK, geplant von Anfang an war es wohl nicht).

    Nach der Freilassung gab es aber weitere Morde; der Mann hat sich das Leben genommen bevor die Sache endgültig aufgeklärt werden konnte.

  7. Und ich dachte eben, ich hätte mich verlesen…

    Unglaublich, nicht zu fassen!
    Mir steckt jedes Mal ein Kloß im Hals, wenn ich am Grab des kleinen Jakob vorbeikomme… 🙁

    So etwas ist aber auch nur hier möglich, fürchte ich.

  8. Vor allem: Wenn der Täter sein Geld (woher auch immer) im Sinne einer »Sühne« an seinem Opfer oder überhaupt für Kinder oder wo auch immer loswerden will, dann gibt es eine ganz einfache Möglichkeit: Spenden, und zwar anonym.

    Üble Masche, der man besser nicht zu viel öffentlichen Raum gibt, denn genau darauf zielt es ja ab. Creezy hat es pointiert gesagt. Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Und mehr als das: Ich finde das ekelig.

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