Privates ·Tagesnotizen 2016

Was schön war diese Woche

In einem nahegelegenen kleinen Städtchen gibt es ein CineStar Kino. Meistens werden da die Blockbuster gezeigt, also Mainstream-Kino. Ab und an werden Filme gezeigt, die nicht mainstream sind. In der Regel werden diese Filme nur in einer Vorstellung gezeigt. Vogel friß oder stirb!

Diese Woche war es wieder so weit. Gezeigt wurde der Film „Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika“. Ich hab mich sehr darüber gefreut, weil ich den Film so gerne sehen wollte und dachte, hier auf dem platten Land werde ich dazu kaum Gelegenheit bekommen. Nun also doch. Ein unaufgeregter aber – wie ich finde – sehenswerter und eindringlicher Film. Das war schön … und etwas bedrückend und traurig … aber auch wichtig.

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Letztes Wochenende lief im Deutschlandfunk die „Lange Nacht“ über die Künstlerkolonie Worpswede „Das Moor, die Künstler und das Dorf“. Die habe ich später nachgehört (was glücklicherweise möglich ist) und das war sehr interessant und schön.

Überhaupt, falls Ihr noch nie von dieser Sendung gehört habt, kann ich sie Euch wärmstens empfehlen. Immer wieder sehr spannende Themen, und ich mag es einfach sehr, dass mal viel Zeit ist, sich einem bestimmten Thema zu widmen.

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Am Mittwoch trat ich aus einem Bauernhaus, ließ meinen Blick über den Hof, die umliegenden Weiden und Felder schweifen und dachte: Friseur *check*. Das war schön, denn ich hatte das Haareschneiden mal wieder überlebt. Ich hasse Haareschneiden!!

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Einen ersten Schwung Weihnachtsgeschenke hab ich nach einem Tag in Rostock beieinander, was schön ist. Wenn möglich hab ich meine Geschenke gern frühzeitig beisammen, und soweit lässt sich das gut an.

Während ich so mit Massen anderer Menschen durch die Stadt lief und in langen Warteschlangen vor Kassen stand und beobachtete welche Geldbeträge da ohne irgendwelches Augenzucken über die Ladentische geschoben wurden bzw. von Kreditkarten abgebucht wurden, dachte ich darüber nach, ob ich statt Geschenke einzukaufen, einfach den geschätzten Gesamtwert aller geplanten Geschenke an eine Hilfsorganisation (z.B. diese hier) überweise, die damit sicher Sinnvolleres und Nachhaltigeres anfängt. Das wäre viel weniger stressig für mich und obendrein sehr weihnachtlich. Also weihnachtlich im Sinne des Original-Weihnachten. Da ich aber gerne schenke (nur der Einkauf vor Weihnachten ist stressig), fallen die Geschenke dieses Jahr etwas kleiner aus und mein Haupt“geschenk“ geht an ein oder zwei Hilfsorganisationen.

Und wenn ich gefragt werde, was ich mir wünsche, dann … sie wissen schon. Ich glaube, das machen einige dieses Jahr so, und das finde ich sehr schön und weihnachtlich.

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Seit zwei Tagen taucht hier und da in der Wohnung adventliche Dekoration auf.

Am meisten liebe ich die schwedischen Lichterbögen in den Fenstern, die still und warm leuchten und mir, wenn ich spät nach Hause komme, den Weg weisen.

Dann ist da der beleuchtete schöne Holzstern, der jedes Jahr in der Adventszeit über meinem Bett hängt. Über meinen Lesesessel hängt der große weiße Weihnachtsstern und leuchtet warm und einladend.

Dazu kommt dann noch der Adventskranz und viele Kerzen … naja, und noch ein bisschen Schnickeldi hier und dort. Sie kennen das!

Fertig ist die Adventsdekoration. Nicht zu viel, schlicht und schön!

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Ihr Lieben, lasst Euch die Adventszeit nicht aus der Hand nehmen. Lasst Euch von nichts und niemand unter Druck setzen, sondern feiert den Advent so, wie es für Euch möglich, schön und richtig ist und lasst andere ihren Advent so feiern, wie es für sie möglich, schön und richtig ist.

Ich wünsche Euch allen eine friedliche, harmonische und schöne Adventszeit!

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Kunst ·Mecklenburg-Vorpommern ·Privates ·Tagesnotizen 2016

Was schön war diese Woche

Er hat es wieder getan! Bereits 2013 schenkte Christoph Müller, einstiger Verleger, Kunstsammler und Mäzen dem Staatlichen Museum Schwerin seine umfangreiche Sammlung niederländischer Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die 155 flämischen und holländischen Gemälde sind die größte Schenkung von Altmeistergemälden, die ein deutsches Museum nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten hat. Gezeigt wurden die Gemälde damals in der Ausstellung „Der Kosmos der Niederländer. Die Schenkung Christoph Müller“ die ich besuchte.

Dieses Jahr im April schenkte Christoph Müller nun 375 Werke (152 Gemälde, 172 Zeichnungen und 50 Grafiken) dänischer Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Noch bis kommenden Samstag zeigt das Pommersche Landesmuseum in der Ausstellung „Kopenhagener Malerschule“ ausgewählten Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus dieser Schenkung, die ergänzt worden sind durch einige Leihgaben aus der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Kurz vor Toresschluß also, schaffte ich es nach Greifswald zu kommen und mir diese Ausstellung anzusehen. Sie ist als „Appetithappen“ gedacht, denn es wird noch eine richtig große Ausstellung mit allen Gemälden, Zeichnungen und Grafiken aus dieser Schenkung geben. Der Appetithappen jedenfalls hat mir schon mal sehr gut gefallen und ja, das war schön diese Woche.

Ich freue mich schon sehr auf die große Ausstellung mit allen geschenkten Gemälden, Zeichnungen und Grafiken.

Nachtrag vom 22. November 2016: Heute kam die Meldung, dass das Pommersche Landesmuseum die Ausstellung „Kopenhagener Malerschule“ bis zum 29. Januar 2017 verlängert hat.

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Nach Wochen bzw. Monaten habe ich endlich meinen iMac wieder.

Der hatte nämlich plötzlich angefangen Geräusche von sich zu geben, die eindeutig nicht gut klangen (1. Nervenzusammenbruch meinerseits).

Also zum Händler des Vertrauens. Die Auskunft: Der iMac muss eingeschickt werden (2. Nervenzusammenbruch meinerseits). Zum Glück stellte mir ein Freund ein Vorgängermodell als Ersatzgerät zur Verfügung.

Nach reichlich Zeit kam der iMac als repariert zurück, man habe die Festplatte ausgetauscht (1. Freudentanz meinerseits).

Doch schon während des Versuches, ihn wieder passgerecht für mich einzurichten, wieder Geräusche, die zwar leicht anders aber auch nicht gut klangen (3. Nervenzusammenbruch meinerseits).

Wieder zum Händler des Vertrauens. Die Auskunft: Der iMac muss erneut eingeschickt werden (4. Nervenzusammenbruch meinerseits).

Diesmal kam der iMac etwas schneller zurück, aber es dauert trotzdem einige Zeit bis dahin. Man habe den Lüfter/Ventilator ausgetauscht (kein Freudentanz, ich war misstrauisch).

Wie sich zeigen sollte zu Recht, denn der Rechner war zwar wieder mucksmäuschenleise (wie es sein soll), aber das passgerechte Einrichten stellte sich aus diversen Gründen als schwierig heraus. Es wurde z.B. ein Update verlangt, das wir brav initierten mit dem Ergebnis, dass gar nichts mehr ging. Das haben wir dann, weil es so schön war, zweimal durchexerziert, bevor es endlich klappte (2. Freudentanz meinerseits).

Jetzt läuft der iMac leise, und alles scheint zu funktionieren wie es soll. Ich freue mich also (wenn auch noch etwas zurückhaltend, ich traue dem Frieden noch nicht so ganz).

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Nachdem ich ja kürzlich wieder eine Häkeldecke fertig gehäkelt habe, dachte ich mir, ich könnte ja zur Abwechslung mal was Kleineres machen. Nur was? Und dann, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, machte es Pling (stellen sie sich eine kleine Glühbirne über meinem Kopf vor, die plötzlich aufleuchtet) und eine Stimme wiederholte ständig: „Socken! Socken! Du kannst Socken stricken! Die sind ja (vor allem verglichen mit so einer Decke) klein und fix fertig“.

Nun muss man wissen, dassich ein eher angespanntes Verhältnis zu gestrickten Socken habe. Das kam so: In den ersten beiden Jahren auf der weiterführenden Schule nach der Grundschule hatten wir „Handarbeitsunterricht“. Die Handarbeitslehrerin war eine kleine graue Frau, die versuchte uns die Basics im Häkeln, Stricken und Nähen nahezubringen. Allerdings hatten wir nur eine Doppelstunde alle 2 Wochen, was es äußerst schwierig machte, uns da sinnvoll etwas beizubringen, und hängengeblieben ist zumindest bei mir aus diesen zwei Jahren so gut wie nichts.

Irgendwann also hieß es damals: Wir stricken ein paar Socken! Ich kann mich nicht erinnern, eine vernünftige Anleitung erhalten zu haben. Die Lehrerin teilte uns mit bis wann die Socken fertig zu sein hatten, während der Doppelstunde durften wir daran stricken und ansonsten bitte zuhause fertig stricken.

HORROR! Meine Mutter, die in ihrem ganzen Leben nicht ein einziges Paar Socken gestrickt hat, saß mir im Nacken wegen des Abgabetermins, konnte mir aber nicht erklären, wie man denn Socken strickt. Ich gab mein Bestes, produzierte aber nur ein sehr verkrummeltes, sehr hartes Gebilde, das (selbst bei größtem Wohlwollen) keinerlei Ähnlichkeiten mit einem Socken hatte. Es gab viel Geschrei ihrerseits und viele Tränen meinerseits, was den Fortgang des Projekts Stricksocken nicht zuträglich war. Die Socken wurden nie fertig, ich kassierte die Note „ausreichend“ (hochgnädig gewährt, immerhin hatte ich ja wenigstens ein paar Reihen gestrickt), und ich schwor mir selbst unter Tränen, dass ich nie nie nie im Leben nochmal Socken stricken würde. Ich war fertig mit selbstgestrickten Socken, aber sowas von fertig!

Zurück zum Anfang. Sie erinnern sich: leuchtende Glühbirne über meinem Kopf und eine Stimme in meinem Kopf, die mir geradezu enthusiastisch das Stricken von Socken nahelegt! Von diesem Enthusiasmus völlig benebelt, erwärmte ich mich für diese brilliante Idee. Was tut man in so einem Fall? Man schaut mal auf Pinterest. Wow, gibt es da schöne Socken!

Ähm, tja aber wie? Beim ersten Socken-Strick-Tutorial-Video realisiert: Oh Schreck, das war das Teil mit den fünf Stricknadeln (aka Nadelspiel). Langsam rührte sich mein Sockenstricktrauma und eine weitere innere Stimme schaltete sich ein. Wirklich, Du willst Socken stricken??? Überleg Dir das lieber nochmal!!! Das kriegst Du bestimmt nicht hin!

Ich schaute eisern weitere Tutorials an und lernte zu meiner großen Überraschung, dass es diverse Methoden gibt, wie man so eine Ferse stricken kann. Da gibt es z.B. die klassische Ferse, die Käppchenferse, die Bumerangferse, die Herzchenferse, die Spiralferse und vermutlich noch ein paar mehr, die mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen sind. Ich kramte die selbstgestrickten Wollsocken, die ich geschenkt bekommen habe, aus der Schublade, bestaunte die Fersen und versuchte zu deuten welche Methode zum Stricken angewandt worden ist. Die Anleitungen zu den erschiedenen Methoden Fersen zu stricken fand ich (bisher) eher verwirrend und/oder beängstigend.

Noch vor wenigen Jahren, hätte ich spätestens jetzt, das Projekt „Selber Socken stricken“ aufgegeben. Aber, ich hab ja glücklicherweise wenigstens ein bisschen dazugelernt und meinen Wagemut etwas trainiert. Ich beschloß, trotz Sockenstricktrauma und dieser penetranten warnenden Stimme in meinem Kopf, noch einen Versuch Socken selber zu stricken zu wagen. Statt ein riesen Projekt zu sehen, dass mich einschüchtert, einfach einen Schritt nach dem anderen meistern, und dann wollen wir doch mal sehen, ob ich es nicht doch hinbekomme.

Bevor ich mit „guter Wolle“ stricke, will ich erstmal „Test-“ oder „Übungssocken“ stricken. Als erstes musste ich herausfinden, wie man auf dem Nadelspiel Maschen anschlägt, bzw. die Maschen dann auf den Nadeln verteilt. Dank Youtube-Videos klappte das im zweiten Anlauf. Als nächstes den Sockenschaft stricken. Dabei stellte ich fest, dass ich mich leider verzählt und auf einer der Nadeln zwei Maschen zu wenig hatte. Also wieder aufribbeln. Ganz ruhig, kein Problem, ist ja eine Übungssocke und es kann nicht schaden, nochmal die Maschenaufnahme und -verteilung auf dem Nadelspiel zu üben. Die ersten Reihen gestrickt, das war dann eine relativ einfache Übung.

Mein Fazit bisher: Ich finde es schön, dass ich der warnenden Stimme und meinem Sockentrauma nicht gleich nachgegeben habe, sondern nochmal einen Versuch wage. Sollte es wieder nix werden mit selbstgestrickten Socken, dann ist es eben so und in Ordnung für mich. Aber wenn es klappt, und ich bin (noch) zaghaft zuversichtlich (bin ja noch nicht an der Ferse angelangt), dann hab ich das Sockentrauma überwunden, ein kleines Erfolgserlebnis und wieder viel gelernt, nicht nur stricktechnisch.

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Uneingeschränkt schön war diese Woche dann noch ein Kinobesuch. Ich habe den gerade angelaufenen Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ gesehen. Der basiert auf einem Drehbuch von J.K. Rowling. Ja, DER Rowling, der wir Harry Potter und seine Abenteuer verdanken. Es geht wieder um Zauberer und Muggel (wobei die diesmal No-Maj heissen, da die Geschichte in New York spielt) und es gibt weitere kleine Bezüge zum Harry Potter-Universum. Aber es ist ganz klar eine neue Geschichte mit neuen Protagonisten. Mir hat der Film gut gefallen, ich konnte mich wieder freuen an vielen kleinen fantasievollen Einfällen und Ideen, manchen Anspielungen und dem netten Trupp der Hauptfiguren. Schade, dass es nun zwei Jahre dauert, bis der zweite Teil in die Kinos kommen wird.

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Privates ·Tagesnotizen 2016

Was schön war diese Woche

Ein sehr durchwachsene Woche war das!

Zum einen gab es Anfang der Woche auch hier den erster Schnee. Gut, es war nur ein bisschen Schneegeniesel oder „Schniesel“, wie ich das seit letztem Jahr nenne, aber immerhin. Ich hoffe, wir bekommen diesen Winter mal wieder etwas mehr Schnee als die letzten Jahre.

Ein echtes Highlight diese Woche, war mein „Binge Reading“. Ich hab vergangenen Sonntagabend den Prolog zu Andrea Wulfs Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ gelesen. Montag kam ich überhaupt nicht zum Lesen, aber dann habe ich Dienstag und Mittwoch quasi in jeder freien Minute in dem Buch gelesen, inklusive einer halben Nachtschicht und Mittwoch kurz vor Mitternacht, hatte ich das Buch durch, so dass es verpackt und Donnerstagvormittag auf die Post gehen konnte. Sie erinnern sich, es ist mein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater. Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Leseempfehlung!

Auch schön war, das erste mal selber unser neues Auto zu fahren. Doch, es ist um einiges komfortabler als unser altes Auto. Da es ja einige PS mehr hat, hatte ich allerdings noch leichte Probleme Geschwindigkeiten zu halten. Ich hatte das Gefühl, ich brauche das Gaspedal nur antippen und zack bin ich 10 oder 20 h/km schneller. Da muss ich mich noch etwas umgewöhnen. Hoffentlich bevor ich das erste Knöllchen wegen Geschwindigkeitsübertretung bekomme. ;-)

Die Aktion an sich war zwar nicht „schön“ aber das Ergebnis schon. Ich habe nämlich mal den aufgelaufenen Berg an Post und Papieren durchgearbeitet, aussortiert, was weg konnte weggeworfen und den Rest in die entsprechenden Ordner abgeheftet. Jetzt ist wieder Ordnung auf dem Schreibtisch.

Was nicht so schön war:

Natürlich hat mich das Ergebnis der Wahlen in den USA gedanklich sehr beschäftigt. Ich beobachte die Reaktionen in den USA, und manches davon verheißt nichts Gutes. Andererseits werden wir abwarten müssen, wie sich die Lage entwickelt. Noch kann man kaum seriöse Rückschlüsse ziehen, geschweige denn Vorhersagen machen. Viel mehr beschäftigt mich, was das für uns hier bedeutet bzw. zukünftig bedeuten könnte, wo sich evtl. Parallelen zeigen, und was man dagegen tun kann.

Ich habe heute einen kleinen Spatzen im Garten begraben müssen. Der kleine Kerl hatte wegen der tiefstehenden Sonne offensichtlich leider eine Fensterscheibe nicht erkannt, war dagegen geflogen und hatte sich das Genick gebrochen. Ich hasse es, wenn sowas passiert. :-( (Ja, wir versuchen alles was geht, um solche Unfälle zu verhindern, aber manchmal passiert es trotz aller Vorkehrungen doch)

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Privates

Was schön war diese Woche

Mitte September schrieb ich hier den letzten Eintrag und berichtete, dass der Sommer deutlich anders verlaufen war, als gedacht und hoffte auf einen sonnigen Herbst, in dem ich noch einiges machen könnte, was im Sommer nicht geklappt hat. Doch es folgten weitere unerwartete Querschläger.

Das erste Mal, in den bald sieben Jahren, die ich hier in Mecklenburg lebe, erlebte ich wochenlang herbstlichen Nebel und graues, regnerisches Wetter. Sonst waren es im Höchstfall mal zwei, höchstens drei Tage hintereinander so, aber diesmal hielt sich das nieselige trübe Herbstwetter.

Außerdem grätschte mir die Gesundheit kräftig zwischen die Beine, was zu einem Krankenhausaufenthalt führte. An dessen Ende empfahlen mir die Ärzte eindringlich mich noch zu schonen. Dass das wochenlange Schonung meinte, ging mir erst nach und nach auf.

Nun bin ich so weit, wenigstens ansatzweise wieder in einen normaleren Alltag zurückzukehren, merke aber immer noch, dass das Thema Schonung noch nicht völlig beendet ist. Schone ich mich nicht ausreichend, bekomme ich die Rechnung (in Form von Schmerzen) postwendend präsentiert. Gnaaah!
Aber es scheint, wenn auch für meinen Geschmack viel zu langsam, aufwärts zu gehen und das ist schön!

In der letzten Zeit schielte ich zunehmend unglücklicher auf mein Blog und das Datum des letzten Eintrags. Irgendwie bekam ich nicht so recht die Kurve für einen neuen Eintrag. Es passierte ja nicht wirklich Berichtenswertes und anderes was passierte und mich beschäftigte, betraf auch andere Menschen in meinem Umfeld, so dass ich darüber hier nicht schreiben konnte und wollte.

Die Zeit verrann, ich schielte immer unglücklicher. Jetzt hab ich beschlossen, zu tun was gerade viele tun, nämlich mich anzuhängen an die schöne Idee von Anke Gröner, aufzuschreiben was schön war. Kann man täglich aber auch wöchentlich machen. Eigentlich schreibe ich ja schon täglich auf, was schön war. Das mache ich schon seit einigen Jahren, allerdings stelle ich es nicht online. Ich tippe es in meinen Rechner und gut ist es. Es landeten höchstens mal Auszüge daraus auch im Blog. Jetzt schreib ich also mal hier auf, was diese Woche schön war und dann seh ich weiter.

Los geht’s:

Bereits am vergangenen Wochenende füllte sich das Haus mit Besuchern. Eine Familie mit vier kleinen Kindern fegte wie ein belebender Wirbelwind durch das herbstlich stille Haus. Mir fiel während der Woche immer wieder auf, wie viel öfter als Erwachsene Kinder am Tag lachen (weinen tun sie auch öfter).
Das ist natürlich keine Neuigkeit, aber gut, wenn es einem mal wieder bewusst wird.

Interessant fand ich die Beobachtung, dass wenn es offenkundig nichts zu lachen gibt, kreieren Kinder eben was, worüber man dann lachen muss/kann. Sie werfen bewusst mit ulkigen Worten um sich, machen absichtlich seltsame Geräusche, erfinden absurde Geschichten, usw. usf. über die sie sich dann gemeinsam totlachen. Vielleicht sollte wir erwachsenen Menschen, das ab und an auch mal versuchen, wenn wieder alles so ernst und grau und schwer ist. Na gut, auf Twitter üben wir uns teilweise ja in dieser Kunst. Aber es könnte öfter und auch jenseits von Twitter sein, oder? Jedenfalls, es war schön diese Woche mit den Besuchern und dem Kinderlachen im Haus.

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Unser Besuch hatte ein besonders tolles Teil mit im Gepäck. Ein Longboard!!! Ich finde die Dinger ja super und hab mir schon eine Menge toller Videos angesehen, in denen echte Könner darauf unterwegs sind.

Schonung hin oder her, diese Chance wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Also ließ ich mir am Donnerstag die grundlegenden Techniken erklären und zeigen, und wagte mich schließlich selbst auf das Longboard.

Okay, erst war ich nur in Superzeitlupengeschwindigkeit unterwegs, immerhin musste ich ja erstmal ein Gefühl dafür entwickeln. Hah! Spaaaaß!!! Ja, ein bisschen Angst war auch dabei. Mit über 50 Jahren rollt man sich schließlich bei einem Sturz nicht mehr ganz so locker ab wie mit Anfang zwanzig. Aber es war einfach nur toll zu merken, wie erst die Sicherheit und dann auch die Geschwindigkeit zunahmen.

Übrigens während ich unermüdlich vor mich hin übte, kam der Paketbote, sah mich auf dem Bord und schenkte mir ein anerkennendes, bewunderndes Lächeln. Also mir schien es so, vielleicht war es aber auch nur ein mitleidiges Lächeln. Egal, ich bekam ein Lächeln obendrauf. Schön!!

Fazit: Meine ersten Longboard-Versuche haben mich nicht komplett von der Idee abgebracht, mir irgendwann doch mal ein eigenes Longboard anzuschaffen. Wobei „irgendwann“ sollte besser „in absehbarer Zeit“ heißen, mit sechzig rollt es sich nach einem Sturz nämlich sicher noch schlechter ab. ;-) Ich muss mir die Sache aber trotzdem noch ein paar Mal durch den Kopf gehen lassen, es gibt (leider) auch Gründe, die gegen die Idee sprechen. Egal, ich hab mal auf so einem Ding gestanden und es war schön!

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Im Zusammenhang mit der Longboard-Geschichte habe ich übrigens mal wieder über die Langzeitauswirkungen meines Jahresmottos von vor drei Jahren nachgedacht. Das lautete schlicht: „Wagemut“ oder wahlweise auch „Wage Mut!„. Und im Grunde ist es seither eine Art Dauerbrenner bei mir geworden, und ich habe seither eine Menge Dinge einfach mal gewagt. Diesem Motto zu folgen hat so viel mehr Schönes in meinen Alltag und mein Leben gebracht, das ist einfach nur toll.

Ja, das war auch schön diese Woche, mir dessen mal wieder bewusst zu werden, mich all der tollen Dinge zu erinnern, die ich seither nur deshalb erlebt habe, weil ich Mut gewagt habe. Kann ich sehr empfehlen. Es muss ja nicht gleich aufs Longboard gehen. Ich habe auch mit ganz kleinen Dingen angefangen und erst langsam die Herausforderungen bzw. Risiken gesteigert.

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Was war noch schön? Wegen der gesundheitlichen Querelen, blieb die Häckeldecke, an der ich seit Mitte Juli gewerkelt habe, wochenlang unangetastet liegen. Kaum war ich wieder einigermaßen dazu in der Lage, fing ich wieder an Reihe um Reihe zu häkeln.

Diese Woche wurde die Decke fertig und ich bin sehr glücklich damit, wie sie geworden ist. Die ausgewählten Farben sind einfach nur schön und auch das Muster, das ich mir überlegt hatte, sieht gut aus.

Noch besser war, dass ich die Decke rechtzeitig fertig bekommen habe, um sie unserem Besuch bei der Abreise mitzugeben. Der wohnt zufälligerweise nämlich in der Nähe der Empfängerin und wird die Decke dort abliefern, was mir einiges an Porto und Bangen erspart.

Fotos von der Decke kann ich hier leider nicht zeigen, da ein (zwar minimales) Risiko besteht, dass die Empfängerin hier doch ab und an mal vorbeischaut, und es soll ja eine Überraschung werden, wie die Decke fertig aussieht. Wer mir auf Twitter oder Instagram folgt, hat sie ja schon gesehen.

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Seit Freitag haben wir ein neues Auto und zwar ziemlich spontan. Unser altes treues Auto musste zum TÜV und kam auch durch den TÜV, aber der Autohändler bot uns ein neues Auto zu einem bezahlbaren Preis an und bot für das alte Auto ebenfalls noch einen Preis, den wir so woanders sicher nicht mehr dafür bekommen hätten.

Nach kurzer Bedenkzeit wurde ein Autokaufbeschluß gefasst. Mir blutete zwar etwas das Herz, weil ich unser altes Auto wirklich sehr ins Herz geschlossen hatte, aber gut, mehr PS, Sitzheizung, und noch einiger anderer Schnickschnack sind auch nicht zu verachten.

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Der Geburtstag meines Vaters steht an und meine Überlegungen, was ich ihm schenken könnte, führten erstaunlich schnell zu einem Ergebnis. Andrea Wulfs Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ wird ihm sicher gefallen.

Da ich ja ein Freund des lokalen Buchhandels bin, marschierte ich also zum nächstgelegenen Buchladen. Mir wurde beschieden, das Buch sei nicht im Lager und auch beim Zwischenbuchhändler gerade nicht zu bekommen, frühestens in einer bis drei Wochen. Ähm ja, danke, das wäre dann leider zu spät. Auch der nächstnächstgelegene Buchhandel hatte das Buch nicht, gleiche Auskunft.

Also doch der große Online-Buchhändler Am*z*n! Überraschung!! Buch erst in ein bis drei Wochen lieferbar. Anscheinend verkauft sich das Buch gerade wie geschnitten Brot oder die Auflage war sehr klein.

Weitere Recherche und siehe da, Th*l*a in Rostock hat das Buch vorrätig. Nach Rostock fahren war aber aus diversen Gründen gerade nicht möglich. Also online bestellt und gehofft, dass die mir dann nicht mitteilen, dass das Buch auch von ihnen erst in ein bis drei Wochen lieferbar ist und man das leider leider auf der Website noch nicht entsprechend abgeändert hatte.

Doch große Überraschung und Freude. Freitagnachmittag bestellt und Samstagmittag lieferte die Post das Päckchen hier an. Wow! Ich war ehrlich beeindruckt. So schnell hat Am*z*n noch nie geliefert (nein, ich hab kein Prime) und kostenlos war’s obendrein.

Schön, schön, schön! Außerdem kann ich jetzt übers Wochenende selbst schon mal vorsichtig ins Buch linsen, bevor es dann zum endgültigen Empfänger weitergeschickt wird. :-)

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Ich bin endlich dazu gekommen den Pixar-Film „Alles steht Kopf“ nachzugucken, und das war ebenfalls schön und auch ein bisschen traurig, aber dann doch mehr schön als traurig. Jetzt sehe ich dauernd vor meinem inneren Auge Freude (gelb), Kummer (blau), Angst (lila), Wut (rot) und Ekel (grün) in mir herumwerkeln und überlege welche Erinnerungsinseln bei mir angelegt sind, welche irgendwann abgestürzt sind und warum und ach, schauen Sie sich den Film doch selber an, so sie das noch nicht getan haben. Ist ein schöner Zeitvertreib an verregneten Novemberabenden oder -wochenenden.

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Hellauf entzückt war ich, wie viele in meiner Bloglist und Twitter-Timeline, vom allerneuesten Kurzfilm aus dem Hause Pixar. So schön!!!
(NACHTRAG: Tja, offenbar ist der Film nicht von Pixar im Internet veröffentlicht worden und so ist er wieder gelöscht worden. D.h. ich kann ihn Euch nicht mehr zeigen. Schade.)

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Ich stelle fest, diese Woche war ganz schön viel schön. Wenn ich den Pixar-Film „Alles steht Kopf“ zugrunde lege, war das eine sonnengelbe Woche mit einigen blauen Streifen und wenigen lila Punkten. Wut (rot) und Ekel (grün) waren offenbar verreist, mir soll’s recht sein! Danke fürs Lesen und auf bald … sofern es nicht wieder zu unerwarteten Querschlägern kommt.

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Liisas Fotos ·Mecklenburg-Vorpommern ·Privates ·Reisen

Der Sommer 2016 und eine Woche auf Hiddensee

Ostseestrand am Leuchtturm Gellen auf Hiddensee
Ostseestrand am Leuchtturm Gellen auf Hiddensee

Während der Sommer noch ein letztes Feuerwerk abbrennt und Menschen und Natur unter der Hitze ächzen, schaue ich etwas ungläubig drein, dass der Sommer vorbei ist. Dieser Sommer ist irgendwie ganz anders gelaufen, als ich es geplant und erwartet hatte. Klar, einiges was ich mir vorgenommen hatte, konnte ich in die Tat umsetzen, es gab einige überraschende Entwicklungen und Erlebnisse, die positiv und schön waren, aber eben auch einiges, das so nicht hätte sein müssen. So ein richtiges „Sommergefühl“ kam bei mir eher selten auf, aber doch wenigstens hin und wieder.

Ganz besonders in der vergangenen Woche, die ich auf Hiddensee verbringen konnte. Wenigstens dieser lang gehegte Plan konnte umgesetzt werden, auch wenn es kurz vorher kurz so aussah, als ob ich auch diesen Plan hätte begraben müssen. Das hätte mich dann wirklich traurig gemacht, denn auf Hiddensee habe ich mich schon monatelang ganz besonders gefreut, nicht zuletzt, weil ich dort eine liebe Freundin samt ihrer Familie treffen wollte. Man könnte sagen, ich habe darauf hingelebt. Jedenfalls die Woche auf Hiddensee war wirklich schön, wenn auch – wie immer – viiiiel zu kurz. Ich hätte gerne noch zwei, drei, ganz viele Wochen drangehängt.

Eigentlich wäre ich dieses Jahr gerne mal Richtung Lüneburger Heide gefahren. Als ich 6 oder 7 Jahre alt war, war ich einmal mit meinen Eltern dort, aber damals war ich noch zu jung, um zu begreifen, was für eine tolle, bemerkenswerte Landschaft das ist. Ich trottete gelangweilt hinter den Erwachsenen her und war froh, als das verlängerte Wochenende in der Heide vorbei war. Inzwischen würde ich gerne nochmal in die Heide und sie mit anderen Augen anschauen. Ich hatte mich deswegen vor einiger Zeit ein bisschen schlau gemacht, wohin in der Heide man am besten fährt und dabei erfahren, dass dieses Jahr die Heideblüte besonders schön und langanhaltend gewesen ist, weil das Wetter zur Blütezeit ziemlich wechselhaft war. Das befeuerte natürlich meinen Wunsch hinzufahren und mir das selber anzuschauen. Tja, was soll ich sagen, die Pläne zerschlugen sich aus Gründen, und ich sagte am Ende „vielleicht im nächsten Jahr“ … wie schon so oft.

DÜNENHEIDE AUF HIDDENSEE

Umso begeisterter war ich, als mir dann aufging, dass ich rechtzeitig zur Heideblüte auf Hiddensee sein würde. Kenner und Liebhaber der Insel wissen, dass es dort die sogenannte Dünenheide gibt, also eine Heidelandschaft direkt hinter den Dünen, hinter denen wiederum die Wellen der Ostsee an den Strand schlagen. Es ist ein 75 Hektar großes Naturschutzgebiet und die letzte erhaltene Küstenheide in Deutschland. Als ich letztes Jahr zum ersten Mal (für drei Tage) auf Hiddensee war, hatte es zeitlich nicht mehr gelangt, auch den Süden der Insel und damit diese Heidelandschaft zu erkunden.

Dieses Jahr war es dann so weit und es war einfach nur wunderschön! Der Gipfel der Idylle war dann natürlich, als ausgerechnet als wir dort unterwegs waren, der Inselschäfer mit der gar nicht so kleinen Schafherde durch die Heide kam und quasi einen halben Meter entfernt an mir vorbeiwanderte, die Schafe und ein paar Ziegen hinterdrein. Hachz!!

Häuschen in der Dünenheide von Hiddensee

Die Inselschafe in der Dünenheide

Die Herde rauhwolliger Pommerscher Landschafe zieht durch die Dünenheide auf Hiddensee

Die Schafe sind übrigens Rauhwollige Pommersche Landschafe, die in den 1980er Jahren so gut wie ausgestorben waren. Die UNO setzte die alte Landschaf-Rasse damals auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierarten. Mit sieben Böcken und etwa 40 Mutterschafen die man noch fand, startete man eine neue Zucht mit der alten Rasse. Heute gibt es wieder einige tausend Schafe dieser Rasse, einige davon auch auf Hiddensee.

Häuschen in der Dünenheide auf Hiddensee

Auch sonst habe ich es sehr genossen auf der Insel zu sein, am Strand und der Ostsee entlang zu spazieren, die Sonne und den leichten Wind zu genießen. Wir hatten weitestgehend grandioses Sommerwetter erwischt, vermutlich besser als manche zur Hochsommerzeit dort.

Neben der Dünenheide inklusive Hirt und Schafherde hatte die Woche noch mindestens drei weitere Highlights.

LEUCHTTURM DORNBUSCH UND DIE STEILKÜSTE AUF HIDDENSEE

Blick auf die Insel Hiddensee, Bodden (links) und Ostsee (rechts) vom Dornbusch aus
Blick auf die Insel Hiddensee, Bodden (links) und Ostsee (rechts) vom Dornbusch aus

Zum einen habe ich es dieses Jahr auch zum Leuchtturm Dornbusch geschafft und bin sogar hinaufgestiegen. Was für ein herrlicher Ausblick von dort oben!

Leuchtturm Dornbusch
Leuchtturm Dornbusch
Blick auf die Ostsee von der Steilküste beim Dornbusch
Blick auf die Ostsee von der Steilküste beim Dornbusch
Sanddorn und Leuchtturm Dornbusch
Sanddorn und Leuchtturm Dornbusch
Ferienhäuschen auf der Steilküste beim Klausner auf Hiddensee
Ferienhäuschen auf der Steilküste beim Klausner auf Hiddensee
Ausblick auf die Ostsee von der Steilküste beim Klausner auf Hiddensee
Ausblick auf die Ostsee von der Steilküste beim Klausner auf Hiddensee

STAND UP PADDLING AUF DER OSTSEE

Das zweite Highlight kam ungeplant. Ich entdeckte nämlich, dass auf Hiddensee auch Stand Up Paddling angeboten wird. Kurzentschlossen ergriff ich die Chance und buchte einen 1 1/2-stündigen Schnupperkurs. Kurz vor Beginn des Kurses packte mich dann doch etwas die Panik vor meiner eigenen Courage, aber ich zog es durch. Man wird ja nicht jünger, wer weiß, wann sich eine neue Chance ergibt, etc. etc.

Vor dem Paddling steht jedoch noch eine andere Herausforderung. Ich musste mich, ebenfalls eine Premiere, in einen Neoprenanzug wurschteln. In diesem Fall zum Glück „nur“ ein sogenannter Shorty, also kurze Arme und Beine, was das Anziehen etwas erleichterte. Die Dinger sitzen knalleng, und zuerst kam ich mir ein bisschen wie eine Presswurst vor, aber das gab sich erstaunlich schnell. Zwar nicht das erste, aber das zweite, das ich sagte, als ich wieder der Ostsee entstieg war: „So ein Ding will ich haben!“ Obwohl die Ostsee an besagtem Tag wirklich kühl war, hab ich nicht eine Minute gefroren. Großartig! Mit so einem Shorty würde sich jedenfalls das Zeitfenster in dem man in unserem See noch schwimmen kann, deutlich vergrößern. :-)

Die 1 1/2 Stunden Schnupperkurs wurden am Ende 2 volle Stunden, und sie vergingen wie im Flug. Der Lehrer war wirklich sehr angenehm und unsere Gruppe auch überschaubar klein (4 Personen), so dass alle gut und individuell angeleitet und falls nötig auch korrigiert werden konnten. Bis man den Bogen erstmal raus hat, ist das Ganze recht kräftezehrend, also zumindest wenn man nicht voll durchtrainiert und deutlich jenseits des Jugendalters ist. Hat man den Bogen raus, ist es so toll, wie es aussieht, wenn Könner, lässig auf dem Bord stehend gemächlich paddelnd vorbeiziehen. Ich bin auf jeden Fall angefixt und konnte somit unverhofft einen weiteren Punkt von meiner Liste der Dinge, die ich gerne mal ausprobieren oder unbedingt noch machen möchte, streichen. Juchu! Leider hab ich vor lauter Aufregung vergessen, ein Foto von mir im Shorty samt Bord und Paddel machen zu lassen. *gnarf*

LEUCHTFEUER GELLEN

Das dritte Highlight war die Radfahrt zum Leuchtturm bzw. Leuchtfeuer Gellen, das sich im gleichnamigen südlichen Teil der Insel befindet. Dieser Teil ist heute ein Naturschutzgebiet, der südliche Teil des Gebietes gehört als ein bedeutendes Vogelschutzgebiet zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Das Foto über diesem Beitrag zeigt den Ostseestrand am Leuchtfeuer Gellen und den Blick gen Norden über die Insel.

Holzkunst am Leuchtfeuer Gellen

Dünen und Strandzugang am Leuchtfeuer Gellen

Leuchtfeuer Gellen
Leuchtfeuer Gellen
Blick über einen Teil des Neuendorfer Hafens
Blick über einen Teil des Neuendorfer Hafens

Die Woche auf Hiddensee und die unerwarteten warmen und sonnigen Tage jetzt im September haben mich noch etwas mit dem Sommer 2016 versöhnt. Nun stehen alle Zeichen auf Herbst, und ich hoffe, er wird ähnlich schön wie letztes Jahr. Vielleicht kann ich dann doch noch einige Ausflüge und Unternehmungen starten, die im Sommer nicht zu verwirklichen waren.

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Mecklenburg-Vorpommern ·Reisen

Unterwegs auf dem Amazonas des Nordens

Die Hansestadt Demin

Letzte Woche habe ich ein besonderes Abenteuer unternommen und erlebt. Ich war eingeladen worden an einer Flußkreuzfahrt teilzuehmen und zwar auf der Peene. Kaum ein Fluß in Deutschland ist noch so naturbelassen und von so viel wilder Natur umgeben. Deshalb trägt die Peene auch den Beinamen „Amazonas des Nordens“.

Peene

Die Fahrt führte über den gesamten schiffbaren Teil der Unterpeene, von Malchin über den Kummerower See (viertgrößte See in Mecklenburg-Vorpommern) bis zur Ostsee und noch ein bisschen weiter über das Stettiner Haff nach Karnin auf Usedom. 96 Flusskilometer durch Niedermoore, Bruchwälder, Flussauen und vorbei an großen Torfstichen.

Peene

Wir starteten in Malchin und fuhren zunächst Richtung Kummerower See, dann ging es über den großen See, vorbei an den Dörfern die seine Ufer säumen bis hinüber nach Verchen und vorbei an Aalbude ging es dann auf der Peene weiter. Wir passierten zwei kleine Dörfer mitten in dieser endlos scheinenden Natur. Diese Dörfchen erreicht man nur, wenn man echte Ortskenntnis hat und weiß, welche Naturwege dorthin führen.

an den Ufern der Peene

Weiter ging es durch die atemberaubende Landschaft und dann erreichten wir Demmin und fuhren am alten Pulverturm vorbei durch die alte Hansestadt.

Demmin

Von dort ging es weiter bis wir das kleine Städtchen Loitz passierten.

Loitz

an den Ufern der Peene

Das Peenetal ist einer der bedeutendsten Vogellebensräume Deutschlands. 156 Vogelarten sind nachgewiesen, 40% davon stehen Roten Liste gefährdeter Arten, 26% davon sind europaweit geschützte Arten. Aber auch viele vom Aussterben bedrohte Libellen-, Schmetterlings- und Nachtfalterarten sind dort heimisch.

Torfstich an der Peene

Unser erste Halt war Alt Plestin, ein herrlich gelegener Wasserwanderrastplatz und ein winziges Dörfchen. Wir warfen Schuhe und Strümpfe von uns und kühlten unsere Beine in der Peene. Doch bald schon ging es wieder zurück auf unser Schiff, die „Hansestadt Demmin“. Das nächste etwas größere Städtchen war Jarmen, dann ging es vorbei an Gützkow mit seinen schönen Peenewiesen.

Peene bei Alt Plestin

Im Peenetal befindet sich eines der größten zusammenhängenden Niedermoorgebiete Mittel- und Westeuropas und uns beeindruckten auch die großen Torfstiche, die mit Wasser vollgelaufen wie große Seen oder Wasserbecken rechts und links vom Fluß liegen und in denen sich die Vogelwelt sammelt. An der Peene sind sowohl Fisch- als auch Seeadler heimisch und zumindest Fischadler haben wir fliegen sehen.

Torfstich an der Peene

Torfstich an der Peene

Bekannt ist das Peenetal auch für seine großen Fischotter- und Biberpopulationen. Noch vor 30 Jahren gab es keinerlei Biber mehr in Mecklenburg-Vorpommern. Dann wurden 30 Biber, die aus dem Elbetal umgesiedelt werden mussten, zwischen Jarmen und Anklam ausgesetzt. Entlang der Peene sind heute wieder ca. 500 Biber heimisch. Wir sahen mehrere Biberburgen entlang der Peene, leider aber keinen Biber. Biber sind ja eher nachtaktive Tiere und daher am ehesten in der Dämmerung zu beobachten. Dafür haben wir aber wenigstens einen Fischotter gesehen.

Torfstich und Weiden an der Peene

Torfstich und Weiden an der Peene

Nächster Halt war dann Stolpe an der Peene, ebenfalls ein malerisch an der Peene gelegenes sehr schönes Dörfchen mit einem weiteren sehr schönen Wasserwanderrastplatz. Wir besichtigten die Ruinen des Klosters Stolpe und sahen uns in dem Dörfchen um.

Stolpe

Kurz vor Anklam, kam dann was die Vogelsichtungen während dieser Fahrt anging, der Höhepunkt. Ich habe noch nie so viele Schwäne auf einem Platz gesehen wie dort. Es müssen Hunderte gewesen sein, dazu Kraniche, Kormorane, Graureiher, Störche, verschiedene Gänse und Enten in großer Anzahl und viele kleinere Wasservögel. Leider habe ich davon keine Fotos, weil ich nur mein iPad mit hatte und somit keine Tele-Funktion. Ihr müsst mir also einfach glauben. :-)

Auch die Fahrt durch die alte Hansestadt Anklam, war recht beeindruckend. Vom Wasser her eröffnen sich nochmal ganz andere Perspektiven auf die alten Hansebauten. Anklam ist übrigens auch der Geburtsort des Luftfahrtpioniers Otto Lilienthal.

Anklam Ansicht von der Peene her

Hafenkran in Anklam

Für uns geöffnete Brücke in Anklam

Von dort aus ging es Richtung Mündung in die Ostsee. Die Peene hat nur ein sehr niedriges Gefälle und wenn der Wind von Nord-Ost kommt, wird das Wasser aus der Ostsee in die Peene gedrückt und zwei Tage zuvor hatte der Wind so gedreht. So mündete die Peene an diesem Tag eigentlich nicht in die Ostsee, stattdesssen kam uns die Strömung von der Ostsee her entgegen.

Die Landschaft entlang der Peene verändert sich im letzten Teil vor der Ostsee noch einmal ganz deutlich. Dort ist die Landschaft von großen Reetflächen geprägt, die sich sanft im Wind wiegen. Früher wurden diese Flächen in der Hauptsache von den örtlichen Peenefischern bewirtschaftet. Im Winter, wenn es nicht viel zu fangen gab, weil z.B. die Peene zugefroren war, ernteten sie das Reet und verdienten sich durch diese harte Arbeit ein Zubrot. Heute gibt es nur noch wenige Fischer, die hier Reet ernten, einfach weil es sich finanziell eigentlich nicht mehr groß lohnt. Länder wie Ungarn und Rumänien bieten ebenfalls qualitativ hochwertiges Reet aber zu einem viel günstigeren Preis, so dass der Absatz des Reets von hier immer schwieriger wird. Obendrein ist die Bewirtschaftung wirklich schwierig und wird durch entsprechende (EU-)Verordnungen und Naturschutzauflagen noch zusätzlich erschwert.

Über das Stettiner Haff ging es hinüber nach Usedom zum kleinen Dorf Karnin. Direkt davor stehen die Überreste der Hubbrücke von Karnin, die heute ein technisches Denkmal ist und einmal die wichtigste Verkehrsanbindung von Usedom an das Festland war.

Hubbrücke Karnin

Alles in allem waren wir fast neun Stunden mit dem Schiff unterwegs, und für mich hat es sich wirklich angefühlt wie aus der Zeit und Zivilisation gefallen zu sein. Es war toll, mal einen Fluß zu sehen und zu erleben, der sich ganz seinem natürlichen Verlauf folgend durch die Landschaft windet bzw. mäandert und wir haben natürlich weite Teile dieser Landschaft und der Naturschutzräume sehen können, die man sonst überhaupt nicht sehen kann, weil dort keine Landwege hineinführen. Das Wetter war an dem Tag strahlend schön und so war es einfach nur rundum beeindruckend und toll. Eine der großartigsten Schifffahrten, die ich bisher in meinem Leben machen durfte.

Segelboot auf der Peene

Peene im abendlichen Licht

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Nachruf auf einen Freund

Für Hannes
1974 – 2016

Es war lange vor Twitter, da stieß ich auf einen Blog mit dem Namen „Jazzlounge“. Dort bloggte ein Hannes über seine Liebe zum Jazz, stellte enthusiastisch Jazzmusiker und Jazzbands vor. Eine Weile las ich still mit, irgendwann kommentierte ich das erste Mal und bald kommentierten wir gegenseitig in unseren Blogs und tauschten uns über unsere Neuentdeckungen auf dem weiten Feld des Jazz aus und gaben uns gegenseitig Hörtipps.

Damals gab es so etwas wie Spotify & Co. noch nicht und da wir uns eher abseits des Mainstream-Jazz herumtrieben, war es manchmal gar nicht so einfach, an die entsprechenden Musikstücke zu kommen. Hannes muss über eine recht große Jazzmusik-Bibliothek verfügt haben, meine war auch recht gut bestückt. Irgendwann hatte ich einen kleinen Umschlag in der Post. Der Umschlag kam von Hannes. Im Umschlag war eine CD, auf die er Jazzstücke gebrannt hatte, von denen er annahm, dass sie mich interessieren könnten, sowie von Stücken über die wir diskutiert hatten, an die für mich aber kein Herankommen war. Kurz darauf schickte ich ihm eine gebrannte CD mit ebensolchen Musikstücken zurück. Wir haben in den folgenden Jahren eine Menge CDs gebrannt und hin und her geschickt und dann darüber diskutiert. So lernte ich Johannes Korten, genannt Hannes, kennen.

Unsere Gespräche drehten sich aber bald nicht mehr nur um das Thema Jazzmusik. Wir diskutierten per E-Mail über eine große Bandbreite an Themen: Gott und die Welt. Das waren für uns beide immer sehr tiefe und bereichernde Unterhaltungen. Nicht, dass wir uns immer einig gewesen wären, aber wir respektierten unsere unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven.

Irgendwann dann ging es ihm nicht gut und aus dem was er schrieb, zog ich meine Schlüsse. Ich bin gerade was persönliche Dinge angeht, eher der zurückhaltende Typ und so rang ich eine Weile mit mir, ob ich das Thema um das es offensichtlich ging, klar benennen sollte oder nicht. Ich beschloß abzuwarten, ob es sich einfach ganz natürlich ergeben würde.

Und dann eines Tages war es soweit, und ich sprach ihn direkt auf das Thema Depression an und fragte ihn, ob er damit zu kämpfen habe. Nach einer kurzen Pause, antwortete er mir ehrlich und schrieb auch, dass er eigentlich darüber nicht viel rede. Daraufhin erzählte ich ihm, dass ich selbst auch schon lange unter Depressionen leide. Wir hatten danach nicht wenige Gespräche, die sich ausschließlich um dieses Thema drehten. Wir erzählten einander zumindest in Auszügen, wie wir es erlebten, wenn diese Krankheit wieder ihr Haupt erhob, und wie wir versuchten, damit umzugehen und damit zu leben so gut, wie es eben geht.

Diese Gespräche führte dazu, dass wir einander noch tiefer wertschätzten und hob unseren Kontakt nochmal auf eine tiefere Ebene. Wenn er meinte, aus meinem Blogeinträgen oder Tweets „herauszuhören“, dass ich wieder mehr zu kämpfen hatte, kontaktierte er mich, zuerst per Mail, später auch über Twitter (in den Direktnachrichten) und umgekehrt. Wir machten uns gegenseitig Mut und erinnerten uns gegenseitig daran, dass es jenseits der Dunkelheit immer noch Licht gab, auch wenn wir es im Moment nicht mehr selbst wahrnehmen konnten. Und wir freuten uns gemeinsam, wenn wir endlich wieder einen Silberstreif am Horizont sehen konnten und das Licht langsam aber doch seinen Weg zurück in unsere Leben fand.

Über die Jahre blieb unsere Freundschaft und der Kontakt bestehen. In größeren Wochen-, manchmal auch Monatsabständen, fanden wir immer wieder interessante Themen, über die wir uns austauschten.

Johannes war ein engagierter Mensch, der mit offenen Augen und einem großen Gerechtigkeitssinn durch die Welt ging. Er litt wirklich bis ins Innerste unter Ungerechtigkeiten in der Welt, unter der Gewalt und dem Haß, der sich immer mehr auszubreiten schien. Er wollte eine bessere Welt und tat was immer ihm möglich war, um dazu beizutragen.

Vielen wird seine „Mutmachparade“ in Erinnerung geblieben sein. Dort berichteten wir einander, wie wir uns selbst Mut zusprechen, wie wir andere ermutigen und was wir erlebt haben, wenn wir uns ein Herz bzw. Mut gefasst und etwas gewagt hatten.

Das wohl eindrücklichste Beispiel für sein Engagement war die große Hilfsaktion, die er für seinen Freund Kai anstieß, als der nach einem Schlaganfall ins künstliche Koma gefallen war und dessen Familie nicht wusste, wie es weitergehen könnte. Mit der Aktion „Ein Buch für Kai“ und einer Spendensammlung hat er ein Beispiel dafür gegeben, wie es aussehen kann, das Internet zu einem besseren Ort zu machen, was ihm immer ein Anliegen war. Damals bat er uns alle

„Bewahrt euch diese Menschlichkeit! Es gibt so viele andere Menschen in Not!“

Noch etwas hat mich immer beeindruckt, nämlich seine große Liebe zu seinen Kindern, seinem Junior und seinem Mademoisellchen. Ich dachte immer, wenn alle Stricke reißen sollte, könnte ihn am Ende diese Liebe zu seinen Kindern halten.

Auch unsere letzte längere und tiefgehende Diskussion hatten Hannes und ich über das Thema der Gerechtigkeit in der Welt. Ich hatte ihn auf das Buch „Politische Emotionen – Warum Liebe für Gerechtigkeit wichtig ist“ von der US-Amerikanischen Philosophin Martha C. Nussbaum hingewiesen, das er sich umgehend zulegte und las. Und dann diskutierte wir. Er war sehr angetan von ihren Gedankengängen und Ansätzen, ja er war richtiggehend enthusiastisch und plante auf der re:publica in diesem Jahr eine Session rund um diese Thematik anzubieten. So diskutierten wir, wie er das große Thema entsprechend aufbereiten könnte. Meines Wissens nach hat er wenige Tage später ein entsprechendes Paper für die re:publica eingereicht, das aber zugunsten des Themas „Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es gemeinsam dazu machen“ zu dem er dann auf der re:publica sprach, nicht zum Zuge kam. Die Gedankenanstöße aus dem Buch bewegten ihn gedanklich aber auch weiterhin sehr.

Irgendwann gegen Ende letzten Jahres, bemerkte ich, dass sich über ihm wieder die dunklen Wolken zusammenballten. Ich kontaktierte ihn wieder hinter den Twitter-Kulissen und er bestätigte mir, dass es ihm schlecht ging. Ich versuchte wieder ihm Mut zu machen und ihn dazu zu bewegen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ich wusste, dass es auch andere Freunde gab, die Bescheid wussten, und ihn ebenfalls in diese Richtung zu bewegen suchten.

Vor etwa vier Wochen hakte ich noch einmal nach und merkte schnell, dass er nicht bereit war tiefergehend über seine aktuelle Situation zu sprechen. Ich drängte ihn auch nicht dazu, sondern signalisierte ihm nur, dass ich jederzeit ein Ohr für ihn hätte, wenn er das wolle und dass ich auch sonst bereit wäre ihm zu helfen, wenn das irgendwie möglich und gewünscht sei. Er bedankte sich und meinte, im Moment gäbe es nichts, was ich für ihn tun könne. Es reiche ihm zu wissen, dass ich an ihn denke.

Wenige Tage später schrieb er den Blogeintrag „Mein Jazz ist kaputt“ und spätestens da ahnte ich, dass die Krise diesmal wesentlich tiefer ging, als all die Male zuvor.

Noch einmal, am 27. Juni, hatten wir hinter den Twitterkulissen einen kurzen Kontakt. Als letztes schrieb er:

„Ich hoffe, es geht dir gut. Ich freu mich, auch so mal wieder von dir zu hören. Glück auf!“ Ich ahnte nicht, dass das seine letzten persönlichen Worte an mich sein würden.

Heute morgen las ich, kaum aufgewacht, einen Tweet von ihm, der einen Link zu einem neuen Blogeintrag von ihm enthielt. Unter Tränen las ich, was er dort geschrieben hatte und ahnte, dass jede Hilfe zu spät kommen würde, so gerne ich noch einen Funken Hoffnung gehabt hätte. Wenige Stunden später kam die traurige Gewissheit: Mein Freund Hannes lebt nicht mehr.

Ich bin unsagbar traurig für ihn, seine Frau und die beiden Kinder und alle die ihn kannten und geliebt und geschätzt haben.

Danke Hannes für Deine Freundschaft, Deinen Mut, Dein Engagement und all die bereichernden Gesprächsstunden. Du wirst mir sehr fehlen! Und ich werde versuchen, Dir Deinen letzten öffentlich geäußerten Wunsch zu erfüllen, so gut ich es vermag:

„Wenn ich einen letzten Wunsch hätte, dann wäre es der hier: Schaut in jeder Situation gemeinsam nach vorn. Seit achtsam mit euch selbst und dann aufeinander. Macht die Welt im Großen wie im Kleinen wieder zu einem guten Ort. Lebt den Gedanken, dass das gemeinsam im Miteinander möglich ist, weiter.“

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Tomatenglück und Weltenunglück

Ochsenherztomaten

Die Zeit rast, der Juli schnürt schon seine Schuhe und wird sich bald verabschieden. Ja, ist es denn zu fassen?! Höchste Zeit also für einen neuen Blogeintrag, sonst ist der Monat um.

***

Die Welt rast auch und lässt mich immer häufiger verstummen.
Dafür äußern sich viele andere und viele leider alles andere als kenntnis- und/oder hilfreich, geschweige denn klug.

Diskussionen, Interpretationen, Meinungen, Gehetze. Selten, aber doch ab und an auch Worte, die einen Zipfel der Realität erhaschen und nachdenklich machen, wenigstens einen oder mehrere kleine Schritte weiterführen. Der Worte sind viele, der Taten, um tatsächlich eine Änderung zum Besseren herbeizuführen, wenige.

***

„Warte nicht darauf, dass die Menschen dich anlächeln.
Zeige ihnen, wie es geht.“
– Pippi Langstrumpf

Pippi Langstrumpf? Im Ernst jetzt?

Ja, im Ernst! Einfacher geht es ja nun wirklich nicht. Zurück zu den ganz einfachen Wahrheiten und wenn sie aus dem Mund einer Pippi Langstrumpf kommen, dann ist das eben so!

Wenn die Menschen nicht mehr wissen, wie man andere anlächelt, wie man andere liebt, wie man anderen hilft, wie man solidarisch ist, wie man freundlich ist, dann muss man es ihnen eben vormachen. Immer und immer wieder, gerade in einer so aus den Fugen geratenen Welt.

Was daher immer bleibt und möglich ist:

Im ganz kleinen privaten Raum alles dafür zu tun, dass Menschen leben können, einen Tag nach dem anderen.

Der Lüge die Wahrheit entgegenhalten. Dem Gehetze und Hass Einhalt gebieten.

Mauern aus Vorurteilen, Stein um Stein wieder abtragen, auch wenn das zunächst heißt, erstmal nur mühselig den Mörtel zwischen den Steinen herauszukratzen, damit man überhaupt einen Stein herauslösen kann.

Ungerechtigkeit nicht schweigend zu unterstützen, sondern Wege aufzeigen, wie es wenigstens im Kleinen ein bisschen gerechter zugehen kann.

Kleine, vielleicht sogar nur winzige Samenkörner Liebe ausbringen. Geduldig, Tag für Tag, in der Hoffnung, dass die Ernte irgendwann aufgeht. Egal, wie steinig das Feld auch ist, wie heiß die Sonne brennt, egal, wie oft das Feld schon abgebrannt ist.

Den Boden immer wieder auflockern, mit der Hin- und Zuwendung zu Menschen, die übersehen, ignoriert oder ausgeschlossen werden.

Jeden Morgen neu aufstehen und sich selbst anfeuern, nicht zu resignieren, nicht nachzulassen.

Und auch es auszuhalten, dass einem für all das Unverständnis entgegenschlägt, man belächelt oder sogar offen ausgelacht wird für so viel „Naivität“. Aushalten, die Ablehnung, die Verachtung, vielleicht sogar den blanken Hass.

Und überhaupt: Zumindest bei mir und vielen anderen, die ich kenne, ist es alles andere als Naivität, die uns dazu veranlasst, uns der Gewalt, dem Hass und der Gleichgültigkeit entgegenzustemmen. Die Menschlichkeit oder besser Mitmenschlichkeit hochzuhalten, die Solidarität zu beschwören und zu leben und auf das Miteinander zu setzen.

Wäre es nur blanke Naivität, hätten wir längst aufgegeben. Wir könnten es nämlich viel ruhiger und bequemer haben.

Manchmal in dunklen Stunden, wenn Terror, Gewalt und Hass mal wieder alles übertönen, lockt eine einschmeichelnde Stimme, und will mir erzählen, dass das alles nichts nutzt. Diese Stimme tut alles, um Zweifel zu säen, Kraft und Energie abzuziehen. Sie fragt mich, welchen Preis ich bereit bin zu zahlen? Und wenn ich ihr entschlossen antworte, fragt sie: „Wirklich?“

Ja, wirklich! Denn ich kann nicht anders. Ich habe keine andere Wahl, als die Haltung einzunehmen, die ich einnehme, das zu tun, was ich tue, egal wie groß oder klein das sein mag, egal wie wenig es mir erscheinen mag, egal wie vergeblich es sogar mir an manchen Tagen erscheint. Nein, dass ist keine Naivität, es ist schlichte Notwendigkeit.

Und ich weiß, dass da immer noch viele sind, denen es ganz genauso geht. Die auch jeden Morgen neu aufstehen und sich einen weiteren Tag dem Wahnsinn, der Gewalt, dem Hass und der Gleichgültigkeit entgegenstemmen.

Kann sein, dass wir nicht (mehr) viele Worte machen, aber wir tun, was wir tun müssen und tun können, und davon werden wir nicht ablassen, egal was es uns am Ende kosten wird. Nicht mal in erster Linie für uns selbst, sondern für diejenigen, die auf uns angewiesen sind und ja, auch für die, die jetzt blind und taub mit hetzen, die Gewalt, Hass und Mißtrauen säen oder einfach nur gleichgültig mit den Schultern zucken.

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Und sonst?

Der Sommer dieses Jahr spielt bisher das Spielchen an – aus – an – aus – an – aus. Das ist anstrengend. Der Kreislauf weiß nicht worauf einstellen, und wenn er sich eingestellt hat, ist schon wieder alles ganz anders. Aber egal, auch das Wetter ist, wie es ist. Also versuchen das Beste daraus zu machen, Gelegenheiten ergreifen.

Ab und an mal kleine Auszeiten und Ausschau halten nach den kleinen Alltagsfreuden.

Über meinem Schreibtisch hängt eine Postkarte, darauf steht

„Das hier sind die guten Zeiten“

Ich hab sie mir hingehängt, zur Erinnerung, damit ich das Hier und Jetzt im wahrsten Sinne des Wortes wahrnehme und bei allem Weltenunglück da draußen und Schwerem im Privaten, nicht blind bin oder werde für die kleinen Momente des Glücks und der Freude.

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Große Freude immer wieder über die reichhaltige Ernte, die wir dieses Jahr vom Balkongarten und aus dem Hochbeet einholen können. Die Gurke trägt weltmeisterlich und obwohl ihre Blätter inzwischen schon arg mitgenommen aussehen, treibt sie immer noch weitere Gurken hervor. Es ist erstaunlich!

Die Tomatenpflanzen hängen voller Tomaten, auch da konnten wir schon viel ernten und werden das noch eine ganze Weile weiter tun können, wenn sie nach und nach alle rot und reif werden. Gestern und heute konnten wir die ersten Ochsenherztomaten ernten. Wunderbar!

Mit den Zebra-Cocktail-Tomaten „fremdle“ ich immer noch. Die erste haben wir gestern geerntet, aber sie war noch nicht ganz reif. Ich bin sehr unsicher woran ich festmachen kann, ob sie nun reif sind oder nicht. Da ich ja noch nie Zebra-Tomaten hatte, weiß ich nicht, wie rot die wirklich werden. Auch die Internet-Recherche hat mich da nicht wirklich klüger oder sicherer gemacht. Eine Rückfrage bei Twitter ergab leider auch keine hilfreiche Antwort. Werden wir also wohl learning by doing machen müssen. Immer mal wieder eine ernten und uns an die ideale Erntefarbe heran arbeiten.

Ebenfalls gestern konnten ich auch die ersten Mohrrüben aus dem Hochbeet ernten. Von der Größe her sind es eher „Snack-Mohrrüben“, was aber dem Geschmack überhaupt keinen Abbruch tut. Prima das!

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Außerdem habe ich die nächste Ripple Decke angefangen zu häkeln. Sie wird ein Geburtstagsgeschenk für eine meiner liebsten Freundinnen, die im nächsten Jahr einen runden Geburtstag anstehen hat. Sie hat schon andere von mir gehäkelte Decken gesehen und war hellauf begeistert. Nun wird sie ihre ganz eigene Ripple Decke bekommen. Die ausgewählten Farben harmonieren wunderbar, und es macht mir wirklich Freude daran zu arbeiten. Es ist ein schöner Ausgleich zu all der Unruhe, zwischendrin ein paar Reihen daran zu häkeln und sich dabei an viele Jahre der Freundschaft zu erinnern und viele gute Wünsche quasi mit einzuhäkeln.

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Ab und an komme ich sogar dazu ein bisschen zu lesen. Aktuell ist das „Der Mann, der das Glück bringt“ von Catalin Dorian Florescu. Vielleicht ist Euch sein Roman „Jacob beschließt zu lieben“ bekannt, für den er 2011 den Schweizer Buchpreis erhalten hat. Ich kenne Catalins Romane seit seinem allerersten Roman „Wunderzeit“ (2001 erschienen) und habe mit großer Spannung und Interesse seine weitere Entwicklung mitverfolgt. Noch bin ich nicht sehr weit mit dem neuen Roman, aber schon jetzt hat mich Catalin wieder mit seinem Erzählen in den Bann geschlagen. Wer also noch Lektüre für den Sommerurlaub braucht, von mir eine dicke Empfehlung.

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Morgen nehme ich mir wieder eine kleine Auszeit. Ich werde ein Schiff besteigen und ein echtes Abenteuer erleben, aber davon ein anderes Mal mehr!

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