© Wolfgang Schrittwieser

Heute Zeit gehabt, wieder etwas in Michael Maars »Heute bedeckt und kühl - Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf« zu lesen. Was ich schon wusste, was aber wieder bestätigt wird, große Literaten sind schon sehr eigene und nicht selten auch unangenehme Charaktere. Was da in den Tagebüchern über andere gelästert, geschimpft und hergezogen wird. Unfaßbar! Teilweise nachdem man sich gerade getroffen und vorgeblich freundlich ins Gesicht gelächelt und Stunden miteinander verbracht hatte, wie gute alte Freunde. Maar nennt fast alle Großen der deutschen Literatur und man bekommt den Eindruck, da gönnt einer dem anderen nicht die Butter auf dem Brot. Eitelkeiten, Empfindlichkeiten, Animositäten bis hin zu regelrechtem Abscheu und Hass. Und dazwischen Verleger und ähnliche Leute, die versuchen die schlimmsten Wogen zu glätten, auszugleichen, zu versöhnen und alle bei Laune zu halten.

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Arno Schmidts Frau hätte man im Leben auch nicht sein wollen! Sich und sein ganzes Leben auf dem Altar des großen Literaten zum Opfer bringen. Aber da ist sie im Laufe der Jahrhunderte nicht die einzige gewesen. Diesen Typ Frau gab und gibt es. Diesen Typ Mann, der so etwas erwartet / fordert, mit Freuden hinnimmt und zulässt natürlich auch.

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Menschlich unanständiges Verhalten kann ich jedenfalls auch bei großen Literaten nur bedingt »tolerieren«. Das Wissen darum entwertet für mich zumindest teilweise auch deren »Werk«. Irgendwie kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass ein Charakter, der zum Beispiel vor Eifersucht lodert, vor Neid geifert oder pedantisch und kleingeistig alle um sich herum unterdrückt, das aus seinem literarischen Werk wirklich heraushalten kann. Es muss sich irgendwo auch in seinem oder ihrem Schreiben niederschlagen. Jemand, der Menschen hasst, kann nicht wirklich liebevoll über sie schreiben. Irgendwo wird der Hass auftauchen und durchscheinen, und seien noch so viele Worte kunstvoll drumherum gedrechselt.

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Beim Lesen wanderten meine Gedanken dann auch zu manchen heute umjubelten Literatur-Stars (wobei das Kaliber insgesamt fürchte ich doch eher kleiner ist). Über deren persönliches Leben weiß man ja als normaler Leser kaum etwas (Tagebücher oder Biographien liegen meist noch nicht vor). Sind die jungen Literaten von anderen Art? Oder geht es da hinter den Kulissen ähnlich zu, wie bei den alten Literaten? Der Konkurrenzkampf dürfte sich ja eher noch verschärft haben. Dann sehr erleichtert gewesen, als mir einfiel, dass die wenigen Literaten, die ich zumindest ein bisschen kenne, eigentlich sehr freundliche, nette und hilfsbereite Charaktere sind. Ich hoffe, sie sind nicht nur grandiose Schauspieler, die zu verbergen wissen, was sie tatsächlich im Herzen tragen (was die alten Literaten teilweise sehr gut konnten).

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Peter Rühmkorf argwöhnte in seinem eigenen Tagebuch: »Wer Tagebuch führt, beginnt sich aufzugeben.«

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Die Wildgans hat sich überlegt, welche Lieder ihr zu den Blogs in ihrer Blogroll einfallen. Für Charming Quark ist ihr dieses hier eingefallen:


Elisa Gabbai · Winter in Canada (1966) - MyVideo

Passt schon, und hat mir beim Anhören ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert.

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© leider unbekannt

Nach einer anstrengenden Woche, ein ruhiger Tag. Ein bisschen lesen, ein bisschen Wintersport schauen, ein bisschen häkeln, ein bisschen unterhalten, ein bisschen Kater knutscheln. Und warten auf den Schnee. Erst als es schon dunkel ist, fallen endlich Schneeflocken. Sehr nass, und nicht sehr viele, aber immerhin. Vielleicht werden es über Nacht ja noch mehr.

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»Für mich gibt es zwei Konzepte: Das Konzept der Angst und das Konzept der Liebe. Und wenn wir bis jetzt mit dem Konzept der Angst gelebt haben, wird es Zeit, dieses zu verlassen.«
-Pablo Pinea

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Spannender Artikel darüber, warum wir in unserer Kommunikation oft gar nicht so nett sind, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, und ein interessanter 40tägiger Versuch.

»All this time I’d thought I was entertaining and insightful and I was really just a pretentious, self-satisfied know-it-all, seeking to be noticed at any cost. As disappointing as this was, it seemed beneficial to realize that I wasn’t just an asshole for fun. I was an asshole for a reason. …«
Could You Go 40 Days Without Being Mean?

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Schließlich noch Fotos aus privater Hand: Afghanistan, wie es vor 50 Jahren war.

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Malchower See - © Liisa

Was übrig blieb vom Tag:

  • Erste Tat des Tages: das Geburtstagskind mit Kerzenlicht und Geburtstagslied wecken
  • Ein Tag mit strahlendblauem und fast wolkenfreiem Himmel (nach Tagen, die ganz anders aussahen; kein Wunder, das Geburtstagskind ist ja auch ein Sonnenschein und obendrein ein geborenes Sonntagskind)
  • Ein Café direkt am See, mit wohlschmeckenden Torten und reicher Auswahl an Kaffee und Tee
  • Gegen Abend herrliches winterliches Licht und ein Himmel in den sanftesten Pastelltönen
  • Lebhafte Gespräche rund um den Käsefondue-Topf
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After a Day with LB - © Melinda Schawel

Als ich am Morgen das erste Mal vor die Tür trete, liegt eine eigentümliche Stille über dem Dorf und der Landschaft. Kein Lüftchen weht. Der Himmel ist von einem hellen pudrigen Grau. Auch die Zeit scheint erstarrt. Die Bäume stehen unbewegt und weiß bestäubt vom Schnee. Langsam sickern doch einige Geräusche in mein Ohr. Ein Hahn, der fortwährend kräht. Ein Specht, der an einen Baumstamm hämmert. Das heisere Krächzen von drei oder vier Nebelkrähen. Und aus der Ferne die Rufe eines einsamen Kranichs, der dem Hahn zu antworten scheint. Das ist alles, was zu hören ist. Erst viel später ertönt das übliche Gezwitscher der Spatzen, Meisen, Finken und das Gezeter der Elstern, das Gequake der Wildenten, die wieder über das Haus hinweg ziehen.

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Dazu passte dann das Gedicht »Jänner«, das ich zufällig heute morgen las:

»Kristallner Tag im Eiseshauch:
den Horizont färbt goldner Rauch.
Ein Baum steht schwarz im Land und sinnt.
Ob irgendwo ein Quell noch rinnt?
Ob unter graugefrornem Lid
das Aug des Sees von Träumen blüht?
Es schweigt die Welt. Nur Krähenschrei
fliegt über Dorf und Wald. Vorbei
gehn Wandrer in der Abendstund
wie Heilige auf goldnem Grund.«
- Christine Busta

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Der sehr geschätzte Herr Buddenbohm hat mal wieder einen kleinen Schatz für uns gehoben. Dieses kurze Video über das älteste Familienunternehmen der Welt, das seit rund 1300 Jahren besteht. Mal abgesehen davon, dass die Geschichte an sich schon der Wahnsinn ist, finde ich es vor allem sehr beeindruckend, dass Fotograf Fritz Schumann es geschafft hat, das Vertrauen der Familie zu gewinnen, so dass sie ihm - für Japaner höchst ungewöhnlich! - auch sehr intime Dinge anvertraut haben.

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Ich hörte einen längeren sehr interessanten Beitrag über den brasilianischen Schriftsteller Joaquim Maria Machado de Assis (1839-1908). Hier kennt kaum ein Leser seinen Namen oder eines seiner Werke. In Brasilien aber gilt er als einer der bedeutendesten - manche behaupten, DER bedeutendste - Schriftsteller den das Land je hervorgebracht hat. Susan Sontag ging sogar so weit, ihn den größten Schriftsteller, den ganz Lateinamerika (!) jemals hervorgebracht hat, zu nennen. Nun, um diesen »Titel« muss er sich vermutlich inzwischen mit Mario Vargas Llosa und Gabriel García Márquez streiten, oder genauer, die Jünger und Fans dieser drei großen Schriftsteller können sich darüber die Köpfe erhitzen.

Tatsächlich ist sein Name im englischsprachigen Raum inzwischen bekannter als in Lateinamerika selbst. Einige lateinamerikanische Kenner der lateinamerikanischen Literatur beklagen sogar die Vereinnahmung von Joaquim Maria Machado de Assis durch britische und US-amerikanische Enthusiasten, und die damit einhergehende Verwandlung des Schriftstellers in einen anderen Machado, der nicht mehr viel mit dem tatsächlichen Machado zu tun hat.

Ich habe nicht wenig Lust, Machados Roman »Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas« bald einmal zu lesen. Es scheint mir eine gute Ablenkung vom Irrsinn des gegenwärtigen Weltgeschehens.

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Schließlich fand ich endlich die Zeit eine kurze Dokumentation über Wulfstan, Bischof von Worcester (ca. 1008–1095) und Heiliger der katholischen Kirche, zu sehen. Abgesehen von den interessanten Informationen über Wulfstan und sein Leben, war ich besonders entzückt über die herrlichen Aufnahmen aus dem Inneren der Worcester Cathedral, die ich bei meiner letzten Reise durch Großbritannien leider nicht selber besuchen konnte.

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Besneeuwde schuur - © Dirk Baksteen

»Mut zum Versagen. Das Beste geben, auch wenn man von Vornherein denkt, es wird nicht genügen.«
- Karl Ove Knausgård, Alles hat seine Zeit [entdeckt bei der Mützenfalterin]

Das schlägt eine Saite in mir an. Mir wurde beigebracht, Fehler zu fürchten. Fehler wurden mit Versagen gleichgesetzt. Und versagt werden durfte auf keinen Fall. Weltuntergang, sozusagen. Egal ob es sich um größere oder kleinere Dinge handelte. Die wichtigen und positiven Seiten des Fehlermachens habe ich erst Jahrzehnte später entdeckt und wenigstens teilweise für mich nutzbar machen können.

Und doch, ich muss mich immer wieder neu daran erinnern. Nicht gleich aufstecken, aus Angst davor Fehler zu machen oder am Ende nicht zu genügen. Das Beste geben, unabhängig davon, wie das Endergebnis ausfallen wird. Nicht den eigenen (oder auch fremden) Prophezeiungen über das Ende glauben. Ich kann weder wissen noch voraussagen, wie etwas enden wird.

Es zählt nicht nur das Ende oder das Ergebnis, es zählt auch der Weg dorthin. Ja, ja, ich weiß, das gute alte »Der Weg ist das Ziel«. In dem Fall gilt für mich »Tausendmal gehört. Tausendmal ist nix passiert. Tausend und ein Tag
und es hat Klick gemacht
«.

Die Erfahrungen, die ich auf dem Weg sammle, sind in sich schon ein Gewinn, selbst wenn das Endergebnis nicht perfekt ist oder das anvisierte Endziel so nicht erreicht wird.

Der Wille, das Beste zu geben, soll mich antreiben, nicht die Angst. Und schon gar nicht, soll die Angst mich so hemmen, das ich am Ende gar nichts gebe, weil ich denke und fürchte, es wird sowieso nicht genügen.

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Vor einiger Zeit las ich einen Artikel in dem irgendwann ein Satz auftauchte, in dem die Rede war von drive-by- oder walk-by-kindness. Also grob übersetzt, die Freundlichkeit im Vorüberfahren oder Vorübergehen. Das hat mir sehr gefallen, und ich dachte, dass wir viel zu wenig von dieser Art Freundlichkeit praktizieren.

Solche Freundlichkeit im Vorübergehen wäre es, z.B. einer Kassiererin im Supermarkt wenigstens für ein paar Sekunden in die Augen zu sehen und ihr ein paar freundliche Worte oder wenigstens ein Lächeln zu schenken. Oder jemanden die Tür eines Ladens oder Aufzugs aufzuhalten. Oder jemandem unaufgefordert zu helfen, etwas Schweres zu tragen, oder, oder, oder.

Oder man macht jemandem (einem Fremden, oder auch einem Freund) einfach mal ein aufrichtiges Kompliment. Ich meine, wie oft bewundern wir Fähigkeiten oder Eigenarten, die ein anderer Mensch hat, aber wir verlieren nie ein Wort darüber. Alles bleibt in unserem Kopf. Wir alle sehnen uns nach Bestätigung und freuen uns über Anerkennung. Aber wir gewähren sie uns im Regelfall eher selten. Kein Wunder, das viele Menschen sich schwer tun, wenn sie dann mal ein echtes Kompliment bekommen (ich rede hier nicht von sog. »vergifteten« oder berechnenden Komplimenten).

Daran musste ich heute denken, als ich auf das Blog »A Compliment A Day« aufmerksam wurde. Vermutlich kennt das eh schon die halbe Welt, aber an mir war es bisher vorbeigegangen. Die Person hinter dem Blog ist Rosa Stark, Psychologiestudentin aus Berlin. Sie hat sich vorgenommen, ein Jahr lang jeden Tag einem Menschen ein ehrlich gemeintes Kompliment zu machen und erzählt seit Juni 2014 davon, was sie dabei erlebt. Großartig!

Ich bin motiviert, mir Rosa Stark zum Vorbild zu nehmen, und selber Komplimente zu verteilen. Es muss ja nicht gleich täglich sein, aber doch öfter als bisher. Für mich ist das zugleich eine gute Übung auf Menschen zuzugehen und sie anzusprechen, was mir eher schwerfällt. Aber, Übung macht den Meister! Einfach mal anfangen mit dem Komplimente machen, und statt gleich wieder im Kopf zu »prophezeien« wie das enden wird, mutig vorwärts und mein Bestes geben. Schlimmeres als ein paar auf’s Maul kann mir ja eigentlich nicht passieren. ;-) Und wenn es gut läuft, dann ist es eine win-win-Situation und gleich zwei haben was davon.

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Im Hinblick auf meinen »Schlafrhythmus-Umstellungs-Versuch« fand ich den Artikel »Die Diktatur der Lerchen« von Theresia Enzensberger bei den Krautreportern lesenswert.

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Was übrig blieb vom Tag:

  • Über Nacht haben wir wenigstens ein bisschen Schnee bekommen, der sogar liegen geblieben ist. Ich hab mich den ganzen Tag über am Ausblick auf die verschneite Landschaft erfreut
  • Ansonsten verlief der Tag völlig anders als gedacht und geplant, ich konnte aber problemlos umdisponieren und mich mit dem Tag anfreunden
  • Den 1000 Tode schreiben-Bonustext im Blog »erstveröffentlicht«
  • Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus
  • Pastinaken-Süßkartoffel-Suppe mit Speckwürfelchen und frischem Brot schmeckt überraschend gut
  • Der bestellte Tee-Nachschub von Løv ist gekommen. Ich trinke abends ganz gerne deren Grüner Rooibos Ananas-Minze-Tee. Eigentlich hatte ich noch mit dem neuen Pfirsich-Johannisbeere-Tee geliebäugelt. Aber angesichts des Preises war es mir dann zu riskant, den einfach zu bestellen. Ich hatte ein bisschen darauf spekuliert, dass vielleicht eines der drei Probetütchen, die den Bestellungen beigelegt werden, ein Pfirsisch-Johannisbeere-Tee wäre. Aber leider war das nicht der Fall. Schade, muss ich also warten, bis ich vielleicht irgendwo mal so einen Probeteebeutel in die Hände bekomme.
  • Ich darf mich weiter in Vorfreude üben (nein, die erwartete Postsendung kam auch heute nicht)
  • Mein aktuelles Häkelprojekt neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu, und ich hab schon zwei neue mögliche Projekte im Blick. Für eines davon konnte ich heute schon erste Vorbereitungen erledigen.
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Als ich mich entschieden hatte, für »1000 Tode schreiben« einen Text beizusteuern, begann ich zu schreiben. Am Ende hatte ich insgesamt drei Texte. Einen davon verwarf ich später komplett. Einen sandte ich für die 2. Version von »1000 Tode schreiben« ein, und der wurde inzwischen im e-book veröffentlicht. Und der letzte Text, blieb hier bei mir und bisher unveröffentlicht. Nun soll er also seinen Platz wenigstens hier im Blog finden.

Der Bonustext

Als ich dem Tod das erste Mal begegnete, da hat er nicht mich mitgenommen. Er wählte meine jüngere Schwester. Von diesem Tag an wurde er mir zu einem steten Begleiter. Vielleicht, weil ich die einzige Zeugin gewesen war. Er folgte mir, wohin ich auch ging. Manchmal hielt er sich für eine Weile im Hintergrund, aber ich konnte seinen Schatten immer ausmachen, selbst an einem strahlenden Sommertag oder in den dunkelsten Stunden der Nacht, wenn es eigentlich keine Schatten mehr gibt. Ich gewöhnte mich lange nicht an seine Anwesenheit. Ich versuchte ihn abzuschütteln, doch es gelang mir nie.

Ich fürchtete den Anblick, wenn sein Schatten über einen Menschen fiel und diesen gleichsam verschluckte. Manchmal ging dieses Verschlucken rasend schnell, manchmal dauerte es schmerzhaft lange. Ich begann mich von den Menschen zurückzuziehen, weil ich fürchtete, den Tod erst auf sie aufmerksam zu machen. Ich wollte ihn nicht wie eine Art tödlichen Virus einschleppen. Abgrundtiefe Verzweiflung befiel mich, wenn ich sah, wie er seine schmale aber unerbittliche Hand auf die Schulter eines Menschen legte. Eines Menschen, der noch lachte und scherzte und nicht ahnte, dass ihm nicht mehr viel Zeit verblieb. Ich wollte die Menschen warnen, aber kein Ton kam aus meinem Mund. Ich konnte nur ohnmächtig warten und dann zusehen, wie der Tod sein Werk vollbrachte.

Ich lernte die vielen unterschiedlichen Gesichter des Todes kennen. Er konnte sanft und liebevoll sein, grausam und rücksichtslos. Jedenfalls glaubte ich das lange, bis mir aufging, dass er völlig ohne jegliches Gefühl ist. Alles, was ich ihm zugeschrieben hatte, waren nur meine hilflosen Versuche gewesen, menschliche Worte zu finden, um ihn zu beschreiben. Denn was man in Worte fassen kann, das wird buchstäblich fassbar. Der Tod aber bleibt unfassbar, unbeschreiblich. Wenn wir glauben, ihn endlich erwischt zu haben, einen Fetzen seines Mantels in der Hand zu haben, entwindet er sich im nächsten Moment, wechselt sein Gesicht und ist wieder so unerträglich fremd.

Manchmal glaube ich, der Tod ist eigentlich ein riesiges Kaleidoskop, in dem wir gefangen sind. Von überall her und aus allem heraus blickt er uns an. Wenn wir uns bewegen, verändert er sein Aussehen und bleibt doch immer der, der er ist. Er webt eine große Illusion um sich und uns herum. Manchmal ist diese Illusion unerträglich schön. So schön, dass wir den Schmerz, den er gleichzeitig bringt, fast vergessen. Manchmal zerbirst die Illusion in tausend Splitter, die uns blutige Wunden zufügen.

Es gab Zeiten, da gelang es dem Tod sogar, mir vorzugaukeln, er sei mein Freund. Er versprach mir das Blaue vom Himmel, wenn ich nur mit ihm gehen würde. Fast wäre es ihm gelungen, mich zu überzeugen. Doch ich besann mich im letzten Moment und lehnte sein Ansinnen ab. Er lächelte leichthin, fast ein wenig spöttisch und ging davon. Wir wussten beide, er würde es wieder versuchen. Wir wussten beide, er würde am Ende, so oder so, gewinnen. Aber jetzt noch nicht.

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Blue 16 - © Bobbi Hamill

gefreut

  • über die vielen vielen Wildenten, die morgens über unser Haus flogen und besonders über die rufende leicht verspätete Wildente, die hinterher flog und versuchte die anderen einzuholen
  • über einen frischen kleinen Eukalyptuszweig in einer kleinen Vase auf meinem Schreibtisch
  • über eine sehr nette Einladung
  • über sehr freundliches Feedback im Blog und bei Twitter (»Willkommen neue Follower und Leser, hier wie dort!«)
  • dass mein Ischias immer noch »nur« muckert und sich bisher nicht zum ausgewachsenen Hexenschuß gemausert hat

geärgert

  • dass eine seit Tagen erwartete Postsendung wieder nicht kam und das Nachhaken ergab, dass Paypal offenbar geschlagene vier Tage gebraucht hat, bis das überwiesene Geld beim Händler »eintraf«. Da hätte ich das Geld auch gleich mit der Postkutsche vorbeibringen können und wäre schneller gewesen.

gefreut

  • dass ich jetzt noch ein, zwei, drei(?) Tage Vorfreude habe, bis die sehnlich erwartete Postsendung endlich hier eintrifft

6:1 für die Freude!

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Stellt Euch vor, Ihr nehmt so ein superstarkes Fishman’s Friend, das Euch erstmal richtig die Luft nimmt. Und dann zieht ihr etwas die Luft ein. Dieser Laut, der dann entsteht, der spielt in einem Teil Schwedens eine sehr wichtige Rolle. Aber seht selbst!

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Wer’s noch nicht mitbekommen hat, kann jetzt noch mein Fazit und meinen Text für das Projekt »1000 Tode schreiben« lesen.

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