Piscine Pontoise, Paris - © Franck Bohbot

Die liebe Frau Indica hat gerade einen schönen Blogeintrag über das Schwimmen und Bücher, geschrieben. Eine überaus glückliche Kombination, wie ich finde. Als ich heute morgen kurz vor sechs Uhr in »unseren« See stieg, um dort alleine meine Bahnen zu ziehen, dachte ich über diesen Eintrag nach und wie ich da so vor mich hin schwamm, fühlte ich mich plötzlich inspiriert, mich Frau Indica mit einem eigenen Beitrag anzuschließen.

Meine Liebe zum Schwimmen wäre beinahe schon im Keim erstickt worden. Ich wurde nämlich als Kind in einen Schwimm-Verein gesteckt. Eigentlich ja keine dumme Idee. Wohl dem, der als Kind das Schwimmen lernt und gleich auch richtig lernt.

Allerdings ging es, kaum dass man schwimmen konnte, nur noch um eines: Leistung, Leistung, Leistung! Wettbewerb um Wettbewerb. Ich hatte ziemlich schnell keine Lust mehr auf ständigen Konkurrenzkampf im Wasser und das (pädagogisch absolut kontraproduktive) Vorgehen der Trainer, um uns zu Höchstleistungen anzustacheln. Es dauerte allerdings noch eine ganze Weile, bis ich sowohl meine Trainer als auch meinen Eltern überzeugen konnte, dass ich wirklich wirklich wirklich aus dem Verein austreten wollte.

Als es endlich soweit war, war’s das auch erstmal mit dem Schwimmen. Aber bald stellte ich fest, dass ich das Schwimmen an sich doch liebte. Ich bin ein absoluter Wassermensch. Am liebsten im menschenleeren Schwimmbad (oder wenigstens mit ganz wenig Mitschwimmern). Volles Hallen- oder Freibad, ist mir bis heute eher ein Graus. Aber in einem relativ leeren Schwimmbad meine Bahnen ziehen und Kacheln zählen … herrlich. Ein eigenes kleines Schwimmbad (vor allem im Winter), das wäre es!

Im Meer schwimmen, ist nicht ganz so mein Ding. Da geht es mir wie Frau Indica. Wer weiß, welcher weiße Hai da vielleicht gerade unter mir schwimmt und denkt »Oh toll, da ist ein Snack! Mal ein bisschen anknabbern!« Nee, ich weiß natürlich, dass in unseren Breiten kein weißer Hai herumschwimmt. Aber trotzdem, dieses diffuse Unbehagen, weil man nicht sehen kann, was unter einem los ist, trübt mir das Schwimmvergnügen im Meer doch ziemlich.

Dieser Tage ist Ines Balcik, die ich über das Internet schon viele Jahre kenne, zum wiederholten Mal durch den (offenbar sehr quallenreichen) Bosporus von Europa nach Asien geschwommen. Wieso, warum und wie sich das anfühlt, dazu mehr hier, hier und hier! Ich muss sagen, vor so einer Leistung habe ich höchsten Respekt. Könnte ich mir bei aller Wasser- und Schwimmliebe für mich selbst aber eher nicht vorstellen.

Tatsächlich bin ich, seit ich hier in Mecklenburg-Vorpommern lebe, zu einer Outdoor-Schwimmerin avanciert. Schwimmbäder gibt es hier zwar, aber tatsächlich sind es eher »Bade-Oasen« als klassische Schwimmbäder. D.h. relativ viele eher kleinere Becken, die sich nicht wirklich zum Bahnenziehen eignen. Schon gar nicht, wenn es etwas voller wird.

Alternativ gibt es hier aber Seen über Seen. Fast jedes kleine Dorf verfügt über einen mehr oder weniger großen See. Auch unser Dorf hat seinen eigenen See, der wegen seiner erhaltenen Natürlichkeit plus guten Größe plus bester Wasserqualität einen guten Ruf in der ganzen Gegend hat. 98% der Besucher bleiben allerdings in Ufernähe, so dass man als Schwimmer den Rest des Sees fast vollständig für sich hat.

Im ersten Sommer beäugte ich den See noch mit einer guten Portion Misstrauen. Ich meine, wer weiß, was da so alles rumschwimmt, in diesem See?! Fische ja schon mal auf jeden Fall, und da weiß man nicht so genau was die, wenn sie nur hungrig genug sind, mit einem anstellen! Aber auch anderes Getier tummelt sich natürlich in so einem Gewässer (z.B. schwimmende Schlangen, was ich aber zum Glück erst nach einigen Jahren sah!).

Andererseits, reizte mich das kühle Nass aber auch. Der Tag kam, an dem ich vorsichtig dann doch mal das Experiment wagte, und das war der Beginn meines Outdoor-Schwimmerinnen-Daseins. Inzwischen freu ich mich immer schon auf den Sommer, weil ich dann endlich wieder im See schwimmen kann. Hin und wieder beschleicht mich immer noch für Momente ein diffuses Unbehagen aber dann gelingt es mir, es zu verdrängen und mich lieber wieder auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Auch andere Seen hier in der Umgebung habe ich mir inzwischen schon »erschwommen«. Was für ein herrlicher und vor allem kostenloser Luxus!

Kacheln zählen kann ich beim Schwimmen im See natürlich nicht, alternativ kann ich Bäume oder Wasservögel zählen, was auch schön ist. Bei einer See-Länge von 730 Metern und einer See-Breite von 370 Metern (Seetiefe bis zu 10 Meter) kann ich wunderbar meine Bahnen ziehen, je nach Tagesform. Bei mir fremden Seen bin ich immer noch etwas zurückhaltender, besonders, wenn sie flacher sind und es ordentlich Unterwasserpflanzen gibt. Das mag ich nämlich gar nicht, wenn da was an meinem Körper entlang streicht, und ich weiß nicht, was!

Aber gut, es hiess ja »Schwimmen und Bücher« und so komme ich jetzt zu den Büchern. An John von Düffel komme auch ich da natürlich nicht vorbei. Schon mit seinem ersten Roman »Vom Wasser«, indem es zwar nicht nur aber auch um das Schwimmen geht, hat er mich nämlich komplett am Haken gehabt.

Etliche Jahre später las ich, wie auch Frau Indica, seinen Roman »Houwelandt«, der mich nicht ganz so zu überzeugen vermochte, wie »Vom Wasser«, aber die Roman-Teile, die sich um das Schwimmen - diesmal im Meer - drehten, fand ich wieder toll.

Über die Kaltmamsell, deren Blog ich ebenfalls schon seit einer gefühlten Ewigkeit lese, und die eine passionierte Schwimmerin ist, was in schöner Regelmäßigkeit in ihre Blogeinträgen einfließt, wurde ich auf das Buch »Swimming Studies« von Leanne Shapton aufmerksam. Seither steht es auf meiner Liste noch zu lesender (Schwimm)-Literatur. Shapton war in ihrer Jugend Leistungsschwimmerin und hat da eine richtige Karriere hingelegt, bis sie ausstieg aus dem Leistungssport. Das Schwimmen selbst hat sie aber nie aufgegeben. In dem Buch erzählt sie von beiden Phasen ihres Schwimmlebens. So richtig traue ich mich allerdings noch nicht an das Buch, weil ich ein wenig fürchte, es könnte mein altes Leistungsschwimmen-Trauma wieder aufwühlen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, so langsam könnte ich mich doch daran wagen. Mal schauen.

Dieses Jahr im April hab ich dann entdeckt, dass im Februar das Buch »Wassererzählungen« von John von Düffel erschienen ist. Das wanderte natürlich sogleich auf meinen Wunschzettel bzw. auf meine schon erwähnte Liste noch zu lesender Schwimm-Literatur. Von diesem Buch hoffe ich sehr, dass ich es noch dieses Jahr, vielleicht sogar noch diesen Sommer, lesen werde, und ich bin schon sehr gespannt darauf.

Charles Sprawson verbrachte seine Kindheit in Indien, wo er im unterirdischen Gewölbe eines Prinzenpalastes das Schwimmen lernte und dem Schwimmen verfiel. Viel später schrieb er ein ebenfalls zu empfehlendes Buch zum Thema: »Ich nehme dich auf meinen Rücken, vermähle dich dem Ozean. Die Kulturgeschichte des Schwimmens« (übrigens übersetzt und herausgegeben von John von Düffeln im Marebuchverlag; als Taschenbuch »Schwimmen - Eine Kulturgeschichte« bei Piper). Sprawson legt dabei einen Hauptfokus auf die Beziehung zwischen Literaturschaffenden und das Schwimmen, was natürlich höchst reizvoll ist.

Soweit zu den Büchern. Ansonsten vertrete ich ja die Ansicht:
Wer Literatur (Bücher) und Schwimmen als feste und regelmäßige Bestandteile in sein Leben integriert hat, der ist auf eine sehr spezielle Weise ein glücklicher Mensch, egal was ihm das Leben sonst noch austeilen mag.

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© Friedrich Köster

Name …
Friedrich Stefan Hermann Köster

Geboren in …
…Stralsund

Heute lebe ich in …
Rostock

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich …
…mal hier mal dort und irgendwann hoffentlich hauptberuflich als Schriftsteller.

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Sehr oft sogar. Gerade jetzt steht Berlin wieder an erster Stelle. Eine Stadt, die mich seit fast zwei Jahrzehnten dank ihrer Anonymität und ihrem kulturellen Angebot fasziniert und in der ich schon immer einmal leben wollte.

An einem sonnigen Sommertag …
…schreibe & philosophiere ich über das Leben, spaziere durch die Stadt und fahre mit Blueberry, meinen Rad, raus aus Rostock, um die Natur zu genießen.

An einem verschneiten Wintertag …
… schreibe & philosophiere ich über das Leben, trinke grünen Tee, spaziere durch die Stadt und treffe mich mit Freunden im Café oder der Kneipe unserer Wahl.

Gut essen …
kann man definitiv im Warmbad. Dort gibt es leckeres Essen, egal ob vegan, vegetarisch oder mit Fleisch. Und sie haben den besten Apfelstrudel der Welt. Ein Gaumenschmaus!

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
Ich war noch nie in meinem Leben auf einem Festival. Das würde zu viel Stress für mich bedeuten. Ich bin jemand, der ein Konzert noch Tage danach gerne auskostet und verarbeitet, und ich denke, ein Festival gäbe mir zu viel Input.

Was das Theater betrifft, geht es vor allem mit der jungen Bühne dank des Schauwerks in Rostock wieder bergauf und auch das Angebot an klassischen Konzerten ist dank der HMT ausgesprochen gut. Doch auch wenn ich Klassik gerne höre, verlieren sich nur zu selten Bands meines Geschmacks nach Rostock (Käpt’n Peng, Hundreds, Blaudzun) und ich muss (bzw. kann) dementsprechend oft nach Berlin fahren.

Auch was Museen betrifft, bin ich einfach zu sehr von unserer Hauptstadt verwöhnt, obgleich einige Ausstellungen in der Kunsthalle Rostock ein wahrer Augenschmaus waren und auch das Kulturhistorische Museum im Kloster zum Heiligen Kreuz stets einen Besuch wert ist.

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
dann würde ich die Mietpreise senken, damit Orte wie die KTV so bleiben können wie sie sind und ihre derzeitigen Bewohner nicht irgendwann in die Randgebiete der Stadt getrieben werden, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Außerdem würde ich den jungen & kreativen Einzelhandel fördern, um dieser Handelskettengesellschaft entgegenzuwirken.

Die Einheimischen …
…leben in einer angenehmen Distanz zu einander. Hier fällt man Fremden nicht in die Arme und gibt Bussi hier, Bussi da. Hier taut das Eis langsam auf und es entwickeln sich tolle Freundschaften mit wundervollen Menschen, die auf Oberflächlichkeit pfeifen.

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
…sind oft erschrocken über die Mecklenburger Anfangskälte und umso erfreuter, wenn das zuvor erwähnte Eis aufgetaut ist.

Wenn ich alt werde …
…Ein Satz, mit dem ich nicht viel anfangen kann. Schließlich werde ich jeden Tag älter als den Tag davor. Hinzu kommt die Frage, wann ich denn »alt« bin? Mit 30, 50 oder 70? Ich glaube, ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich zufrieden sagen kann, dass nicht mehr allzu viel fehlt und ich so weitermachen möchte wie bisher.

Ein Tipp …
von mir ist das zoologische Institut neben dem Hauptgebäude der Universität. Räume voller ausgestopfter Tiere, die man betrachten kann, faszinieren mich, weil sie mir die unglaubliche Vielfalt dieses Planeten zeigen.

Ein Wunsch für Mecklenburg-Vorpommern …
Ich wünsche mir eine größere Konzertvielfalt und mehr Unterstützung für junge Selbständige, damit wir nicht in Großstädte flüchten müssen, sondern unsere Heimat mitgestalten können.

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Herzlichen Dank Friedrich für Deine Antworten und Tipps! Über Dich gibt es ja die Aussage, Du wärst der kommende deutsche Dan Brown. Ich wünsche Dir auf dem Weg dorthin gutes Vorankommen und viel Erfolg und warte gespannt, wann Dein erster Roman/Krimi in den deutschen Buchläden zu finden ist!

Alle bisherigen und zukünftige Interviews

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© Kai Küken

Name …
Kai Küken

Ursprünglich aus …
…Hannover (Niedersachsen)

Nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen …
…vor acht Jahren nach Rostock, für die Liebe in die Stadt der Liebe

Kröpeliner Tor in Rostock - © Kai Küken

Heute lebe ich in …
seit März 2014 wieder in Hannover

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich …
…als Kameramann und Cutter. Zur Zeit bin ich bei einer großen Produktionsfirma in Hannover angestellt. Meine Ausbildung habe ich in Rostock absolviert, wodurch ich das Land und seine Menschen gut kennen lernen konnte.

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Eigentlich nicht. Ich habe mich in Rostock sehr wohl gefühlt, viele nette Menschen kennen gelernt, meine Liebe geheiratet, bin auf den Hund gekommen und letztes Jahr wurde mein Sohn hier geboren.

Wenn man erstmal weg ist, merkt man schnell, was einem alles fehlt. Ich vermisse nicht nur unsere Freunde, die gute Luft und das Meer vor der Tür. In einer Stadt wie Rostock ist alles etwas gebündelter. In der KTV 1 z.B. kommt viel Kreativität zusammen, am Stadthafen die Partys.
In einer großen Stadt wie Hannover muss man größere Distanzen überwinden, um etwas zu finden, was einem gefällt. Daran muss ich mich erst gewöhnen.

An einem sonnigen Sommertag …
…haben wir in Rostock Kind und Hund eingepackt und sind einfach ein paar Kilometer raus gefahren. Norden - Süden, Links - Rechts, Müritz oder Darß ist eigentlich egal. In Mecklenburg gibt es viele schöne Plätze, die nur darauf warten erkundet zu werden. Für Naturfreunde genau das Richtige.

Mecklenburg-Vorpommern - © Kai Küken

Auf dem Darß - © Kai Küken

An einem verschneiten Wintertag …
… freut sich der Hund über das Toben durch den Schnee. Gerne auch am Strand. Die Ostsee ist nämlich zu jeder Jahreszeit und Wetterlage einen Ausflug wert.

© Kai Küken

© Kai Küken

Gut essen …
Grillen am Strand ist ein klasse Erlebnis. Wenn die Sonne im Meer versinkt, schmeckt die Wurst gleich doppelt so gut.

Wer auf indisches Essen steht, sollte sich das »Arjun« am Brink nicht entgehen lassen. Auch die Wismarsche Straße ist mit »Holy Pizza« und dem »Kumpir Haus« einen Besuch wert.

Natürlich darf man sich bei einem Besuch in Warnemünde auch das typische Fischbrötchen, zum Beispiel von Backfisch Udo, nicht entgehen lassen.

Alter Strom in Warnemünde - © Kai Küken

Westmole Warnemünde - © Kai Küken

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
Wer etwas erleben will, sollte einmal beim Eastcoastrun vom zuparken Festival mitfahren. Das ist eine Gaudi. Mit dem VWBus durch die Rostocker Innenstadt bis nach Kägsdorf und dort dann drei Tage lang Strand, Surfen, Musik und im Bulli schlafen. Sehr erholsam das Ganze.

Genauso wie das Immergut in Neustrelitz. Ein schönes, kleines Festival mit gut ausgesuchten Bands.

Wenn keine Festivals anstehen, lohnt sich ein Besuch im Heimatmuseum in Warnemünde. Hier gibt es Eindrücke vom Leben des Fischerdorfes vor Gosch 2 und den ganzen Touristen.

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
Rostock sollte durch die ganzen neuen Bauprojekte nicht zu einer Einheitsmetropole verkommen. Ich würde mir auch sofort die alten Wahrzeichen, wie die Georg Büchner 3 oder den Hansa Filmpalast zurück wünschen.

Für Mecklenburg-Vorpommern würde ich mir mehr Möglichkeiten und Chancen für junge Menschen wünschen. Es ist schade, dass so viele aus beruflichen Gründen das Land und ihre Heimat verlassen müssen.

Die Einheimischen …
…sind alle furchtbar nett, gar nicht so »norddeutsch verschlossen« wie man immer denkt und stellen viel auf die Beine.
Hier in Hannover vermissen wir Aktionen wie »Ponyhof«, »Rock the Ramp«, »Monsterpeng Party« oder »KTVlenzen«.

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
…sind erstmal erstaunt wie direkt und ehrlich die Leute sind - für manche ist das ungewöhnlich.
Ich persönlich habe mich damals sehr schnell hier eingelebt und habe in Rostock meine neue Heimat gefunden. Irgendwann kommen wir sicher zurück.

Wenn ich alt werde …
…möchte ich wieder in Mecklenburg-Vorpommern leben.
Vielleicht sitze ich dann mit meiner Liebe auf der Ulmenbank und gucke den jungen Hipstern zu.

Ein Tipp …
Auf jeden Fall sollte man Standuppaddeln auf der Warnow ausprobieren und sich in die Schlange vor der »Eisscholle« einreihen, um das leckerste Eis überhaupt zu futtern.

Standup Paddeln - © Kai Küken

Wer auf Kreatives und Selbstgemachtes steht, kommt an Nähmarie nicht vorbei. Ihr Laden in der Niklotstraße in Rostock ist ein wahres Kleinod an schönen DIY Dingen.

Ein Wunsch für Mecklenburg-Vorpommern …
Ich wünsche mir, dass junge Leute in ihrer Heimat bleiben und mehr Mut aufbringen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Ich habe das leider erst zu spät begriffen.

Außerdem sollte Rostock nicht durch futuristische Bauvorhaben verschandelt werden. Die Stadt hat so viele, wertvolle historische Ecken, die keinesfalls durch zu moderne Konsumarchitektur verdrängt werden dürfen.

Ein sehr persönlicher Wunsch wäre, dass Paul Kamp endlich ein Album veröffentlicht. Seine Musik spiegelt für mich einen Großteil des Lebensgefühls in Rostock wider.

Ostseestrand in MV - © Kai Küken

Mecklenburg-Vorpommern hol mich zurück…!

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Danke Dir sehr Kai, dass Du zum Interview bereit warst, obwohl es sicher die Heimwehwunden nach Mecklenburg-Vorpommern und besonders Rostock wieder ein bisschen aufgerissen hat. Ich wünsche Dir und Deinen Lieben, dass Ihr nicht zu lange warten müsst, bis Ihr wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurückkehren könnt!

Alle Fotos und natürlich auch die Videos in diesem Interview sind von Kai höchstselbst!
Mehr von Kai findet ihr z.B. hier, hier und hier.

1KTV ist die Abkürzung für die »Kröpeliner-Tor-Vorstadt«, einem Stadtteil von Rostock
2Gosch ist eine Sylter Fischrestaurantkette, die 2009 auch in Warnemünde eines ihrer Restaurants eröffnet hat
3Die »Georg Büchner« war ein unter Denkmalschutz stehendes Schiff, das bis Ende Mai 2013 im Rostocker Stadthafen lag und als Jugendherberge und Hotelschiff genutzt wurde. Leider musste sie verkauft werden, verließ am 28. Mai 2013 den Hafen und sank zwei Tage später am 30. Mai 2013 nördlich der Halbinsel Hel und westlich von Danzig in der Ostsee. Mehr Informationen zum Schiff

Alle bisherigen und zukünftige Interviews

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© Christoph Trabert

Name …
Teresa Trabert. Teresa, ohne h – und ja, das ist wichtig!

Geboren in …
… einer ganz anderen Ecke Deutschlands, im kleinen bescheidenen Saarland. Seit ich 2008 dort weggezogen bin und auch Familie und Freunde nicht mehr dort leben, habe ich keinen wirklichen Bezug mehr und keinen Anreiz dorthin zurück zu gehen. Etwas schade daran finde ich, dass ich keinen wirklichen Heimatbezug empfinde – gerade, weil ich diesen hier in Mecklenburg-Vorpommern sehr stark unter den Menschen spüre.

Nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen …
bin ich im Januar 2013, nachdem ich im November 2012 aus dem warmen Kalifornien zurückgekommen bin. Zwar war der letzte Winter sehr kalt und das Ganze ein kleiner Schock, trotzdem habe ich mich sofort sehr wohl hier gefühlt. Ich habe gleich tolle Menschen kennengelernt und die Region lieben gelernt.

Heute lebe ich in …
Rostock. Eine Stadt, die man gerade in Westdeutschland viel zu wenig auf dem Schirm hat. Man hat entweder irgendwelche Vorurteile der Gegend gegenüber oder man assoziiert so gar nichts damit. Das ist schade, ist es doch eine so wunderschöne und so vielseitige Gegend.

Meinen Lebensunterhalt …
verdiene ich momentan beim Kreativsaison e.V. Eine Initiative, die den Kreativtourismus im Land entwickelt und kultur- und kreativwirtschaftliche Akteure, touristische Leistungsträger, Gemeindevertreter, Politiker, Bürger und Visionäre miteinander vernetzen und die Vielfalt und Potentiale des Landes nach außen tragen möchte. Dafür organisieren wir den monatlich stattfinden Kreativstammtisch, immer an welchselnden Orten, v. a. aber im ländlichen Raum. Das ist eine schöne genreübergreifende Plattform zum Vernetzen und Kontakte knüpfen.

Außerdem haben wir gerade zum zweiten Mal die Bloggerreise #balticdiscovery organisiert, bei der junge und internationale Reiseblogger und JungjournalistInnen MV in einer Woche in einem ganz abwechslungsreichen Programm entdecken, Menschen der Region treffen, kreativ tätig werden und anschließend über die Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Hier kann man ein kleines Video von dem Projekt sehen, das tolle junge Filmemacher (RABAUKE Filmproduktion) gedreht haben.

Die Arbeit ist toll, weil sie so abwechslungsreich ist, man immer in Kontakt mit interessanten Persönlichkeiten kommt und man bei der Entwicklung des Landes nicht nur zusehen, sondern mit anpacken kann.

Über den Dächern von Bad Kleinen z.B. fand das Willkommensdinner der Bloggerreise hoch oben auf dem Silo statt, aus dem der ehemalige Bürgermeister Hans Kreher einen kreativwirtschaftlichen Standort entwickeln möchte.

© Christoph TrabertV.l.n.r. Aloys Beenke von Bad Kleinen TV, Friederike Franze von www.freiseindesign.com und Vreni Frost von www.nevereverever.me

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Ich bin ein sehr reiselustiger Mensch, habe bereits an verschiedenen Orten gelebt und kann noch nicht richtig still sitzen. Das heißt also, dass MV zwar einen großen Platz in meinem Herzen eingenommen hat, dass ich aber auch noch einmal weiterziehen möchte - um dann in einer gewissen Zeit höchst wahrscheinlich wieder zurückzukehren. Ich arbeite sehr projektbezogen, sehe mich also durchaus auch aus der Ferne noch hier tätig sein. Dafür liegt mir Mecklenburg-Vorpommern und dessen Entwicklung wie gesagt zu sehr am Herzen.

An einem sonnigen Sommertag …
(ich gehe mal von Freizeit aus…) bin ich natürlich gerne an der Ostsee. An kleinen versteckten Stränden. Aber ich laufe auch super gerne einfach durch den Rostocker Barnstorfer Weg, was für mich ein Weilchen dauert. Hier ein Schnack, da ein bisschen stöbern und Sektchen trinken und am nächsten Eck gleich wieder eine bekannte Person treffen. Das ist das schöne an Rostock, man lebt nicht so anonym und trifft immer Leute. Abends hänge ich dann am liebsten am Hafen oder auf dem eigenen Dach mit bestem Ausblick über den Doberaner Platz ab.

An einem verschneiten Wintertag …
(auch hier gehe ich von Freizeit aus) lunger ich erst einmal zuhause rum, lese, höre Musik, esse. Dann ziehe ich mich warm an, mache mit Kamera einen Schneespaziergang und esse köstlichen Mississippi Mud Pie im »Café A Rebours« in der östlichen Altstadt. Nur zu empfehlen und ein echter Geheimtipp. Danach geht’s wieder unter die warme Decke und ich gucke mir einen Film an. Alleine oder mit den besten Freunden.

© Christoph Trabert

Gut essen …
kann man bei all unseren »Zu Tisch in MV«-Kandidaten!

© Christoph Trabert

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
gibt es hier zuhauf. Menschen sagen, in MV sei nichts los, das ist mal absoluter Quatsch. Ständig sind kleine schöne Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, tolle Ausstellungen, Festivals und so weiter und so fort. Manchmal muss man sich eben etwas besser erkundigen. Okay, ein wirklich gutes Portal, dass das Angebot sammelt, gibt es wirklich nicht. Daher versuchen wir auf unsere Facebook Seite und unserem Blog ein wenig darauf aufmerksam zu machen und die verschiedenen kulturellen Highlights anzukündigen und darüber zu berichten.

© Carsten Gramatzki

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
wäre das vermutlich keine konkrete Sache vor Ort, sondern eher die Wahrnehmung der Menschen von außerhalb. Wie oft hatte ich Besuch und habe komplett überraschte Gesichter gesehen, weil man sich nicht vorgestellt hatte, dass MV so schön sei. Dass Rostock so schön ist und so viel zu bieten hat. Ja, an der Wahrnehmung hapert es noch. Auf Themen wie Kulturpolitik, Mangel an jungen Arbeitskräften und all so ‘ne Faxen komme ich jetzt mal nicht zu sprechen – da wissen wir alle, dass es einiges zu tun gibt.

Die Einheimischen …
Man sagt, sie haben eine harte Schale, wenn die aber erst einmal geknackt ist, dann sind es Freunde für’s Leben. Ich habe wunderbare Menschen hier kennengelernt und allein deswegen bin ich dankbar hierher gekommen zu sein.

© Christoph Trabert

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
möchten oft aufgrund des »Luxusfaktors Ostsee« nicht mehr hier weg. Verständlich. Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Aber man darf nicht vergessen, dass MV noch viel viel mehr zu bieten hat als schöne Strände. Hier steckt so viel kreatives Potential, hier leben so herzliche und interessante Persönlichkeiten, hier gibt es auch im Innenland die tollsten Dinge zu entdecken und erleben.

Wenn ich alt werde …
bekoche ich meine Enkelkinder, die mir währenddessen voller Begeisterung von ihrer aktuellen Theateraufführung erzählen. Abends bekommen wir gerne Besuch, essen mit Freunden zusammen auf der Terrasse, trinken Weinchen und lachen über das Leben.

Ein Tipp …
Mein Tipp ist der: kommt mich in MV besuchen, überzeugt Euch von der Schönheit und Vielfältigkeit des Landes. Und wenn ihr dann hier seid, nehmt gerne Kontakt mit mir oder jemand anderem vom Team der Kreativsaison auf und wir geben Euch zahlreiche Tipps - von Unternehmungungsmöglichkeiten, dem besten Kuchen, von Veranstaltungen und tollen Künstlerorten, von den schönsten Stränden und kleinen Szeneläden.

Ein Wunsch …
Mein Wunsch ist der, dass MV bleibt wie es ist und stetig seinen Gang geht. Es mag sein, dass hier alles fünf Jahre länger dauert, aber es geht voran. Erst neulich habe ich mich mit einem Wiener Schauspieler unterhalten und er sagte: »Ich spüre, dass Rostock eine Perle ist. Hier blüht etwas und es braucht noch ein paar Jahre. Aber wenn es dann soweit ist, dann wird die Stadt boomen«. Ich wünsche mir also, dass dieser »Boom« nachhaltig und im Einvernehmen mit den vor Ort lebenden Menschen geschieht. Der »Boom« soll sich nicht abschreckend auf die auswirken, die die Ruhe hier zu schätzen wissen.

© Christoph Trabert

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Liebe Teresa, auch Dir herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen und uns davon erzählt hast, mit welch unterschiedlichen Projekten und Ideen Du, bzw. das Team von Kreativsaison versucht, Menschen aus anderen Teilen Deutschlands und darüber hinaus, Mecklenburg-Vorpommern näherzubringen und für das Land zu gewinnen. Man spürt Dir Deinen Enthusiasmus und Deine Liebe zu Land und Leuten ab und ich wünsche Dir bzw. Euch, dass Eure Bemühungen auch weiterhin erfolgreich sind und Ihr, die Gäste und das Land selbst davon in guter Weise profitieren können.

Die Fotos zum Interview stammen von Teresas Bruder, Christoph Trabert, der ja hier auch schon Rede und Antwort gestanden hat. Das Foto Nr. 5 (von den Festivalbesuchern) stammt von Carsten Gramatzki.

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