October swim - © secretcities

October swim - @secretcities

© meermusik

@meermusik

© gaempa

@gaempa

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@juliegeb

Zunächst meine Instagram-Favoriten der Woche. Hier bei uns war diese Woche überwiegend grau, nebelig und regnerisch. Ich selbst bin nicht zum Fotografieren gekommen. Dafür gab es manches andere Unerwartete, was die Wochenplanung und mich selbst ordentlich durcheinander gebracht hat.

Gelesen habe ich u.a. den Artikel »Adamas lange Reise« (leider nur noch per Online-Abo zu lesen)

Dann »The Art of Slowing Down in a Museum« wo dafür plädiert wird, nicht einfach nur durch ein Museum zu laufen, sondern stattdessen bspw. 30 Minuten durch das jeweilige Museum zu laufen und die Gemälde dort nur mit den Augen zu scannen und sich dann ein Gemälde auszuwählen, das man sich dann 20 bis 30 Minuten tatsächich gründlich anschaut und auf sich wirken lässt. Gar nicht so einfach wie man meinen möchte, zumal es inzwischen nicht wenige berühmte und damit auch überlaufene Museen gibt, wo man als Besucher nur noch im Eilschritt durchgeführt wird, damit die nächsten Besucher ins Museum hinein können.

Gesehen habe ich natürlich den grandiosen Tatort mit Ulrich Tukur und Ulrich Matthes am Sonntag sowie die kurzen Videos von »Meine DDR. Geschichten aus einem verschwundenen Land«

Und dann bin ich noch auf die kleine aber feine Textil-Kunst der Neuseeländerin Jane Denton gestoßen

© Jane Denton

© Jane Denton

Das soll es für diese Woche gewesen sein mit den Findlingen. Wünsche Euch allen ein freudenreiches Wochenende, egal wie das Wetter ausfallen wird und natürlich eine gute neue Woche!

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Westray, Orkney Islands - © _jackshearer

Westray, Orkney Islands - @_jackshearer

Keep your head up - © lou_louu

@lou_louu

© ophelie_

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© dieseensucht

@dieseensucht

© thomas_perspective

@thomas_perspective

Einige meiner Instagram-Favoriten aus der vergangenen Woche auch für Euch zum Pläsier.

Die Norweger wollen neue Geldscheine haben. Dafür wurde ein Design-Wettbewerb ausgerufen. Jetzt hat sich die Norwegische Notenbank entschieden zwei der Wettbewerbsbeiträge zu kombinieren. Für die Vorderseite der neuen Banknoten zeichnet The Metric System verantwortlich, für die Rückseite der Banknoten, die grobpixelige Grafiken zeigen, Snøhetta Design. Wirklich interessant, finde ich und irgendwie auch typisch Norwegen. Traditionelles (Meer, Schiffahrt, Fischfang) wird kombiniert mit Modernem, eben dem Pixel-Look. 2017 sollen die neuen norwegischen Banknoten dann in Umlauf kommen. Übrigens war es auch das erste Mal, dass man Künstler und Designer für die Entwicklung neuer Banknoten hinzugezogen hat. Das Ergebnis kann sich durchaus blicken lassen.

In irgendeinem Beitrag zum Gastland Finnland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse habe ich was gehört, was ich bisher noch nicht wusste, aber total toll finde. Finnland hat in seinen Reisepässen auf den Seiten, auf die die Visastempel kommen einen Elch, der sich bewegt, wenn man die Seiten schnell umblättert, also ein kleines »Daumenkino«. Wie cool ist das denn?

Was gab’s sonst noch? Mein inzwischen zweiter Infekt ist hinterlistig. Tut so, als ob er auf dem Rückzug oder so gut wie weg wäre, aber tatsächlich lungert er noch immer hier rum und bringt sich immer mal wieder unerwartet und unangenehm in Erinnerung. Gefällt mir gar nicht. Damit verbunden ist auch eine unfassbare Schlappheit. Nervt! Kann weg! Jetzt!

Ich rege mich mit schöner Regelmäßigkeit weiter über den Umgang mit Flüchtlingen auf und ärgere mich über die eigene weitgehende Ohnmacht dabei. Ab 13. Oktober beginnt eine europaweite Polizeiaktion gegen illegalen Flüchtlinge und Menschen ohne Papiere in der EU, die bis zum 26. Oktober gehen soll. Die Aktion trägt den Namen »Mos maiorum«, bezeichnend, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Ist schon interessant, dass die EU so eine Aktion problemlos organisiert und länderübergreifend auf die Beine gestellt bekommt, aber angeblich nicht in der Lage ist, mit Lösungen für die unfassbaren Umstände rund um die Flüchtlinge aufzuwarten. Ich hätte nicht übel Lust, meine eigenen Papier wegzuwerfen. Wenn das alle oder wenigstens viele täten, wäre das vielleicht schon mal ein guter Anfang und ein Zeichen der Solidarität. Ist natürlich von den braven und bürokratiehörigen Deutschen eher nicht zu erwarten.

Im November muss ich eine Rede halten. »Du bist doch so eloquent!« »Nein, bin ich eben nicht!« »Doch, bist Du!« So etwas passiert, wenn sich jemand ein eigenes Bild von einem gemacht hat und alles andere konsequent oder besser gnadenlos ausblendet. Ich kann vielleicht recht gut mit Worten umgehen, aber ich mag es trotzdem nicht, sowas vor einer größeren Anzahl von Menschen tun zu müssen! Ich habe versucht mich dagegen zu wehren aber leider erfolglos. Jetzt sitze ich hier und versuche, mir eine solche Rede aus den Rippen bzw. dem Kopf zu leiern. Ein Erstentwurf steht inzwischen aber ich bin nicht wirklich glücklich damit. Und ich muss mich so zwingen, mich wieder daran zu machen. Ich werde so so froh sein, wenn ich diesen Termin und vor allem die Rede hinter mich gebracht habe.

Die Woche war dann auch bei mir recht literaturlastig. Dass Lutz Seiler für seinen Roman »Kruso«, der auf Hiddensee spielt, den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, freut mich persönlich sehr.

Der Nobelpreis für Literatur 2014 ist vergeben. Diesmal an den Franzosen Patrick Modiano. Ich amüsierte mich teilweise über die Beschreibung des Menschen Modiano durch den Literaturkritiker Andreas Isenschmid, der u.a. sagte: »Er ist von legendärer Unbeholfenheit«. Nicht das Schlechteste, was man über einen Menschen sagen kann, finde ich. Gerade in unserer heutigen Zeit, wo alles so auf »Perfektion« ausgelegt ist. (Quelle)

Ich habe selber von Modiano noch nichts gelesen. Französische Literatur ist ja in Deutschland eher rar. Das Werke von Modiano auch in deutscher Sprache vorliegen, verdanken wir übrigens ausgerechnet dem von vielen so verachteten Peter Handke, der als erster 1985 den Roman »Une jeunesse« (»Eine Jugend«) übersetzte und Modiano so auch den deutschen Lesern nahebrachte. Ich möchte auf jeden Fall in absehbarer Zeit etwas von Patrick Modiano lesen. Vielleicht »Im Cafe der verlorenen Jugend«, das auch als ebook vorliegt, wie mich @Buddenbohm auf Twitter wissen ließ.

Und dann ist Siegfried Lenz Anfang der Woche verstorben. In einem der zahlreichen Nachrufe wurden dann seine Essays erwähnt, unter anderem sein Essay über den Schmerz. Den würde ich mir gerne auch mal an Land ziehen und lesen.

Gelesen habe ich diese Woche u.a. diesen längeren aber sehr interessanten und auch ziemlich wahren Artikel über »Egoistische Zweisamkeit: Ersatzreligion Liebe« Ich hätte gerne einen »Salon« nach dem Vorbild Literarischer Salons, in dem man in gemütlicher Runde, interessante Artikel miteinander diskutieren kann. Dieser Artikel wäre schon mal ein guter Kandidat als Diskussionsgrundlage. Habt Ihr den Artikel gelesen und wenn ja, was denkt Ihr dazu? Mich hat er jedenfalls gedanklich diese Woche ziemlich beschäftigt.

Seit letzter Woche läuft die zweite Staffel der Serie »Dein Wille geschehe«. Sie besteht wieder aus 8 Episoden, die jeweils im Doppelpack Donnerstags auf ARTE gezeigt werden. Die Hälfte der zweiten Staffel ist bereits gelaufen und ich bin einmal mehr ziemlich beeindruckt. Die Idee zur Serie hatte Produzent Bruno Nahon schon 2007. In der Serie geht es um junge Priesteramtsanwärter bzw. Seminaristen des Pariser Kapuzinerklosters. Ich finde es erstaunlich, dass jemand so ein tolles Drehbuch rund um diese Thematik schreibt, diese dann tatsächlich verfilmt und im Fernsehen gezeigt wird. Die Serie ist unglaublich komplex und tiefsinnig und mit Sicherheit eine der besten Serien, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe. Guckt die zufällig auch jemand von Euch und wenn ja, wie gefällt sie Euch? Die gestrigen beiden Folgen können natürlich wie immer bei ARTE in der Mediathek nachgeguckt werden. Allerdings baut die zweite Staffel auf der ersten auf, und eigentlich sollte man die erste Staffel gesehen haben, um vieles in der zweiten Staffel einordnen und verstehen zu können.

Ansonsten habe ich mich mit einem kleinen schwarz-weißen Jungkater angefreundet, der mich erst nachts gegen 23 Uhr mächtig mit seinem Rascheln im Gebüsch erschreckte und sich dann heftigst an mein Bein warf und mich schier nicht mehr ins Haus lassen wollte, also zumindest nicht ohne ihn. Äußerst agil und wendig versuchte er mit mir durch die Terrassentür ins Haus zu gelangen. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als ums Haus zu laufen und durch die Eingangstür hineinzugehen, um anschließend die Terrassentür von innen zu schließen. Fand der kleine Kuhkater weniger nett von mir, aber leider ging das nicht anders. Nach vergeblichen Versuchen, mich mit entsprechenden Blicken und Miauen durch die Fensterscheibe doch noch zu überreden trollte er sich schließlich doch davon.

Tja, das war dann in Auszügen, was mich diese Woche so beschäftigt hat. Habt ein schönes Wochenende!

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© jensoncom

@jesoncom

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@jesoncom

© anineheitun

@anineheitun

Misty Morning - © Robert Hellström

@_rhp_

Ein kleiner Schwung neuer Findlinge. Diesmal meine Top-Favoriten der Woche bei Instagram.

Abgesehen davon, habe ich die Woche hauptsächlich damit verbracht, einen neuen Infekt zu bekämpfen. Nachdem sich der Sommer erst kürzlich mit einem Infekt bei mir verabschiedet hatte, hat mir der Herbst als Gastgeschenk auch einen Infekt mitgebracht. *duh* Obendrein habe ich es dann geschafft, mir durch einen überfallartigen Hustenanfall in gerade ungünstiger Haltung auch noch einen Hexenschuß einzufangen. Ich hoffe, das geht nicht in dem Takt so weiter!

»Nein« sagen, fällt ja vielen nicht so leicht. Schon gar nicht, wenn man von anderen um Hilfe oder Unterstützung gebeten wird. Und je näher diejenigen einem stehen, desto schwieriger wird’s. Alexandra Franzen erklärt, wie man freundlich und geschickt »Nein« sagt. »How to Graciously Say No to Anyone«

Den neuen Petzold-Film »Phoenix« würde ich sehr gerne im Kino sehen. Allein das bisschen, das ich im Trailer gesehen habe, war absolut packend und berührend. Außerdem spielt da Ronald Zehrfeld wieder mit, den ich als Schauspieler sehr mag.

Und diesen Film ebenfalls!

Gibt’s einen Kinofilm, auf den Ihr Euch schon freut und den Ihr unbedingt in der nächsten Zeit sehen wollt? Geht Ihr überhaupt noch ins Kino?

Gedanklich ziemlich beschäftigt hat mich dieser kurze Beitrag, der Gewalt gegen Muslime in Deutschland thematisiert. Oder wusstet Ihr, dass die Übergriffe auf deutsche Moscheen in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind? Waren es von 2001 bis 2011 noch im Schnitt 22 Anschläge pro Jahr, gab es 2012 und 2013 schon 35 beziehungsweise 36 Anschläge. Im Juni veröffentlichte die Bundesregierung eine aktuelle Auflistung aller Übergriffe gegen muslimische Gotteshäuser, von Schmierereien über Drohungen bis hin zu Brandstiftung. Insgesamt 78 solcher Fälle gab es zwischen Januar 2012 und Frühjahr 2014 demnach. Und alleine von Mitte August bis Mitte September gab es fünf neue Anschläge. Neben Berlin und Bielefeld in Oldenburg und Mölln.

Übrigens, im Vorfeld zum bundesweiten Aktionstag der Muslime und Juden kürzlich erklärte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime: »Ich bin Jude, wenn Synagogen brennen. Ich bin Christ, wenn Christen verfolgt werden. Und ich bin Moslem, wenn eine Moschee beschädigt wird.«

Ach ja und dann hatte ich hier noch einen interessanten Artikel über Stadt, Land, Fluss Provinz, Land gelesen mit anschließender Diskussion.

Abgesehen von all dem und noch viel mehr, »verzweifle« ich im Moment etwas daran, dass ich hier Bücher rumfliegen habe, die ich unbedingt lesen möchte, aber ich komme kaum mal dazu. Wenn ich daran denke, dass früher wirklich kaum ein Tag verging, an dem ich nicht ein Buch in der Hand gehalten und mindestens eine Stunde darin gelesen habe und mir das heute anschaue … zum Gruseln, sag ich Euch, zum Gruseln! A propos lesen: Welches Buch lest Ihr denn gerade. Und gefällt es Euch? Irgendwelche Neuerscheinungen, die Ihr kaum erwarten könnt? Lasst mal hören!

Ansonsten sind die Schwalben jetzt wirklich alle weg Richtung Süden, dafür sammeln sich in großen Mengen die Kraniche, bevor sie dann in ein paar Wochen auch in den Süden aufbrechen. Morgens und Abends ist die Luft voll mit ihren charakteristischen Rufen. Ach ja, einen erstaunlich großen, wunderschönen Fuchs hab ich heute morgen auch noch gesehen.

Jetzt gehabt Euch wohl, macht das für Euch Beste aus dem Wochenende.

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Pia Ziefle - Länger als sonst ist nicht für immerIhr kennt das? Ihr lest einen Roman, der Euch packt, also so richtig packt. Plötzlich seid Ihr auf der letzten Seite angelangt und könnt es kaum glauben, dass die Geschichte zuende ist. Ihr schlagt den hinteren Buchdeckel zu, und dann ist sie da, diese Gefühlsmischung aus Dankbarkeit, Freude und Traurigkeit und Bedauern. Es ist ein bittersüßes Gefühl und wenn es sich einstellt, dann weiß man, man hat etwas Besonderes gelesen, etwas das das eigene Leben bereichert hat und einen nie wieder so ganz verlassen wird. Man weiß, das Figuren aus diesem Buch einen von nun an begleiten werden, dass man ihre Namen nicht wieder vergessen wird und auch nicht ihre Geschichte oder wenigstens Teile davon. Das kommt nicht oft vor aber manchmal. Mit Pia Ziefles neuem Roman »Länger als sonst ist nicht für immer« ist es mir gerade so ergangen. Aber fangen wir von vorne an!

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das erste Mal auf Pia Ziefle aufmerksam wurde. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich einen Artikel über sie oder ein Interview mit ihr gelesen habe. Ich wurde in dem Moment richtig hellhörig, als ich den Namen ihres Wohnortes las. Das war nämlich mein damaliger Nachbarort. Schade, dass wir uns in all den Jahren nie persönlich über den Weg gelaufen sind! Jedenfalls meine Aufmerksamkeit war geweckt, und je mehr ich in diesem Artikel/Interview las, desto interessierter wurde ich. Sie hatte damals gerade ihren Debüt-Roman »Suna« veröffentlicht.

Ich las in eine Leseprobe von »Suna« hinein und beschloß mehr davon lesen zu wollen. Das Hauptthema, die Geschichte, es gab biographische Parallelitäten. Kleine zwar nur, aber doch genug, dass ich mehr wissen wollte. Es dauerte noch eine Weile aber schließlich hielt ich Pias Debüt-Roman in Händen und fing an zu lesen über »Suna« und die mit ihr verbundene Geschichte. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto gepackter las ich. Als ich schließlich die letzte Seite umblätterte, war mein Leben um eine tolle berührende Geschichte reicher. Gedanklich hat mich »Suna« seither weiter beschäftigt. Immer mal wieder kommen mir Sätze, Absätze und Fragestellungen aus dem Roman in den Sinn. Offenbar ging es nicht nur mir so mit ihrem Debüt. Der Roman wurde sehr erfolgreich und hielt sich lange an der Spitze von Bestsellerlisten. Ich selbst habe »Suna« mehrfach weitergereicht und verschenkt, und damit bin ich für gewöhnlich eher zurückhaltend.

Bald nach dieser Lektüre folgte ich Pia bei Twitter, und so bekam ich recht frühzeitig mit, dass Sie angefangen hatte, einen zweiten Roman zu schreiben. Spannend fand ich das. Es ist ja immer spannend, was nach einem Debüt folgt, erst recht nach einem erfolgreich verlaufenen Debüt.

Irgendwann erfuhren wir, dass der Titel des neuen Romans »Länger als sonst ist nicht für immer« sein würde. Wenig später dann, wie das Cover des Romans aussehen würde. Dann wurden auf diversen Plattformen Exemplare des neuen Romans verlost. Das Losglück ist mir in meinem Leben noch nie treu gewesen. Ich versuchte es erst gar nicht, auf diesem Wege an den Roman zu kommen. Ich war fest entschlossen, mir den Roman zu kaufen, sobald er im Handel sein würde. Der Veröffentlichungstermin rückte immer näher.

Dann vor drei Wochen traf hier ein Päckchen ein. Absender: Pia Ziefle! Pia hatte mir ihren neuen Roman als Geschenk zugeschickt, liebevoll mit einem Stückchen selbstgebackenen Kuchens und einigen persönlichen Worten ergänzt. Ich freute mich sehr über diese großzügige Gabe und darauf zu lesen, woran sie so viele Monate hart gearbeitet hatte, wie ich als Leserin ihres Twitter-Accounts bezeugen konnte. Ein bisschen Angst rührte sich allerdings auch in mir. Was, wenn mich ihr zweiter Roman nicht so überzeugen konnte wie »Suna«? Was, wenn der neue Roman deutlich hinter dem Debüt zurückblieb oder mir aus welchen Gründen auch immer gar nicht so gefallen würde? Ich schob die Befürchtungen beiseite und begann zu lesen.

Schon nach wenigen Seiten war ich gefesselt von dem, was ich da las. Pia Ziefle hat die Gabe mit wenigen Worten ein ganzes kleines Universum zu eröffnen. Mit ihrer genauen Beobachtungsgabe, mit der Schilderung kleiner aber entscheidender Details webt sie Lebensgeschichten, greift existentielle Fragen auf, rührt wunde Lebenspunkte an und verbindet verletzte Seelen ohne dabei jemals in Kitsch oder gar schwülstige Romantik abzugleiten.

Es sind nur wenige Menschen, um die sich der Roman dreht. Die Hauptfiguren sind Fido, Ira und Lew, dazu kommen noch einige weitere wichtige Figuren Tadija, Fidos Großvater, Evi, in deren kleinen Bäckerei sich die Hauptfiguren alle irgendwann einfinden, die einen früher, die anderen später, Hanno, der sich Lews annimmt, John, Iras kleiner Sohn, Cornelius, Iras Vater.
Sie alle sind entwurzelte und suchende Menschen, Menschen die sich ihrer Identität oder Geschichte nicht sicher sind, Menschen, die Schuld auf sich geladen haben und auf Verständnis und/oder Vergebung hoffen, Menschen, die Geheimnisse mit sich tragen, die auf ihnen und ihren Kindern lasten.

Es ist ein Roman, in dem man versinkt. Man möchte Teil dieser kleinen verschworenen und auf seltsamen Pfaden verbundenen Gemeinschaft werden. Es rührt an, zu sehen wie sie in all ihrer Verletztheit und Unsicherheit versuchen einander zu stützen, zu helfen und zu einem erträglichen Leben und Sterben zu verhelfen. Sie haben den Drang festzuhalten, wen sie lieben und wessen sie sich gewiss sind und müssen doch lernen loszulassen. Sie haben gemeinsame und einsame Träume, die sie teilen oder in sich verschließen, und von denen sie lernen müssen, dass das Leben meist nicht viel Rücksicht nimmt auf menschliche Träume.

Das Leben führt sie auf unterschiedliche Pfade und kreuzt und trennt ihre Wege. Sie müssen lernen das Leben zu akzeptieren wie es ist und sich dabei nicht verbittert zurückzuziehen, sondern sich darauf einzulassen und dann das Beste daraus zu machen. Was zählt ist ihre Zuneigung und Liebe zueinander, die stärker sind als Träume, stärker als ihr Bedürfnis festzuhalten, stärker als Schuld, die sie mit sich tragen oder die andere tragen, stärker als Geheimnisse und das Bedürfnis, diese bis ins Letzte aufzudecken oder für immer mit sich zu tragen. Das klingt jetzt vielleicht doch nach Kitsch oder Romantik aber tatsächlich ist es weit davon entfernt.

Ira, Fido und Lew lernen und erkennen, dass das Leben ihnen Fragen stellt, denen sie nicht ausweichen können oder dürfen, wenn sie aufrecht und selbstbestimmt leben wollen. Sie müssen sich schmerzhaften Erlebnissen und Vorkommnissen stellen, müssen kaum sichtbaren Spuren folgen, sich ihrer Herkunft und Familiengeschichte stellen, um frei zu werden wirklich zu lieben, zu leben und ihren Träumen folgen zu können.

Mir sind Ira, Fido, Lew, Evi, Tadija und all die anderen Figuren aus dem Roman sehr ans Herz gewachsen. Pia Ziefle schildert sie alle so liebevoll und freundlich, nicht beschönigend sondern voller Menschlichkeit, Verständnis und Mitgefühl. Sie werden mir in Erinnerung bleiben, und die Fragen, die der Roman für mich bereithielt, werden mich wohl auch noch lange beschäftigen.

»Länger als sonst ist nicht für immer« ist ein wunderbarer, tiefgründiger, berührender Roman, der mir persönlich sogar noch etwas besser gefallen hat als »Suna«. Pia Ziefle hat sich für mich mit ihrem zweiten Roman erneut als eine kluge Beobachterin und großartige Erzählerin mit einem eigenen wiedererkennbaren Stil und Ton erwiesen. Ihr zweites Roman ist nicht einfach nur noch ein Buch mehr in der Flut von Büchern, die heute in den Buchhandlungen anbranden, die gelesen und ebenso schnell vergessen werden.

Freut Euch auf den Herbst, besorgt Euch den Roman und lest ihn selbst. Ihr werdet es nicht bereuen Ira, Fido, Lew und all die anderen kennenzulernen! Eine Empfehlung gebe ich für den Roman auch als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk für liebe Menschen in Eurem Umfeld!

Und Dir, liebe Pia, so Du das hier lesen solltest: Dankeschön für das Geschenk dieses Romans, für die Stunden, Tage, Wochen und Monate die Du mit der Idee, der Geschichte und den Figuren gerungen hast, um sie uns nahezubringen.
Danke auch Deinen Lieben, Freunden und Helfern, die Dir den Raum, die Zeit und nötige Unterstützung gegeben haben, damit Du Deinen zweiten Roman schreiben und veröffentlichen konntest. Ich wünsche Dir, dass Du in jeder Hinsicht erleben darfst, dass sich die Mühe wirklich gelohnt hat!

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