© Gunther Hasler

Ih ih ih ih ih watiwatiwati!
Diwati quoi quoi quoi quoi quoi qui
Ita lülülülülülülülülülü watiwatiwatih!
Ihih titagirarrrrrrr itz
Lü lü lü lü lü lü lü watitititit;
Twoi woiwoiwoiwoiwoiwoi ih,
Lülülülülülülü dahidowitz,
Twor twor twor twor twor twor tih!
Dadada jetjetjetjetjetjetjetjetjet,
Tü tü tü tü tü tü tü qui zatnzatnzatnzi;
Iht iht iht iht iht iht zirhading,
I i i i i i i i i a zatn zi,
Rihp rihp rihp rihp rihp rihp rihp rihp rihp ih!
Zezezezezezezezezäzäzäzäzäzäzäzazazazazazazazi,
Ji jih güh güh güh güh güh dadahidowitz.

Rotkehlchengesang nach Johann-Friedrich Naumann

*

In der letzten Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, was es bedeutet, sein Bestes zu geben. Macht das überhaupt Sinn? Was ist mein Bestes? Was, wenn ich gar nicht bereit bin, mein Bestes zu geben? Was bedeutet es, wenn andere von mir erwarten, dass ich mein Bestes gebe? Was, wenn ihnen mein Bestes nicht ausreicht? Was motiviert mich, mein Bestes zu geben? Wie kann ich andere motivieren, ihr Bestes zu geben? Heute teile ich mal mit Euch, was ich bisher dazu herausgefunden habe.

Du kannst nie wirklich wissen, was passieren oder wie etwas enden wird. Wenn Du auf Gewissheiten in dieser Hinsicht wartest, wirst Du nicht voran kommen. Egal worum es geht, es liegt nicht in Deiner Macht zu kontrollieren, was passieren wird, welche Ergebnisse Du erzielen wirst, ob Dein Plan tatsächlich aufgehen wird, ob Du Deine gesetzten Ziele erreichen wirst, ob eine Beziehung sich gut entwickeln wird oder nicht. Alles, was in Deiner Macht liegt, ist dass Du Dein Bestes gibst. Darauf hast Du Einfluß.

Kein anderer Mensch, keine Umstände haben darauf Einfluß. Nur Du. Gibst Du nicht Dein Bestes, egal ob es um große und wichtige oder um kleine und (scheinbar) unwichtige Dinge geht, schenkst Du das einzige her, über das Du wirklich Kontrolle hast.

Es geht nicht darum »perfekt« zu sein. Niemand von uns ist perfekt. Wir sind Menschen und Menschen machen Fehler. Das gehört dazu. Das ist nicht schlimm. Schlimm wird es erst, wenn wir aufhören unser Bestes zu geben. Denn dann wiederholen wir unsere Fehler, statt daraus zu lernen und es deswegen beim nächsten Mal besser zu machen. Nicht perfekt, sondern besser.

Ob Du Dein Bestes gibst, also das was Dir in dem Moment unter den gegebenen Umständen möglich ist, ist ganz allein Deine Entscheidung. Niemand kann Dich zwingen nicht Dein Bestes zu geben, genausowenig, wie Dich jemand zwingen kann Dein Bestes zu geben. Du entscheidest.

Was könnten also Gründe dafür sein, dass Du nicht bereit bist, Dein Bestes zu geben? Dass Dir jemand oder etwas nicht wichtig genug ist. Dass Du gleichgültig und/oder zu bequem bist. Dass Du die Freude, die es Dir selbst bringt, wenn Du Dein Bestes gibst, gar nicht kennst. Dass Dir nicht klar ist, wie sehr es Dein Leben bereichern und verändern kann, wenn Du ernsthaft versuchst immer Dein Bestes zu geben, egal wie die Umstände sind, egal was andere von Dir erwarten oder nicht erwarten.

Nochmal, es geht überhaupt nicht um Perfektionismus. Es geht darum, jederzeit alles zu investieren und zu geben, was Dir in dem Moment möglich ist. Es geht darum, etwas auch dann gründlich zu tun, wenn niemand da ist, der es sieht oder kontrolliert. Es geht darum achtsam und aufmerksam durch den Tag zu gehen. Im jeweiligen Moment ganz konzentriert da zu sein, nicht mit dem Kopf in der Vergangenheit oder Zukunft herumzuspazieren. Hier, jetzt, in diesem Augenblick bist Du mit dem Dir möglichen Besten gefragt.

Wenn Du Dein Dir mögliches Bestes gibst, gibt es auch keine Überforderung. Dann hast Du Dir nichts vorzuwerfen. Wenn andere Dir etwas vorwerfen, kannst Du ruhig und gelassen bleiben, weil Du weißt, Du hast Dein Bestes gegeben und das ist genug. Wenn Dein Bestes jemand anderem andauernd oder häufig nicht reicht, dann seid ihr nicht füreinander gedacht. Dann seid ihr kein gutes Team, keine guten Partner, keine guten Freunde. Das klingt krass? Ja, ist aber wahr.

Unter Umständen musst Du sogar erst einmal herausfinden, was Dein mögliches Bestes jeweils ist. Mit der Zeit wirst Du ein Gespür dafür entwickeln. Aber am Anfang bedeutet es erstmal etwas Arbeit, hinzuschauen, hinzufühlen und hinzuhören, um herauszufinden, was Dein Bestes tatsächlich ist. Es kann sogar sein, dass Du feststellen wirst, das Dein Dir mögliches Bestes in einer bestimmten Situation mehr ist, als Du zunächst gedacht oder vermutet hast. Genauso kann es sein, dass Du feststellst, dass da, wo Du Dich besonders »anstrengst« zwar viel Krampf, Kampf und Stress ist, aber es nicht Dein Bestes ist. Es ist etwas anderes. Vielleicht der Versuch es anderen recht zu machen, die (rücksichtslosen?) Erwartungen anderer zu erfüllen. Dein Dir mögliches Bestes zu geben, kann zwar auch mal anstrengend sein aber es ist eine positive Art von Anstrengung. Nicht die Art von Anstrengung, die Dich dauerhaft schwächt, erschöpft, entmutigt, traurig und müde macht.

Zum »Dein Bestes geben« gehört auch eine große Portion Ehrlichkeit. Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber. Wenn Du Dir selbst (aus welchen Gründen auch immer) in die Tasche lügst, wirst Du am Ende nicht Dein Bestes geben. Versuche mal, Dich nur einen Tag lang bei allem, was Du tust, zu fragen: »Gebe ich jetzt gerade wirklich mein mir mögliches Bestes?« Das ist ein interessanter Test, der überraschende Ergebnisse zutage fördern kann. Ein Test, der Gedankenprozesse in Gang setzen kann, die Dein Leben sehr auf den Kopf stellen könnten.

Dein Dir mögliches Bestes zu geben ist einerseits sehr leicht und andererseits gerade am Anfang gar nicht so einfach. Das ist eine Haltung, eine Art zu leben, die eingeübt werden will, aber es lohnt sich wirklich. Es hilft dazu, sich selbst besser kennen und einschätzen zu lernen. Es hilft dazu, Dir darüber klar zu werden, was Du wirklich willst, wohin Du willst. Wofür Du bereit bist Dein mögliches Bestes zu geben. Die Dinge, für die Du nicht bereit bist, Dein mögliches Bestes zu geben, solltest Du gründlich überdenken. Wenn Du einen Job hast, in dem Du nicht Dein mögliches Bestes gibst, solltest Du ernsthaft erwägen, Dir einen neuen Job zu suchen. In Deinen Beziehungen zu anderen Menschen, in denen Du nicht bereit bist, Dein Dir mögliches Bestes zu geben, solltest Du überlegen, woran das liegt und was passieren müsste, damit Du bereit bist, Dein Dir mögliches Bestes zu geben. Wenn es Dir aussichtslos erscheint, dass das geschieht, überlege Dir, ob Du diese Beziehung wirklich weiter fortsetzen willst. Ich sage nicht, gib sie sofort auf. Ich sage nur, so eine Beziehung ist langfristig nicht gesund und nicht gut für Dich und übrigens auch nicht für Dein Gegenüber. Und manchmal muss man nur den Blickwinkel etwas verändern oder einige Dinge ändern, um eine Beziehung wieder zu einem positiven Teil des Lebens zu machen. Die Frage, bin ich bereit in einer Beziehung mein mir mögliches Bestes zu geben, ehrlich beantwortet, kann einem einen guten Hinweis darauf geben, wie es um eine Beziehung steht, egal ob es nun der eigene Partner, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Kollegen, etc. etc. sind.

Ich habe die Formulierung »Dein DIR MÖGLICHES Bestes« für diese Gedanken verwendet, um deutlich zu machen, dass es nicht um ein fixiertes Bestes geht. Es geht nicht um eine fixe Vorgabe, wie Dein »Bestes« auszusehen hat. Leg Dir also nicht selbst eine Art »Messlatte« hin und verlange nicht von Dir diese Messlatte dauernd zu erreichen bzw. wohlmöglich noch zu überspringen. Das wird nur in Erschöpfung und Enttäuschung enden. Das ist kein Wettbewerb à la höher, schneller, weiter.

Es geht darum, dass Du Dir bewusst bist, was Du jetzt gerade tust, und dass Du es so gut wie Du nur kannst tust. Es bedeutet, dass Du in einer Begegnung mit jemand anderem, wirklich ganz da, ganz anwesend bist und Dein Bestes gibst, egal was das in dem Moment gerade bedeuten mag.

Es bedeutet auch das Ende der Selbstvorwürfe. Wenn Du ehrlich zu Dir selbst sagen kannst, ich habe wirklich mein mir mögliches Bestes in einer bestimmten Situation oder in der Begegnung mit jemand anderem gegeben, dann hast Du Dir nichts vorzuwerfen. Mehr als sein Bestes geben kann niemand! Du hast dann auch eine ganz andere Stellung, wenn andere Dir Vorwürfe machen, weil Du weisst, dass Du Dein Bestes gegeben hast.

Zum Schluß noch ein ganz wichtiger oft übersehender Punkt: Freunde Dich an mit Deinem eigenen Dir möglichen Besten. Sieh es nicht als Deinen Feind oder ein Hindernis an, den bzw. das Du ständig überwinden musst. Damit würdest Du Dich auf längere Sicht hin überfordern. Natürlich kannst Du dazu lernen, Deine Fähigkeiten erweitern, Deine Kondition verbessern, etc. und das wird dann Auswirkungen darauf haben, was Dein mögliches Bestes ist. Du erinnerst Dich, Dein Bestes ist keine fixe Größe! Es kann sein, dass Dein Dir mögliches Bestes heute anders aussieht als gestern und morgen wieder anders. Freunde Dich an mit Deinem eigenen Dir möglichen Besten und tue es nicht einfach selbst als nicht bedeutsam oder nicht ausreichend ab. Lerne es zu schätzen und zu würdigen, egal was andere dazu sagen oder meinen. Wenn Du das lernst und kannst, bist Du viel unabhängiger von den Urteilen anderer und garantiert auch zufriedener mit Dir selbst und Deinem Leben.

*

Für diese Woche sind das die letzte Tagesnotizen. In der kommenden Woche geht es dann weiter mit den Tagesnotizen.

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untitled - © R. Bohnenkamp

Draußen stürmt und regnet es, dann unverhofft Fetzen von blauem Himmel und Sonnenstrahlen, kurz darauf wieder Sturm und Regen. So geht es fast den ganzen Tag. Erst zum Abend hin beruhigt sich das Wetter, der Himmel wird sanftblau und das Licht ist einfach nur wunderschön und lässt alles leuchten.

Meine innere Verfassung ist ähnlich wechselhaft. Irgendwie bin ich innerlich etwas gestresst. Mal wieder zu viel, was mir gleichzeitig und kreuz und quer durch den Kopf geht. Dazu viel was erledigt sein will. Ich versuche den Überblick zu behalten, beharrlich zu sortieren, was mir da so durch den Kopf flasht, und die Aufgaben eine nach der anderen abzuarbeiten.

Ich hänge zwischen Winter und Frühling, zwischen Lachen und Weinen, zwischen Überreizung und Langeweile, zwischen Realität und Sehnsucht, zwischen Alltag und Abenteuer, zwischen Idee und Ausführung, zwischen Plan und Planlosigkeit, zwischen Menschenliebe und Menschenabscheu. Ich wandere im Niemandsland und fürchte, dort könnten immer noch Tretminen vergraben sein.

Natürlich gibt’s auch kleine Freudenmomente: die blühenden Hyazinthen, Osterglöckchen und Narzissen auf der Fensterbank, ein Prachtexemplar von Buchfink am Vogelhäuschen, erwartete Postsendungen, die zumindest schon mal auf dem Weg sind (und hoffentlich morgen ankommen)

Ich bin froh, dass der Februar vorüber und jetzt März ist. Insgesamt war der Februar ganz okay. Den hab ich schon ganz anders erlebt und empfunden. Jetzt also März. Da ist der Winter fast vorbei, der Frühling steht vor der Tür. Trotzdem ziehen sich die letzten Wochen und Tage meist nochmal wie Kaugummi. Gerade weil das Sehnen nach frischem Grün, nach Blumen und Wärme so groß ist. Ich rede mir selbst gut zu. Das bisschen Winter schaffen ich jetzt auch noch!

*

Manchmal frage ich mich, was passieren würde, wenn z.B. von politischen Verantwortlichen aus irgendwelchen Gründen bestimmt würde, dass Privatpersonen das Internet nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt nutzen dürften bzw. wenn der Personenkreis, der das Internet nutzen darf sehr eingeschränkt würde. Also sagen wir, die Politiker der Welt würden sich darauf einigen. Nach einer gewissen Übergangszeit (sagen wir vier Wochen), wäre Schluß mit der privaten Nutzung des Internets.

Mit einem Mal, könnte man nicht mehr so schnell und unkompliziert mit Familienangehörigen, Freunden, Bekannten in Kontakt treten. Keine E-Mails mehr, kein schnelles Nachgucken bei Google & Co. mehr, kein Buchen von Reisen über das Internet mehr, kein Online-Shopping mehr bei Ama*on, Z*l*ndo und Co., keine Zeitungs- und Blogartikel mehr auf diesem Wege, kein Instagram, kein Pinterest, kein Twittern mehr.

Der Mensch an sich verträgt es ja generell eher schlecht, wenn ihm etwas wieder weggenommen wird, was er als »seins« angesehen hat. Wenn man dann sieht, wie sehr für viele Menschen das Internet mit ihrem Alltag und Leben verwoben ist, wäre das ein ziemlich heftiger Einschnitt.

Natürlich gäbe es Proteste. Aber sagen wir, die Politiker der Welt wären sich weiterhin einig, niemand von denen würde einknicken. Nix zu machen, es bleibt dabei. Kein Internet mehr für private Nutzung. Basta!

Wie würde das meinen Alltag, mein Leben wieder verändern? Was oder wen würde ich vermissen? Wer, der mich über einen der Kanäle des Internets »kennengelernt« hat, würde mich vermissen? Also nicht nur für ein paar Tage, sondern wirklich ernsthaft vermissen? So sehr vermissen, dass ich wirklich was dafür tun würde, auf anderen Wegen den Kontakt aufrecht zu erhalten? Und wer würde das umgekehrt im Bezug auf mich tun? Wie schnell würden die vielgepriesenen digitalen Beziehungsnetze zerreißen und in sich zusammenfallen?

Würden wir größtenteils aufwachen und feststellen, dass das alles gar nicht so ernst und tiefgehend gemeint war, wie gedacht? Dass das, was wir für gefestigte Kontakte gehalten haben, in Wahrheit eben doch nur oberflächliche Verbindungen waren, die einer solchen Belastungsprobe gar nicht standhalten?

Manchen würden sich diese Fragen unter Umständen auch gar nicht stellen. Das sind diejenigen, denen es durch glückliche Umstände gelungen ist, online entstandene Kontakte irgendwie auch ins Offline hinüber zu transportieren. Die z.B. in der gleichen Stadt oder einigermaßen in der Nähe wohnen und sich daher auch so mal treffen können. Das sind die Extrovertierten, denen es leicht fällt, Leute zu treffen und Kontakte zu schließen. Aber was ist mit denen, die nicht so günstige Umstände haben oder die nicht so extrovertiert sind? Manche sog. Nerds haben durch das Internet andere gefunden, mit denen sie auf einer Wellenlänge liegen und mit denen sie sich zumindest über das Internet austauschen können. Vielleicht haben sie sich sogar mal auf irgendwelchen Konferenzen, Barcamps, Insta-Treffen, Twitter-Treffen, etc. getroffen. Aber was würde passieren, wenn alle Kanäle über Internet dicht wären. Kein Facebook mehr, kein Twitter, kein Instagram, keine sonstigen Plattformen und E-Mail auch nicht mehr. Wie viele von uns würden plötzlich wieder ziemlich alleine da stehen?

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Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Taadaa! Meine Sommerdecke ist fertig! Frühling und Sommer können von mir aus jetzt kommen! Nachdem ich meine Winterdecke fertig hatte, wollte ich gerne auch noch eine schöne Sommerdecke haben. Leicht, fröhlich und bunt sollte sie sein und sowohl im Garten, wie auch auf unserem Sofa farblich passen. Letzteres machte die Farbauswahl zumindest teilweise nicht ganz so leicht aber ich hab, denke ich, doch eine schöne Kombination gefunden. Jedenfalls finde ich, die Decke macht sich auf dem Sofa farblich sehr schön.

Die Wolle, die ich verhäkelt habe ist »Tilda« von Svarta Fåret. Das ist eine wunderbare Baumwolle aus Schweden, die es in vielen schönen Farben gibt, und die sich angenehm leicht und weich anfühlt. Bekommen habe ich die Wolle über Katja, die sich vor einigen Jahren mit »Versponnenes« ihren Wunsch vom eigenen kleinen Online-Wolllädchen erfüllt hat. Sie schreibt auch ein Blog, in dem sie ihre eigenen Häkel- und Strickstücke zeigt und aus ihrem Alltag erzählt.
Gerade hat Svarta Fåret übrigens eine neue Wolle ins Sortiment aufgenommen, »Tilda Bamboo«, ein Baumwoll-Bambusviscose-Mix.

Deckengröße: 170x120 cm
8 Farben
140 Squares

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Sea - © Jojanne

Der Tag begann mit denkbar schlechten Nachrichten. Ein Todesfall im engeren Umfeld. Das hat mich gedanklich während des Tages ziemlich beschäftigt. Der Verstorbene nur eine Handvoll Jahre älter als ich.

In dem Zusammenhang dachte ich dann auch mal wieder darüber nach, dass je älter man wird, desto öfter wird man es erleben, dass Menschen, die man persönlich kennt, Freunde, langjährige Wegbegleiter, etc. sterben werden.

Ich frage mich, wie sich das anfühlt, wenn sich die Todesfälle, die einen persönlich betroffen machen, häufen. So lange man jung ist, kommt das zwar hin und wieder auch vor, aber später steigert sich die Rate. Wie wird es sich anfühlen, wenn die Verstorbenen immer häufiger die eigene Altersklasse sind?

Ich erschrecke mich jetzt schon immer, wenn in Todesanzeigen 60er Jahrgänge auftauchen. Meist denke ich im ersten Moment »Oh nein, so jung und schon gestorben!« und im nächsten Moment realisiere ich, dass der oder die »Junge« um 50+ Jahre alt war, und dass das so jung nun auch nicht mehr ist. Niemand von uns hat die Garantie 70, 80 oder mehr Jahre zu werden. Bedenke ich dann, wie die Zeit von Jahr zur Jahr schneller zu rasen scheint, sind 10, 15 Jahre ruckzuck um. Eh man sich umschaut, ist man 60, 65 oder 70. Was sind schon zehn oder zwanzig Jahre? Einerseits klar, viel Zeit, aber andererseits …

Was macht es mit einem, wenn immer mehr Freunde und Weggefährten krank und gebrechlich werden oder sterben. Wenn man unter Umständen erlebt, dass man in einem Jahr öfter auf Beerdigungen war, als auf Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten? Wie fühlt es sich wohl an, wenn der Freundeskreis, Jahr um Jahr mehr dezimiert wird? »Gewöhnt« man sich irgendwann daran? Stumpft man ab? Nimmt man es resigniert hin, weil man es ja doch nicht ändern kann? Fängt es an einem Angst zu machen, weil mit jedem Tod der eigene Tod wahrscheinlicher wird? Gehen einem die tröstenden Worte aus? Ist überhaupt noch jemand da, dem man trösten oder wenigstens beistehen könnte?

Und wieso gibt es eigentlich im Deutschen spezifische Worte für Menschen, die ihren Partner verlieren (also zumindest wenn sie offiziell verheiratet sind), für Kinder, die ihre Eltern verlieren bzw. umgekehrt Eltern, die ihre Kinder verlieren (Witwer/Witwe, Halbwaise, Vollwaise, verwaiste Eltern), aber kein deutsches Wort für jemanden, der seine/n letzten Freund/in an den Tod verliert?

Überhaupt, wird man als Alleinstehender, je älter man wird, immer mehr Zeit damit zubringen, sich um erkrankte und gebrechliche Freunde zu kümmern, die ebenfalls Alleinstehende sind? Wer Familie (zumindest wenn sie halbwegs funktioniert) bzw. eigene Kinder hat, hat immer noch ein gewisses Netz, in dem er oder sie aufgefangen wird. Aber wir wissen ja, dass es sehr viele Alleinstehende gibt, oder eben »nur« Paare.

Wie wird sich der Freundeskreis im Alter entwickeln? Irgendwann wird beim Großteil des Freundeskreises die körperliche Kraft nachlassen. Jeder wird seine gesundheitlichen Kampffelder haben, ob es nun die berühmt-berüchtigten »Alterszipperlein« sind (die einem durchaus sehr zusetzen können), oder eben zunehmend ernstere Erkrankungen. Werden wir dann noch den Willen, die Kraft und das Vermögen haben, uns um andere (Freunde, Bekannte) zu kümmern, oder werden wir am Ende doch alle mehr und mehr vereinsamen? Nicht, weil wir das so wollen, sondern weil wir aus dem ein oder anderen Grund nicht mehr in der Lage sind, etwas dagegen zu tun. Oder werden wir zu egoistischen Alten, die sich nur noch um sich selbst und ihre zugegeben u.U. nicht erfreulichen eigenen Befindlichkeiten kümmern? Wenn die körperlichen und oder psychischen Kräfte nachlassen, wird es zunehmend schwieriger sich auch noch anderen und deren Bedürfnissen zuzuwenden. Und man hat gleichzeitig genug glaubwürdige und entschuldigende Begründungen zur Hand, warum man sich nicht kümmern kann. Werden wir dann eigene Bequemlichkeiten überwinden können und wollen, um nach anderen zu gucken, uns zu kümmern in welcher Form auch immer uns das noch möglich ist?

Uns werden ja überall die fitten, gesunden, aktiven und abenteuerlustigen Alten vor Augen gestellt. Das ist natürlich eine schöne Vorstellung vom Alter. Da scheinen Krankheit und Tod noch seeehr weit weg. Wie gerne möchten wir dieses Bild glauben. Die Realität sieht aber für die meisten eben doch anders aus.

Früher durfte man noch in Ruhe alt werden bzw. sein. Heute müssen sich selbst die Alten immer häufiger rechtfertigen, wenn sie nicht dem von Medien und Werbung vermittelten Bild der Alten entsprechen. Impliziert ist dabei ja immer, dass wenn man nur genug tut und unternimmt, dann bleibt man fit und gesund. Immer öfter müssen sich ältere Menschen anhören »Hättest Du mehr dies oder das gemacht, dann wärst Du jetzt noch nicht in dem und dem Zustand!« Na danke! Ich sag immer »Lasst die Alten, doch in Frieden alt sein!«

Egal, ich wage zu behaupten, dass auch die sich superaktiv um Fitness und Gesundheit bemühenden Alten, irgendwann gebrechlich oder krank werden. Und was ist dann? Schon jetzt ziehen sich viele Alte zurück, weil sie das Gefühl haben nicht mehr mithalten zu können, und weil sie sich dafür schämen, dass sie es nicht geschafft haben so fit und aktiv zu sein/bleiben, wie all die Alten aus dem Fernsehen oder auf den Werbeplakaten. Sie wollen »niemandem zur Last fallen«. Eine fatale Entwicklung, wie ich finde. Je weniger man nämlich die »normalen« Alten vor Augen hat, desto fremder und unverständlicher werden sie mit der Zeit.

Gut, die Alten werden immer mehr und das mag in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten auch Auswirkungen darauf haben, wie Alte leben und wahrgenommen werden. Aber die Frage bleibt, wie wirkt es sich auf mich persönlich und auf die Gesellschaft als Ganzes aus, wenn immer mehr Alte da sind, die vieles einfach nicht mehr können, die zunehmend gebrechlicher werden und auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Das lässt sich nicht immer zu Diakonischen Diensten etc. delegieren. Werden wir wirklich mit einer Roboter-Seerobbe o.ä. als Gegenüber enden?

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Was übrig blieb vom Tag:

  • viel Sonnenschein
  • durch den Sonnenschein fahren und dabei denken, diesen Sonnenschein sieht XY jetzt nicht mehr, nie mehr! Und im gleichen Augenblick das Gefühl haben, als würde der Sonnenschein in diesem Moment noch heller dagegen anleuchten
  • ich war einkaufen und habe tatsächlich problemlos die brandneue Ausgabe von »Das Magazin« bekommen. Ich musste mich nicht mal dafür bücken! ;-) Jetzt bin ich gespannt, das Magazin zu lesen
  • Besuch ist was Schönes und Besuch, der auch noch selbstgemachten Kuchen mitbringt, ist was ganz besonders Schönes!
  • so wie es aussieht, klappt es dieses Jahr endlich endlich mit einem Besuch auf der Leipziger Buchmesse! \o/
  • ich werde nicht müde, mich über das Geräusch, das Schwanenflügel beim Überflug machen, zu begeistern
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© Ricardo Gomez Angel

Ein Stadtrat in Melbourne hatte die geniale Idee, allen Bäumen im Stadtgebiet (rund 70.000!) eine eigene E-Mail-Adresse zuzuordnen. Die Bewohner können die E-Mail-Adresse des Baumes vor ihrer Haustür oder irgendwo sonst im Stadtgebiet erfahren, indem sie auf eine entsprechende Karte im Internet klicken. Gedacht war das Ganze dafür, dass Bürger Informationen über den Zustand der Bäume geben können. Verlieren die Bäume Blätter? Sind sie dabei zu vertrocknen? Schält sich die Rinde ab, etc. Inzwischen schicken aber immer mehr Bürger »LiebesbriefeE-Mails« an ihre / die Bäume. Die Bäume (tatsächlich natürlich Mitarbeiter in der zuständigen Behörde) antworten zurück. Ich finde die Idee und das, was sich da entwickelt hat wirklich klasse! Die Aufmerksamkeit für die Bäume und deren Zustand hat sich in Melbourne auf jeden Fall deutlich erhöht.
Quelle

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Wunderbare Schwarzweißfotos aus dem Stockholm der 50er des vorigen Jahrhunderts von Gunnar Smoliansky einem der bekanntesten schwedischen Fotografen.

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Ich soll / muss mir langsam Gedanken machen, was ich mir zum bevorstehenden Geburtstag wünsche. Das ist gar nicht so einfach. Nach einigem hin und her überlegen, kam ich auf die Idee, das einige Küchenutensilien mal erneuert bzw. modernisiert werden könnten. Kurz darauf las ich dann diesen Tweet

und folgte dem angegebenen Link. Nun erwäge ich die Erweiterung meines »Wunschzettels« um die Nummern 1, 4, 9, 11, 12, und 17.

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Bei Carola von »Frische Brise« las ich heute über »Das Magazin« und konnte kaum glauben, dass ich noch nie in meinem Leben davon gehört oder gelesen habe. Immerhin gibt es das Magazin seit 1924 (!), also seit 90 Jahren. In der Beschreibung heisst es »Die einen nennen das Blatt »New Yorker des Ostens«, die anderen monatliche Wundertüte«. Und die abgedeckten Bereiche »Kultur. Gesellschaft. Leben« versprechen einen interessanten Themenmix. Dass es ein Magazin aus dem Osten Deutschlands ist, erklärt vermutlich zumindest zum Teil, warum ich noch nie davon gehört habe. Ich hab mir auf jeden Fall vorgenommen, nach dem Magazin Ausschau zu halten, immerhin ist hier der Osten, also müsste ich da relativ unkompliziert herankommen können. Kennt Ihr das Magazin?

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© Anne Davies

Die Schwedische Ornithologische Gesellschaft (SOF) hat festgestellt, dass es nicht für alle bekannten Vögel auch schwedische Namen gibt. Deshalb arbeitete sie sich in den vergangenen Jahren systematisch durch alle 10709 bekannten Spezies und vergab, wo nötig, entsprechende schwedische Namen für die Vögel, für die es bisher keine schwedische Bezeichnung gab.

In diesem Zusammenhang wurden gleich auch zehn Vögel umbenannt, deren Namen als »rassistisch« gewertet wurden, wie z.B. Kafferseglaren (übersetzt »Kaffernsegler«), Zigenarfågeln (Zigeunervogel) oder Negerfink. Norwegische und dänische Ornithologen waren wohl die Vorreiter und die deutschen Ornithologen überlegen auch schon, ob es zu Umbenennungen kommen soll.

Der im südamerikanischen Dschungel lebende Zigeunervogel heißt bei den Schweden übrigens künftig »Hoaczi« - das aztekische Wort für »lachender Falke«. Ich frage mich allerdings, wie die Schweden diesen Namen wohl aussprechen?
Quelle

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Wenn es so weiter geht wie bis jetzt und wir nichts dagegen unternehmen, dann dürften wir im Sommer unsere eigene kleine Getreideernte auf dem Balkon haben. Dort hängt nämlich eines unserer Vogelhäuschen. Der Balkon selbst hat einen Holzbohlenboden. Zwischen den einzelnen Bohlen ist jeweils ein etwa 1 cm großer Spalt. Nun gibt es unter den Vögeln, die sich am Vogelhäuschen gütlich tun, auch einige mit fragwürdigen Tischmanieren. D.h. z.B. solche, die sich nur bestimmte Körner oder Samen herauspicken. Alles was sie verschmähen werfen sie einfach raus. Diese Samen und Körner sind also auf den Balkonboden bzw. durch die Spalte zwischen den Bohlen gefallen. Nun haben wir einen im großen und ganzen milden Winter. Dementsprechend sind die Samen und Körner gekeimt und jetzt wachsen die zarten grünen Getreidehälmchen von unter dem Balkonboden durch die Bohlenzwischenräume wieder nach oben. Die Vorstellung im Sommer auf dem Balkon ein kleines Privat-Getreidefeld zu haben, hat schon was. Immerhin backen wir ja jetzt regelmäßig unser eigenes Brot.

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Sehr seltsames Wetter heute, das sich nicht so recht entscheiden konnte, was es eigentlich sein will. Mal Sonne, mal Regen und mal wieder stürmischer Wind. Fand mein Körper irgendwie nicht so richtig lustig. Ich balancierte also den ganzen Tag mal wieder am Abgrund einer Migräne daher und obendrein taten mir alle Glieder weh. Ich hoffe, das Wetter weiß morgen, was es werden will!

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© Henrik Emtkjær Hansen

Was übrig blieb vom Tag:

  • Die letzten Tage und so auch heute fliegen immer wieder hunderte von Wildgänsen über uns hinweg. Die Bauern und landwirtschaftlichen Genossenschaften, haben Gülle auf den Feldern ausgefahren. Das zieht sowohl die Wildgänse wie auch die Möwen in Scharen an. D.h. die Möwen sind noch eher in kleineren Gruppen da, bis sie in voller Anzahl auftauchen werden, wird es wohl noch ein bisschen dauern. Aber die Wildgänse, die sind da.
    Zum Glück steht der Wind günstig, so dass wir den Geruch der ausgebrachten Gülle nicht abbekommen. Landleben gut und schön, aber wenn der Wind ungünstig steht, ist es nach meinem Geschmack etwas zuviel der »guten Landluft«.
  • Heute hatten wir auch wieder Backtag. Seit wir unseren eigenen Holzbackofen haben, gibt es regelmäßige Backtage, an denen wir einen Großteil unseres Brotbedarfs selber backen. Dazu natürlich noch weiteres Backwerk wie Kuchen, Brötchen, Pizza, Schwäbische Dinnete, etc. Im Sommer kommen sicher noch andere Köstlichkeiten hinzu. Im Keller gibt es jetzt eine kleine Backwerkstatt, wo die Teige hergestellt werden, etc. Das ist schon eine sehr schöne und praktische Sache.
  • Ich freu mich auf das Wochenende, das als ruhiges Wochenende geplant ist. Ein bisschen lesen, ein bisschen mit meinem neuen Kreativprojekt weiterkommen (während das vorherige aus unverhersehbaren Gründen noch auf seinen endgültigen Abschluß wartet), ein bisschen entspannen und die Seele baumeln lassen.
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