Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Meine neue Sommerdecke - © Liisa

Taadaa! Meine Sommerdecke ist fertig! Frühling und Sommer können von mir aus jetzt kommen! Nachdem ich meine Winterdecke fertig hatte, wollte ich gerne auch noch eine schöne Sommerdecke haben. Leicht, fröhlich und bunt sollte sie sein und sowohl im Garten, wie auch auf unserem Sofa farblich passen. Letzteres machte die Farbauswahl zumindest teilweise nicht ganz so leicht aber ich hab, denke ich, doch eine schöne Kombination gefunden. Jedenfalls finde ich, die Decke macht sich auf dem Sofa farblich sehr schön.

Die Wolle, die ich verhäkelt habe ist »Tilda« von Svarta Fåret. Das ist eine wunderbare Baumwolle aus Schweden, die es in vielen schönen Farben gibt, und die sich angenehm leicht und weich anfühlt. Bekommen habe ich die Wolle über Katja, die sich vor einigen Jahren mit »Versponnenes« ihren Wunsch vom eigenen kleinen Online-Wolllädchen erfüllt hat. Sie schreibt auch ein Blog, in dem sie ihre eigenen Häkel- und Strickstücke zeigt und aus ihrem Alltag erzählt.
Gerade hat Svarta Fåret übrigens eine neue Wolle ins Sortiment aufgenommen, »Tilda Bamboo«, ein Baumwoll-Bambusviscose-Mix.

Deckengröße: 170x120 cm
8 Farben
140 Squares

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Sea - © Jojanne

Der Tag begann mit denkbar schlechten Nachrichten. Ein Todesfall im engeren Umfeld. Das hat mich gedanklich während des Tages ziemlich beschäftigt. Der Verstorbene nur eine Handvoll Jahre älter als ich.

In dem Zusammenhang dachte ich dann auch mal wieder darüber nach, dass je älter man wird, desto öfter wird man es erleben, dass Menschen, die man persönlich kennt, Freunde, langjährige Wegbegleiter, etc. sterben werden.

Ich frage mich, wie sich das anfühlt, wenn sich die Todesfälle, die einen persönlich betroffen machen, häufen. So lange man jung ist, kommt das zwar hin und wieder auch vor, aber später steigert sich die Rate. Wie wird es sich anfühlen, wenn die Verstorbenen immer häufiger die eigene Altersklasse sind?

Ich erschrecke mich jetzt schon immer, wenn in Todesanzeigen 60er Jahrgänge auftauchen. Meist denke ich im ersten Moment »Oh nein, so jung und schon gestorben!« und im nächsten Moment realisiere ich, dass der oder die »Junge« um 50+ Jahre alt war, und dass das so jung nun auch nicht mehr ist. Niemand von uns hat die Garantie 70, 80 oder mehr Jahre zu werden. Bedenke ich dann, wie die Zeit von Jahr zur Jahr schneller zu rasen scheint, sind 10, 15 Jahre ruckzuck um. Eh man sich umschaut, ist man 60, 65 oder 70. Was sind schon zehn oder zwanzig Jahre? Einerseits klar, viel Zeit, aber andererseits …

Was macht es mit einem, wenn immer mehr Freunde und Weggefährten krank und gebrechlich werden oder sterben. Wenn man unter Umständen erlebt, dass man in einem Jahr öfter auf Beerdigungen war, als auf Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten? Wie fühlt es sich wohl an, wenn der Freundeskreis, Jahr um Jahr mehr dezimiert wird? »Gewöhnt« man sich irgendwann daran? Stumpft man ab? Nimmt man es resigniert hin, weil man es ja doch nicht ändern kann? Fängt es an einem Angst zu machen, weil mit jedem Tod der eigene Tod wahrscheinlicher wird? Gehen einem die tröstenden Worte aus? Ist überhaupt noch jemand da, dem man trösten oder wenigstens beistehen könnte?

Und wieso gibt es eigentlich im Deutschen spezifische Worte für Menschen, die ihren Partner verlieren (also zumindest wenn sie offiziell verheiratet sind), für Kinder, die ihre Eltern verlieren bzw. umgekehrt Eltern, die ihre Kinder verlieren (Witwer/Witwe, Halbwaise, Vollwaise, verwaiste Eltern), aber kein deutsches Wort für jemanden, der seine/n letzten Freund/in an den Tod verliert?

Überhaupt, wird man als Alleinstehender, je älter man wird, immer mehr Zeit damit zubringen, sich um erkrankte und gebrechliche Freunde zu kümmern, die ebenfalls Alleinstehende sind? Wer Familie (zumindest wenn sie halbwegs funktioniert) bzw. eigene Kinder hat, hat immer noch ein gewisses Netz, in dem er oder sie aufgefangen wird. Aber wir wissen ja, dass es sehr viele Alleinstehende gibt, oder eben »nur« Paare.

Wie wird sich der Freundeskreis im Alter entwickeln? Irgendwann wird beim Großteil des Freundeskreises die körperliche Kraft nachlassen. Jeder wird seine gesundheitlichen Kampffelder haben, ob es nun die berühmt-berüchtigten »Alterszipperlein« sind (die einem durchaus sehr zusetzen können), oder eben zunehmend ernstere Erkrankungen. Werden wir dann noch den Willen, die Kraft und das Vermögen haben, uns um andere (Freunde, Bekannte) zu kümmern, oder werden wir am Ende doch alle mehr und mehr vereinsamen? Nicht, weil wir das so wollen, sondern weil wir aus dem ein oder anderen Grund nicht mehr in der Lage sind, etwas dagegen zu tun. Oder werden wir zu egoistischen Alten, die sich nur noch um sich selbst und ihre zugegeben u.U. nicht erfreulichen eigenen Befindlichkeiten kümmern? Wenn die körperlichen und oder psychischen Kräfte nachlassen, wird es zunehmend schwieriger sich auch noch anderen und deren Bedürfnissen zuzuwenden. Und man hat gleichzeitig genug glaubwürdige und entschuldigende Begründungen zur Hand, warum man sich nicht kümmern kann. Werden wir dann eigene Bequemlichkeiten überwinden können und wollen, um nach anderen zu gucken, uns zu kümmern in welcher Form auch immer uns das noch möglich ist?

Uns werden ja überall die fitten, gesunden, aktiven und abenteuerlustigen Alten vor Augen gestellt. Das ist natürlich eine schöne Vorstellung vom Alter. Da scheinen Krankheit und Tod noch seeehr weit weg. Wie gerne möchten wir dieses Bild glauben. Die Realität sieht aber für die meisten eben doch anders aus.

Früher durfte man noch in Ruhe alt werden bzw. sein. Heute müssen sich selbst die Alten immer häufiger rechtfertigen, wenn sie nicht dem von Medien und Werbung vermittelten Bild der Alten entsprechen. Impliziert ist dabei ja immer, dass wenn man nur genug tut und unternimmt, dann bleibt man fit und gesund. Immer öfter müssen sich ältere Menschen anhören »Hättest Du mehr dies oder das gemacht, dann wärst Du jetzt noch nicht in dem und dem Zustand!« Na danke! Ich sag immer »Lasst die Alten, doch in Frieden alt sein!«

Egal, ich wage zu behaupten, dass auch die sich superaktiv um Fitness und Gesundheit bemühenden Alten, irgendwann gebrechlich oder krank werden. Und was ist dann? Schon jetzt ziehen sich viele Alte zurück, weil sie das Gefühl haben nicht mehr mithalten zu können, und weil sie sich dafür schämen, dass sie es nicht geschafft haben so fit und aktiv zu sein/bleiben, wie all die Alten aus dem Fernsehen oder auf den Werbeplakaten. Sie wollen »niemandem zur Last fallen«. Eine fatale Entwicklung, wie ich finde. Je weniger man nämlich die »normalen« Alten vor Augen hat, desto fremder und unverständlicher werden sie mit der Zeit.

Gut, die Alten werden immer mehr und das mag in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten auch Auswirkungen darauf haben, wie Alte leben und wahrgenommen werden. Aber die Frage bleibt, wie wirkt es sich auf mich persönlich und auf die Gesellschaft als Ganzes aus, wenn immer mehr Alte da sind, die vieles einfach nicht mehr können, die zunehmend gebrechlicher werden und auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Das lässt sich nicht immer zu Diakonischen Diensten etc. delegieren. Werden wir wirklich mit einer Roboter-Seerobbe o.ä. als Gegenüber enden?

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Was übrig blieb vom Tag:

  • viel Sonnenschein
  • durch den Sonnenschein fahren und dabei denken, diesen Sonnenschein sieht XY jetzt nicht mehr, nie mehr! Und im gleichen Augenblick das Gefühl haben, als würde der Sonnenschein in diesem Moment noch heller dagegen anleuchten
  • ich war einkaufen und habe tatsächlich problemlos die brandneue Ausgabe von »Das Magazin« bekommen. Ich musste mich nicht mal dafür bücken! ;-) Jetzt bin ich gespannt, das Magazin zu lesen
  • Besuch ist was Schönes und Besuch, der auch noch selbstgemachten Kuchen mitbringt, ist was ganz besonders Schönes!
  • so wie es aussieht, klappt es dieses Jahr endlich endlich mit einem Besuch auf der Leipziger Buchmesse! \o/
  • ich werde nicht müde, mich über das Geräusch, das Schwanenflügel beim Überflug machen, zu begeistern
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© Ricardo Gomez Angel

Ein Stadtrat in Melbourne hatte die geniale Idee, allen Bäumen im Stadtgebiet (rund 70.000!) eine eigene E-Mail-Adresse zuzuordnen. Die Bewohner können die E-Mail-Adresse des Baumes vor ihrer Haustür oder irgendwo sonst im Stadtgebiet erfahren, indem sie auf eine entsprechende Karte im Internet klicken. Gedacht war das Ganze dafür, dass Bürger Informationen über den Zustand der Bäume geben können. Verlieren die Bäume Blätter? Sind sie dabei zu vertrocknen? Schält sich die Rinde ab, etc. Inzwischen schicken aber immer mehr Bürger »LiebesbriefeE-Mails« an ihre / die Bäume. Die Bäume (tatsächlich natürlich Mitarbeiter in der zuständigen Behörde) antworten zurück. Ich finde die Idee und das, was sich da entwickelt hat wirklich klasse! Die Aufmerksamkeit für die Bäume und deren Zustand hat sich in Melbourne auf jeden Fall deutlich erhöht.
Quelle

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Wunderbare Schwarzweißfotos aus dem Stockholm der 50er des vorigen Jahrhunderts von Gunnar Smoliansky einem der bekanntesten schwedischen Fotografen.

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Ich soll / muss mir langsam Gedanken machen, was ich mir zum bevorstehenden Geburtstag wünsche. Das ist gar nicht so einfach. Nach einigem hin und her überlegen, kam ich auf die Idee, das einige Küchenutensilien mal erneuert bzw. modernisiert werden könnten. Kurz darauf las ich dann diesen Tweet

und folgte dem angegebenen Link. Nun erwäge ich die Erweiterung meines »Wunschzettels« um die Nummern 1, 4, 9, 11, 12, und 17.

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Bei Carola von »Frische Brise« las ich heute über »Das Magazin« und konnte kaum glauben, dass ich noch nie in meinem Leben davon gehört oder gelesen habe. Immerhin gibt es das Magazin seit 1924 (!), also seit 90 Jahren. In der Beschreibung heisst es »Die einen nennen das Blatt »New Yorker des Ostens«, die anderen monatliche Wundertüte«. Und die abgedeckten Bereiche »Kultur. Gesellschaft. Leben« versprechen einen interessanten Themenmix. Dass es ein Magazin aus dem Osten Deutschlands ist, erklärt vermutlich zumindest zum Teil, warum ich noch nie davon gehört habe. Ich hab mir auf jeden Fall vorgenommen, nach dem Magazin Ausschau zu halten, immerhin ist hier der Osten, also müsste ich da relativ unkompliziert herankommen können. Kennt Ihr das Magazin?

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© Anne Davies

Die Schwedische Ornithologische Gesellschaft (SOF) hat festgestellt, dass es nicht für alle bekannten Vögel auch schwedische Namen gibt. Deshalb arbeitete sie sich in den vergangenen Jahren systematisch durch alle 10709 bekannten Spezies und vergab, wo nötig, entsprechende schwedische Namen für die Vögel, für die es bisher keine schwedische Bezeichnung gab.

In diesem Zusammenhang wurden gleich auch zehn Vögel umbenannt, deren Namen als »rassistisch« gewertet wurden, wie z.B. Kafferseglaren (übersetzt »Kaffernsegler«), Zigenarfågeln (Zigeunervogel) oder Negerfink. Norwegische und dänische Ornithologen waren wohl die Vorreiter und die deutschen Ornithologen überlegen auch schon, ob es zu Umbenennungen kommen soll.

Der im südamerikanischen Dschungel lebende Zigeunervogel heißt bei den Schweden übrigens künftig »Hoaczi« - das aztekische Wort für »lachender Falke«. Ich frage mich allerdings, wie die Schweden diesen Namen wohl aussprechen?
Quelle

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Wenn es so weiter geht wie bis jetzt und wir nichts dagegen unternehmen, dann dürften wir im Sommer unsere eigene kleine Getreideernte auf dem Balkon haben. Dort hängt nämlich eines unserer Vogelhäuschen. Der Balkon selbst hat einen Holzbohlenboden. Zwischen den einzelnen Bohlen ist jeweils ein etwa 1 cm großer Spalt. Nun gibt es unter den Vögeln, die sich am Vogelhäuschen gütlich tun, auch einige mit fragwürdigen Tischmanieren. D.h. z.B. solche, die sich nur bestimmte Körner oder Samen herauspicken. Alles was sie verschmähen werfen sie einfach raus. Diese Samen und Körner sind also auf den Balkonboden bzw. durch die Spalte zwischen den Bohlen gefallen. Nun haben wir einen im großen und ganzen milden Winter. Dementsprechend sind die Samen und Körner gekeimt und jetzt wachsen die zarten grünen Getreidehälmchen von unter dem Balkonboden durch die Bohlenzwischenräume wieder nach oben. Die Vorstellung im Sommer auf dem Balkon ein kleines Privat-Getreidefeld zu haben, hat schon was. Immerhin backen wir ja jetzt regelmäßig unser eigenes Brot.

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Sehr seltsames Wetter heute, das sich nicht so recht entscheiden konnte, was es eigentlich sein will. Mal Sonne, mal Regen und mal wieder stürmischer Wind. Fand mein Körper irgendwie nicht so richtig lustig. Ich balancierte also den ganzen Tag mal wieder am Abgrund einer Migräne daher und obendrein taten mir alle Glieder weh. Ich hoffe, das Wetter weiß morgen, was es werden will!

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© Henrik Emtkjær Hansen

Was übrig blieb vom Tag:

  • Die letzten Tage und so auch heute fliegen immer wieder hunderte von Wildgänsen über uns hinweg. Die Bauern und landwirtschaftlichen Genossenschaften, haben Gülle auf den Feldern ausgefahren. Das zieht sowohl die Wildgänse wie auch die Möwen in Scharen an. D.h. die Möwen sind noch eher in kleineren Gruppen da, bis sie in voller Anzahl auftauchen werden, wird es wohl noch ein bisschen dauern. Aber die Wildgänse, die sind da.
    Zum Glück steht der Wind günstig, so dass wir den Geruch der ausgebrachten Gülle nicht abbekommen. Landleben gut und schön, aber wenn der Wind ungünstig steht, ist es nach meinem Geschmack etwas zuviel der »guten Landluft«.
  • Heute hatten wir auch wieder Backtag. Seit wir unseren eigenen Holzbackofen haben, gibt es regelmäßige Backtage, an denen wir einen Großteil unseres Brotbedarfs selber backen. Dazu natürlich noch weiteres Backwerk wie Kuchen, Brötchen, Pizza, Schwäbische Dinnete, etc. Im Sommer kommen sicher noch andere Köstlichkeiten hinzu. Im Keller gibt es jetzt eine kleine Backwerkstatt, wo die Teige hergestellt werden, etc. Das ist schon eine sehr schöne und praktische Sache.
  • Ich freu mich auf das Wochenende, das als ruhiges Wochenende geplant ist. Ein bisschen lesen, ein bisschen mit meinem neuen Kreativprojekt weiterkommen (während das vorherige aus unverhersehbaren Gründen noch auf seinen endgültigen Abschluß wartet), ein bisschen entspannen und die Seele baumeln lassen.
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Wieso haben so viele Erwachsene eigentlich nicht gelernt, bzw. wieder verlernt, dass ein »Nein!« ein vollständiger Satz ist? Wenn ich etwas nicht möchte, dann sage ich »Nein, danke!« (bin halt ein höflicher Mensch, deshalb noch das »danke«). Das ist vollkommen ausreichend, bzw. sollte es sein!

Ich beobachte aber (und zwar auch bei mir selbst), dass viele erwachsenen Menschen dahin tendieren, nicht nur »Nein!« zu sagen, sondern dann sofort die Gründe und Entschuldigungen, warum man »Nein!« sagt, hinterher zu schieben.

Wann hat ein »Nein!« sein Eigengewicht verloren? Warum gilt ein alleinstehendes »Nein!« als nicht ausreichend oder als zu schwach.

Denn es ist beileibe nicht so, dass die Menschen, die das »Nein!« aussprechen, sich nur einbilden würden, sie müssten gleich im Anschluß die Gründe und Entschuldigungen dafür aufzählen (obwohl es das manchmal auch gibt). Viele Erwachsenen, die ein »Nein!« hören, erwarten tatsächlich im Anschluß die Gründe und Entschuldigungen für die Absage dargelegt zu bekommen. Achten Sie mal darauf! Es ist verblüffend, wie wenige Erwachsene mit einem einfachen »Nein!« umgehen können!
Manche Erwachsene haben zumindest so viel Selbstbeherrschung, dass sie solche Rückfragen unterdrücken, aber wenn man darauf achtet, kann man den Moment des Irritiertseins oder aber der Verstimmung, beobachten.

Das fällt den meisten schon gar nicht mehr auf. Weder denen, die »Nein!« sagen, noch denen, die es hören. Mal abgesehen davon, dass diejenigen, die ihre Gründe für ein »Nein!« darlegen müssen, unter dem Stress stehen, nicht zu wissen, ob die Gründe von der Gegenseite akzeptiert werden (was eigentlich völlig unerheblich sein sollte, aber es dann praktisch häufig doch nicht ist), oder sie sich in einer schwierigen Debatte wiederfinden, in der die Gegenseite versucht, sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, von ihrem »Nein!« abzubringen. Ich möchte nicht wissen, wie viele vorgeschobene »gute« Gründe oder sogar (Not)Lügen ausgesprochen werden, um ein »Nein!« für die Gegenseite akzeptabel zu machen.

Warum tun sich das so viele an? Warum können so viele nicht »Nein!« sagen und es dabei belassen? Warum fühlen sich so viele verpflichtet, ihr »Nein!« zu erklären, zu begründen, zu entschuldigen? Warum können so viele ein »Nein!« nicht ohne weiteres akzeptieren und erwarten tatsächlich eine ausführliche Erklärung dazu?

Wir sollten alle wieder mehr einüben »Nein!« zu sagen und dann nichts mehr.
Wir sollten alle wieder mehr einüben, ein einfaches »Nein!« als ausreichende Antwort hinzunehmen und zu akzeptieren.

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Heute gelesen, dass der IS Christen und Jesiden, Frauen und Kinder, auf dem Markt in Mossul verkauft.

Die Preise:

  • für eine jesidische oder christliche Frau im Alter zwischen 40 und 50 Jahren 43 US-Dollar*
  • für Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren 86 US-Dollar*
  • für junge Frauen und junge Mädchen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren 129 US-Dollar*
  • für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren 172 US-Dollar*

* oder der entsprechende Wert in Irakischen Dinar

43 US-Dollar, das sind zum aktuellen Börsenkurs, rund 38,00 Euro. 172 US-Dollar, das sind zum aktuellen Börsenkurs, rund 151,00 Euro.

Man kann es sich kaum vorstellen, dass so etwas heute im 21 Jahrhundert noch möglich ist. Finsterstes Mittelalter, denkt man. Man mag es sich nicht vorstellen! Was sind das für verrohte Menschen, die tatsächlich solche Sklaven kaufen! Und was für ein Leben blüht diesen Unglücklichen?!

Das ist sozusagen die Potenz von Terror. Terror, der nicht aufhört, weil diese »Sklaven« unter diesem Terror leben müssen. Tag für Tag für Tag. Das ist nicht nur ein Albtraum, das geschieht tatsächlich. Nur 4000 km entfernt von uns hier.

Christliche Kirchen und Jesidische Organisationen versuchen unauffällig solche Unglücklichen freizukaufen, aber das geht nur über muslimische Mittelsmänner bzw. Strohhändler, die dabei selbst Kopf und Kragen risikieren. Rund 60 mal sind solche Käufe bisher gelungen. Wie vielen anderen Gefangenen nicht geholfen werden konnte, ist unbekannt.

Ich glaube, ich werde lange nicht mehr 45,00 Euro oder 150,00 Euro für irgendetwas ausgeben können, ohne an diese Gefangenen denken zu müssen.

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© Abdoulaye Konaté

Auf dem Weg vom Einkaufen im nahegelegene Städtchen zurück nach Hause lief das Autoradio. Wunderschöne sog. »Alte Musik« wurde gespielt, und ich hörte begeistert zu. Meine Gedanken wanderten, und plötzlich dachte ich, es gibt viele überlieferte »letzte Worte« von mehr oder weniger berühmten Menschen. Aber welche Musik hört ein Mensch wirklich als allerletztes? Darüber gibt es (natürlich) keine Aufzeichnungen. Die meisten können sich vermutlich an das erste Musikstück erinnern, dass sie wirklich bewusst gehört und genossen haben. »Mit dem und dem Stück oder Song fing meine Liebe zur Musik an.« Ein Verzeichnis über die zuletzt von Menschen gehörte Musik, wäre schwierig zu bewerkstelligen.

In den meisten Fällen, ahnen Menschen ja nicht, wann ihr Leben enden wird und dass das Musikstück, das sie gerade hören, das letzte sein wird, das sie im Leben hören.

Jemand geht in eine Oper, erleidet in der Nacht einen Herzinfarkt. Und das letztes Stück der Oper ist auch das letzte Stück Musik, das er oder sie im Leben gehört hat.

Jemand fährt nach dem Einkaufen nach Hause und hört Musik im Radio. Plötzlich passiert ein Unfall, das Auto überschlägt sich, wickelt sich um einen Baum oder landet in einem Graben oder Feld. Der Mensch, der das Auto gefahren hat, ist augenblicklich tot oder stirbt noch am Unfallort. Sofort sind Zeugen des Unfalls zur Stelle, um zu helfen. Im Radio läuft noch die letzten Takte von Hit XY.

Jemand beschließt aus dem Leben zu gehen und schluckt Tabletten. Als letztes lässt er noch einmal seine Lieblingsplatte mit der Musik von Jazzlegende XY laufen und während er oder sie der Musik lauscht, schläft er oder sie für immer ein.

Jemand ist in seiner Wohnung ermordet worden. Die Nachbarn wundern sich, weil überlaute Rockmusik aus der Wohnung schallt und auf das Klingeln niemand reagiert. Als die Polizei kommt, spielt die Musik aus der Stereoanlage immer noch.

Ein junger Mensch liegt im Hospiz und es zeichnet sich ab, dass er oder sie in den nächsten Stunden sterben wird. Mit letzter Kraft bittet der oder die Sterbende darum, dass er oder sie seine Kopfhörer in die Ohren bekommt und seine Lieblings-Playlist noch einmal hören kann. Irgendwann während die Playlist noch läuft, stirbt er oder sie. Keiner weiß, welcher Song von der Playlist im entscheidenden Moment des Todes lief.

Eine alte, schon lange verwitwete Frau, liegt im Sterben. Ihre Kinder und deren Kinder sind alle da um Abschied zu nehmen. Da bittet sie die Sterbende ihr noch einmal Choral XY zu singen und natürlich erfüllen ihr ihre Kinder und Enkelkinder diesen Wunsch. Noch während sie singen, verstirbt die alte Frau.

Was wäre, wenn wir die Chance hätten, tatsächlich selbst entscheiden zu können, welches Musikstück wir als allerletztes in unserem Leben hören? Wären das dieselben gerade populären Stücke, die bei Beerdigungen oder Trauerfeiern gespielt werden, weil sich die Verstorbenen das Abspielen dieser Lieder gewünscht haben, oder weil die Angehörigen glauben, dieses oder jenes Musikstück fasst das Leben der Verstorbenen am besten zusammen? À la »I did it my way« gesungen von Frank Sinatra oder »Niemals geht man so ganz« von Trude Herr, usw. Oder wären es ganz andere Musikstücke?

Im Wissen darum, dass es wirklich das allerletzte Musikstück ist, dass ich in diesem Leben höre, welches würde ich hören wollen? Wenn ich die Wahl hätte, ich glaube, es wäre ein klassisches Stück, wahrscheinlich Barockmusik (Bach, Scarlatti, Orlando di Lasso, Giovanni Pierluigi da Palestrina, etc.) oder aus dem Bereich der Alten Musik (wobei sich die beiden Bereiche teilweise ja überschneiden), unter dessen Klängen ich gerne die Augen für immer schließen würde. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Vielleicht doch eher Musik aus dem englischen Raum? Ich liebe die englische Chormusik, oder vielleicht William Byrd, John Dowland, Edward Elgar? Schon nach kurzem Nachdenken, merke ich, dass es mir doch schwerer fallen würde, mich tatsächlich auf ein spezielles Stück festzulegen. Die Musikrichtung ist einfacher zu entscheiden. Aber dann?

Vielleicht doch ganz gut, dass wir nicht selber entscheiden müssen, welches das letzte Musikstück unseres Lebens sein soll. Und doch finde ich den Gedanken eines Verzeichnisses, in dem nur die Musikstücke und Songs stehen, die ein Mensch als allerletztes in seinem Leben gehört hat, irgendwie sehr sehr faszinierend.

Genauso faszinierend wäre vermutlich ein Verzeichnis, das nur die Musikstücke und Songs enthält, die ein Mensch als allererstes in seinem Leben gehört hat (also wenn er noch ungeboren aber schon fähig zu hören war). Auch dieses Verzeichnis gibt es nicht und wird es auch nie geben. Wir kennen ja nicht den Moment, in dem ein ungeborenes Kind zum ersten Mal in der Lage ist, Musik zu hören.

Wenn es möglich wäre, so ein Verzeichnis zu bilden, dann gäbe es sicher selten aber doch ab und an sogar den Fall, dass ein Mensch am Anfang seiner »Musikgeschichte« dasselbe Stück gehört hat, wie ganz am Ende. So ähnlich, wie wenn bei einem Menschen Geburts- und Todestag auf dasselbe Datum fallen.

*

Was übrig blieb vom Tag:

  • die Freude über einen sonnigen Tagesbeginn und sonnigen Tag
  • die Freude über einen super gelungenen Hefeteig
  • die Freude über den Geruch von frisch zermahlenem Kardamom
  • die Freude über den Duft von fast 50 frisch gebackenen Schwedischen Kanelbullar
  • die Freude der WG-Genossen über ihren Anteil an den Kanelbullar
  • die Freude über die Freude und Überraschung der halben Nachbarschaft, als ich die frischen noch warmen Kanelbullar als »nachbarschaftlichen Gruß« vorbeibrachte
  • die Freude darüber, dass es jetzt abends schon deutlich länger hell bleibt, als noch vor kurzem
  • die Freude darüber, dass es ein Tag mit so viel Freude war
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