© Kai Küken

Name …
Kai Küken

Ursprünglich aus …
…Hannover (Niedersachsen)

Nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen …
…vor acht Jahren nach Rostock, für die Liebe in die Stadt der Liebe

Kröpeliner Tor in Rostock - © Kai Küken

Heute lebe ich in …
seit März 2014 wieder in Hannover

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich …
…als Kameramann und Cutter. Zur Zeit bin ich bei einer großen Produktionsfirma in Hannover angestellt. Meine Ausbildung habe ich in Rostock absolviert, wodurch ich das Land und seine Menschen gut kennen lernen konnte.

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Eigentlich nicht. Ich habe mich in Rostock sehr wohl gefühlt, viele nette Menschen kennen gelernt, meine Liebe geheiratet, bin auf den Hund gekommen und letztes Jahr wurde mein Sohn hier geboren.

Wenn man erstmal weg ist, merkt man schnell, was einem alles fehlt. Ich vermisse nicht nur unsere Freunde, die gute Luft und das Meer vor der Tür. In einer Stadt wie Rostock ist alles etwas gebündelter. In der KTV 1 z.B. kommt viel Kreativität zusammen, am Stadthafen die Partys.
In einer großen Stadt wie Hannover muss man größere Distanzen überwinden, um etwas zu finden, was einem gefällt. Daran muss ich mich erst gewöhnen.

An einem sonnigen Sommertag …
…haben wir in Rostock Kind und Hund eingepackt und sind einfach ein paar Kilometer raus gefahren. Norden - Süden, Links - Rechts, Müritz oder Darß ist eigentlich egal. In Mecklenburg gibt es viele schöne Plätze, die nur darauf warten erkundet zu werden. Für Naturfreunde genau das Richtige.

Mecklenburg-Vorpommern - © Kai Küken

Auf dem Darß - © Kai Küken

An einem verschneiten Wintertag …
… freut sich der Hund über das Toben durch den Schnee. Gerne auch am Strand. Die Ostsee ist nämlich zu jeder Jahreszeit und Wetterlage einen Ausflug wert.

© Kai Küken

© Kai Küken

Gut essen …
Grillen am Strand ist ein klasse Erlebnis. Wenn die Sonne im Meer versinkt, schmeckt die Wurst gleich doppelt so gut.

Wer auf indisches Essen steht, sollte sich das »Arjun« am Brink nicht entgehen lassen. Auch die Wismarsche Straße ist mit »Holy Pizza« und dem »Kumpir Haus« einen Besuch wert.

Natürlich darf man sich bei einem Besuch in Warnemünde auch das typische Fischbrötchen, zum Beispiel von Backfisch Udo, nicht entgehen lassen.

Alter Strom in Warnemünde - © Kai Küken

Westmole Warnemünde - © Kai Küken

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
Wer etwas erleben will, sollte einmal beim Eastcoastrun vom zuparken Festival mitfahren. Das ist eine Gaudi. Mit dem VWBus durch die Rostocker Innenstadt bis nach Kägsdorf und dort dann drei Tage lang Strand, Surfen, Musik und im Bulli schlafen. Sehr erholsam das Ganze.

Genauso wie das Immergut in Neustrelitz. Ein schönes, kleines Festival mit gut ausgesuchten Bands.

Wenn keine Festivals anstehen, lohnt sich ein Besuch im Heimatmuseum in Warnemünde. Hier gibt es Eindrücke vom Leben des Fischerdorfes vor Gosch 2 und den ganzen Touristen.

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
Rostock sollte durch die ganzen neuen Bauprojekte nicht zu einer Einheitsmetropole verkommen. Ich würde mir auch sofort die alten Wahrzeichen, wie die Georg Büchner 3 oder den Hansa Filmpalast zurück wünschen.

Für Mecklenburg-Vorpommern würde ich mir mehr Möglichkeiten und Chancen für junge Menschen wünschen. Es ist schade, dass so viele aus beruflichen Gründen das Land und ihre Heimat verlassen müssen.

Die Einheimischen …
…sind alle furchtbar nett, gar nicht so »norddeutsch verschlossen« wie man immer denkt und stellen viel auf die Beine.
Hier in Hannover vermissen wir Aktionen wie »Ponyhof«, »Rock the Ramp«, »Monsterpeng Party« oder »KTVlenzen«.

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
…sind erstmal erstaunt wie direkt und ehrlich die Leute sind - für manche ist das ungewöhnlich.
Ich persönlich habe mich damals sehr schnell hier eingelebt und habe in Rostock meine neue Heimat gefunden. Irgendwann kommen wir sicher zurück.

Wenn ich alt werde …
…möchte ich wieder in Mecklenburg-Vorpommern leben.
Vielleicht sitze ich dann mit meiner Liebe auf der Ulmenbank und gucke den jungen Hipstern zu.

Ein Tipp …
Auf jeden Fall sollte man Standuppaddeln auf der Warnow ausprobieren und sich in die Schlange vor der »Eisscholle« einreihen, um das leckerste Eis überhaupt zu futtern.

Standup Paddeln - © Kai Küken

Wer auf Kreatives und Selbstgemachtes steht, kommt an Nähmarie nicht vorbei. Ihr Laden in der Niklotstraße in Rostock ist ein wahres Kleinod an schönen DIY Dingen.

Ein Wunsch für Mecklenburg-Vorpommern …
Ich wünsche mir, dass junge Leute in ihrer Heimat bleiben und mehr Mut aufbringen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Ich habe das leider erst zu spät begriffen.

Außerdem sollte Rostock nicht durch futuristische Bauvorhaben verschandelt werden. Die Stadt hat so viele, wertvolle historische Ecken, die keinesfalls durch zu moderne Konsumarchitektur verdrängt werden dürfen.

Ein sehr persönlicher Wunsch wäre, dass Paul Kamp endlich ein Album veröffentlicht. Seine Musik spiegelt für mich einen Großteil des Lebensgefühls in Rostock wider.

Ostseestrand in MV - © Kai Küken

Mecklenburg-Vorpommern hol mich zurück…!

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Danke Dir sehr Kai, dass Du zum Interview bereit warst, obwohl es sicher die Heimwehwunden nach Mecklenburg-Vorpommern und besonders Rostock wieder ein bisschen aufgerissen hat. Ich wünsche Dir und Deinen Lieben, dass Ihr nicht zu lange warten müsst, bis Ihr wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurückkehren könnt!

Alle Fotos und natürlich auch die Videos in diesem Interview sind von Kai höchstselbst!
Mehr von Kai findet ihr z.B. hier, hier und hier.

1KTV ist die Abkürzung für die »Kröpeliner-Tor-Vorstadt«, einem Stadtteil von Rostock
2Gosch ist eine Sylter Fischrestaurantkette, die 2009 auch in Warnemünde eines ihrer Restaurants eröffnet hat
3Die »Georg Büchner« war ein unter Denkmalschutz stehendes Schiff, das bis Ende Mai 2013 im Rostocker Stadthafen lag und als Jugendherberge und Hotelschiff genutzt wurde. Leider musste sie verkauft werden, verließ am 28. Mai 2013 den Hafen und sank zwei Tage später am 30. Mai 2013 nördlich der Halbinsel Hel und westlich von Danzig in der Ostsee. Mehr Informationen zum Schiff

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© Christoph Trabert

Name …
Teresa Trabert. Teresa, ohne h – und ja, das ist wichtig!

Geboren in …
… einer ganz anderen Ecke Deutschlands, im kleinen bescheidenen Saarland. Seit ich 2008 dort weggezogen bin und auch Familie und Freunde nicht mehr dort leben, habe ich keinen wirklichen Bezug mehr und keinen Anreiz dorthin zurück zu gehen. Etwas schade daran finde ich, dass ich keinen wirklichen Heimatbezug empfinde – gerade, weil ich diesen hier in Mecklenburg-Vorpommern sehr stark unter den Menschen spüre.

Nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen …
bin ich im Januar 2013, nachdem ich im November 2012 aus dem warmen Kalifornien zurückgekommen bin. Zwar war der letzte Winter sehr kalt und das Ganze ein kleiner Schock, trotzdem habe ich mich sofort sehr wohl hier gefühlt. Ich habe gleich tolle Menschen kennengelernt und die Region lieben gelernt.

Heute lebe ich in …
Rostock. Eine Stadt, die man gerade in Westdeutschland viel zu wenig auf dem Schirm hat. Man hat entweder irgendwelche Vorurteile der Gegend gegenüber oder man assoziiert so gar nichts damit. Das ist schade, ist es doch eine so wunderschöne und so vielseitige Gegend.

Meinen Lebensunterhalt …
verdiene ich momentan beim Kreativsaison e.V. Eine Initiative, die den Kreativtourismus im Land entwickelt und kultur- und kreativwirtschaftliche Akteure, touristische Leistungsträger, Gemeindevertreter, Politiker, Bürger und Visionäre miteinander vernetzen und die Vielfalt und Potentiale des Landes nach außen tragen möchte. Dafür organisieren wir den monatlich stattfinden Kreativstammtisch, immer an welchselnden Orten, v. a. aber im ländlichen Raum. Das ist eine schöne genreübergreifende Plattform zum Vernetzen und Kontakte knüpfen.

Außerdem haben wir gerade zum zweiten Mal die Bloggerreise #balticdiscovery organisiert, bei der junge und internationale Reiseblogger und JungjournalistInnen MV in einer Woche in einem ganz abwechslungsreichen Programm entdecken, Menschen der Region treffen, kreativ tätig werden und anschließend über die Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Hier kann man ein kleines Video von dem Projekt sehen, das tolle junge Filmemacher (RABAUKE Filmproduktion) gedreht haben.

Die Arbeit ist toll, weil sie so abwechslungsreich ist, man immer in Kontakt mit interessanten Persönlichkeiten kommt und man bei der Entwicklung des Landes nicht nur zusehen, sondern mit anpacken kann.

Über den Dächern von Bad Kleinen z.B. fand das Willkommensdinner der Bloggerreise hoch oben auf dem Silo statt, aus dem der ehemalige Bürgermeister Hans Kreher einen kreativwirtschaftlichen Standort entwickeln möchte.

© Christoph TrabertV.l.n.r. Aloys Beenke von Bad Kleinen TV, Friederike Franze von www.freiseindesign.com und Vreni Frost von www.nevereverever.me

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Ich bin ein sehr reiselustiger Mensch, habe bereits an verschiedenen Orten gelebt und kann noch nicht richtig still sitzen. Das heißt also, dass MV zwar einen großen Platz in meinem Herzen eingenommen hat, dass ich aber auch noch einmal weiterziehen möchte - um dann in einer gewissen Zeit höchst wahrscheinlich wieder zurückzukehren. Ich arbeite sehr projektbezogen, sehe mich also durchaus auch aus der Ferne noch hier tätig sein. Dafür liegt mir Mecklenburg-Vorpommern und dessen Entwicklung wie gesagt zu sehr am Herzen.

An einem sonnigen Sommertag …
(ich gehe mal von Freizeit aus…) bin ich natürlich gerne an der Ostsee. An kleinen versteckten Stränden. Aber ich laufe auch super gerne einfach durch den Rostocker Barnstorfer Weg, was für mich ein Weilchen dauert. Hier ein Schnack, da ein bisschen stöbern und Sektchen trinken und am nächsten Eck gleich wieder eine bekannte Person treffen. Das ist das schöne an Rostock, man lebt nicht so anonym und trifft immer Leute. Abends hänge ich dann am liebsten am Hafen oder auf dem eigenen Dach mit bestem Ausblick über den Doberaner Platz ab.

An einem verschneiten Wintertag …
(auch hier gehe ich von Freizeit aus) lunger ich erst einmal zuhause rum, lese, höre Musik, esse. Dann ziehe ich mich warm an, mache mit Kamera einen Schneespaziergang und esse köstlichen Mississippi Mud Pie im »Café A Rebours« in der östlichen Altstadt. Nur zu empfehlen und ein echter Geheimtipp. Danach geht’s wieder unter die warme Decke und ich gucke mir einen Film an. Alleine oder mit den besten Freunden.

© Christoph Trabert

Gut essen …
kann man bei all unseren »Zu Tisch in MV«-Kandidaten!

© Christoph Trabert

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
gibt es hier zuhauf. Menschen sagen, in MV sei nichts los, das ist mal absoluter Quatsch. Ständig sind kleine schöne Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, tolle Ausstellungen, Festivals und so weiter und so fort. Manchmal muss man sich eben etwas besser erkundigen. Okay, ein wirklich gutes Portal, dass das Angebot sammelt, gibt es wirklich nicht. Daher versuchen wir auf unsere Facebook Seite und unserem Blog ein wenig darauf aufmerksam zu machen und die verschiedenen kulturellen Highlights anzukündigen und darüber zu berichten.

© Carsten Gramatzki

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
wäre das vermutlich keine konkrete Sache vor Ort, sondern eher die Wahrnehmung der Menschen von außerhalb. Wie oft hatte ich Besuch und habe komplett überraschte Gesichter gesehen, weil man sich nicht vorgestellt hatte, dass MV so schön sei. Dass Rostock so schön ist und so viel zu bieten hat. Ja, an der Wahrnehmung hapert es noch. Auf Themen wie Kulturpolitik, Mangel an jungen Arbeitskräften und all so ‘ne Faxen komme ich jetzt mal nicht zu sprechen – da wissen wir alle, dass es einiges zu tun gibt.

Die Einheimischen …
Man sagt, sie haben eine harte Schale, wenn die aber erst einmal geknackt ist, dann sind es Freunde für’s Leben. Ich habe wunderbare Menschen hier kennengelernt und allein deswegen bin ich dankbar hierher gekommen zu sein.

© Christoph Trabert

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
möchten oft aufgrund des »Luxusfaktors Ostsee« nicht mehr hier weg. Verständlich. Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Aber man darf nicht vergessen, dass MV noch viel viel mehr zu bieten hat als schöne Strände. Hier steckt so viel kreatives Potential, hier leben so herzliche und interessante Persönlichkeiten, hier gibt es auch im Innenland die tollsten Dinge zu entdecken und erleben.

Wenn ich alt werde …
bekoche ich meine Enkelkinder, die mir währenddessen voller Begeisterung von ihrer aktuellen Theateraufführung erzählen. Abends bekommen wir gerne Besuch, essen mit Freunden zusammen auf der Terrasse, trinken Weinchen und lachen über das Leben.

Ein Tipp …
Mein Tipp ist der: kommt mich in MV besuchen, überzeugt Euch von der Schönheit und Vielfältigkeit des Landes. Und wenn ihr dann hier seid, nehmt gerne Kontakt mit mir oder jemand anderem vom Team der Kreativsaison auf und wir geben Euch zahlreiche Tipps - von Unternehmungungsmöglichkeiten, dem besten Kuchen, von Veranstaltungen und tollen Künstlerorten, von den schönsten Stränden und kleinen Szeneläden.

Ein Wunsch …
Mein Wunsch ist der, dass MV bleibt wie es ist und stetig seinen Gang geht. Es mag sein, dass hier alles fünf Jahre länger dauert, aber es geht voran. Erst neulich habe ich mich mit einem Wiener Schauspieler unterhalten und er sagte: »Ich spüre, dass Rostock eine Perle ist. Hier blüht etwas und es braucht noch ein paar Jahre. Aber wenn es dann soweit ist, dann wird die Stadt boomen«. Ich wünsche mir also, dass dieser »Boom« nachhaltig und im Einvernehmen mit den vor Ort lebenden Menschen geschieht. Der »Boom« soll sich nicht abschreckend auf die auswirken, die die Ruhe hier zu schätzen wissen.

© Christoph Trabert

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Liebe Teresa, auch Dir herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen und uns davon erzählt hast, mit welch unterschiedlichen Projekten und Ideen Du, bzw. das Team von Kreativsaison versucht, Menschen aus anderen Teilen Deutschlands und darüber hinaus, Mecklenburg-Vorpommern näherzubringen und für das Land zu gewinnen. Man spürt Dir Deinen Enthusiasmus und Deine Liebe zu Land und Leuten ab und ich wünsche Dir bzw. Euch, dass Eure Bemühungen auch weiterhin erfolgreich sind und Ihr, die Gäste und das Land selbst davon in guter Weise profitieren können.

Die Fotos zum Interview stammen von Teresas Bruder, Christoph Trabert, der ja hier auch schon Rede und Antwort gestanden hat. Das Foto Nr. 5 (von den Festivalbesuchern) stammt von Carsten Gramatzki.

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© Vera Doneck

Name …
Vera Doneck

Geboren in …
Wismar und gleich danach emigriert.

Heute lebe ich in …
den Feldern um Dambeck - Alt Meteln - Drispeth (und Wismar ist ganz zufällig in der Nähe).

© Vera Doneck

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich …
freiberuflich mit Text/Textil/Musik

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Nein. Hab ich alles hinter mir.

An einem sonnigen Sommertag …
bedaure ich die Menschen, die hier nur im Urlaub sein dürfen.
Das Schönste für mich: die Gluthitze über den Feldern, die Option, mal eben ans Meer fahren zu können, unter Touris sofort Urlaubsgefühle zu bekommen, selbst beim stressigsten Unterfangen, am Abend draußen sein zu können – richtig draußen: mit Horizont, Milchstraße, Grillen, Feuer, Rosé …

© Vera Doneck

An einem verschneiten Wintertag …
bedaure ich die Menschen, die hier nur im Urlaub sein dürfen.
Das Schönste für mich: zu wissen, dass auch die Anderen an der nächsten Schneewehe scheitern. Das weite Land genießen, das mit dem vielen Grün wieder so eng werden wird. Vom Rechner aus die Vögel beim Futtern beobachten. Über die Schneefarben staunen je nach Sonnenstand (der ist nämlich orange und rosa und blau – also Vorsicht beim Weißabgleich!). Schneespuren legen und aufs Herdfeuer freuen.

© Vera Doneck

Gut essen …
Essen als Gesamtkunstwerk (die beste Küche ist immer noch die eigene):
Dorfladen Alt Meteln – liebenswert – zu Mittag brutzeln Dörfler für Dörfler Bouletten & Co.
Nixe in Binz – kreatives Sternelokal – statt Teller gibt’s Feldstein mit Regionalem drauf
Ich weiß ein Haus am See (das heißt so) – no comment, selber googeln
Hafen in Wismar – Fischbrötchen und die Beine übern Kai baumeln lassen
Zur Poeler Kogge – ein must have am Abend: Sonnenuntergang im Meer, davor die Segler, kultige Bedienung, gediegene Küche

Theater, Konzerte, Museen …
Es gibt gut und reichlich, soviel vorab. Weil hier »nichts ist«, wird viel rangeholt: Musiksommer und Festivals aller Coleur z.B. Private etablieren ohne Ende Kino, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen …
Das Problem ist, dass es keine sinnvollen Veranstaltungskalender gibt (man muss im Grunde wissen, wer wo was und dann auf jeder einzelnen homepage suchen) und vor allem, dass die Presse (SVZ Schwerin vor allem) die Kulturlandschaft regelrecht boykottiert: Kultur, die was kostet, ist (natürlich nur bei den Kleinen) Kommerz und der Anbieter muss dazu eine Anzeige schalten (geht’s noch?) (sorry fürs Echauffieren).

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
würde ich den o.g. Machern fristlos kündigen und per Dekret anordnen, dass Kultur einen höheren medialen Stellenwert bekommt.
Ich wünschte, die Bauern hier wären mehr Land-WIRTE, die auch über ihren Ackerrand hinausblicken – ihr Anführer vorneweg.
Ich würde gern Menschen fotografieren, die so gar keinen Wert auf sich selbst legen und sie damit wachrütteln wollen (was ist von Schläfern – nicht Pennern – zu erwarten?!).
Ich würde an vielen Kleinigkeiten schrauben; mit ein wenig gesundem Menschenverstand wäre viel zu bewegen (durchgehende Radwege z.B., die auch von Skatern genutzt werden könnten, Feldrandgehölze nicht beseitigen, etc.). Über große Politik mag ich mich hier nicht äußern, das ist kein Landesproblem.
Ich würde allen Meckerern und Pessimisten empfehlen, dahin zu gehen, wo es besser wäre und mir ins Fäustchen lachen, wenn sich dann keiner fortbewegt.

Die Landmenschen …
würden im Vergleich zu Stadtmenschen niemals tauschen wollen. Könnten es aber – im Vergleich zu den Städtern. Das hat was von Freiheit und Selbstbestimmtheit. Für mich eine sehr reiche Spezies (ähnlich wie Ossi/Wessi; letztere kennen nur EIN System), die auch im wörtlichen Sinne noch Boden unter den Füßen hat.

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
ich kenne nur Leute, die erst pendeln wollten und dann hier angekommen sind. Meist mit sehr viel Energie und Background. Bereicherung und Segen für die Region. Widerliche Großklappen sind überall widerlich und gab/gibt es ebenso unter den Indigenen.

© Vera Doneck

Wenn ich alt werde …
sitze ich mit langem schwarzen Kleid im Schaukelstuhl im Garten und freue mich über das junge Gemüse um mich herum.

Ein Tipp …
Arkona abends bei Mistwetter hinter der Grenze
und – logisch – den dichterGarten

© Vera Doneck

Ein Wunsch für Mecklenburg-Vorpommern …
Liebe

© Vera Doneck

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Herzlichen Dank, liebe Vera, dass Du Dir trotz Deiner vielfältigen Aufgaben im dichterGarten und darüber hinaus, die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wer mal nach Wismar reist, sollte sich den dichterGarten merken und einen Abstecher einplanen!

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© Christoph Trabert

Name …
Christoph Trabert

Geboren in …
Zweibrücken, Rheinland-Pfalz

Nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen …
im August 2013

Heute lebe ich in …
Rostock

Meinen Lebensunterhalt …
möchte ich bald vollständig mit meiner Fotografie verdienen. Ich fotografiere Events wie Hochzeiten, Konzerte und Festivals, Dokumentationen und Reportage und Fashion und Portraits.

© Christoph Trabert

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Tatsächlich bin ich aus Berlin nach Rostock gezogen und habe der Großstadt anfangs hinterhergetrauert. Inzwischen habe ich mich in Land und Leute verliebt und möchte erstmal nicht wieder zurück. Zuvor habe ich in Hamburg, Pforzheim und in der Nähe von Rom gewohnt, aufgewachsen bin ich im Saarland. Mal Großstadt, mal eher ländlich - ich mag beides sehr, halte es aber meistens nicht besonders lange an einem Fleck aus. Bin ich in der Stadt, vermisse ich die Natur, bin ich in der Natur, vermisse ich den Trubel und Dreck der Stadt.

© Christoph Trabert

An einem sonnigen Sommertag …
fahre ich gerne an den Strand, chille am Rostocker Hafen, spaziere durch den Wald oder setze mich einfach auf das Dach unserer Wohnung um zu zeichnen. Hauptsache raus. Aber nicht ohne eine Kamera.

© Christoph Trabert

An einem verschneiten Wintertag …
halte ich es wie im Sommer. Mein Herz gehört der Street-Fotografie und da ist das Wetter unwichtig.

© Christoph Trabert

Gut essen …
kann ich immer noch am besten in der eigenen Küche. Wenn’s mal schnell gehen soll, gehe ich gerne auf einen Makali-Teller zu El-Waleed im Barnstorfer Weg in Rostock. Ich liebe die arabische Küche.

© Christoph Trabert

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit der größten Festivaldichte, und ich versuche jedes Jahr so viele wie möglich mitzunehmen. Die kleinen Parallelwelten, die auf Festivals entstehen, sind mir der liebste Ort zum fotografieren. Die Menschen sind anders drauf, wenn sie sich mal für ein paar Tage vom Alltag lösen können. Momentan arbeite ich an einem Fotoband über Festivalbesucher. Ich muss gestehen, dass ich mir Konzerte oder Museen lieber in größeren Städten anschaue, in denen man hierfür eine bessere Infrastruktur hat.

© Christoph Trabert

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
würde ich die kulturelle Infrastruktur besonders im ländlichen Raum fördern.

Die Einheimischen …
haben mich sehr herzlich aufgenommen und mir sofort das Gefühl gegeben, zuhause zu sein. Wie oben erwähnt bin ich von Berlin nach Rostock gezogen, die guten Freunde, die ich hier gefunden habe, haben mich die geliebte Großstadt schnell vergessen lassen.

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
haben oft irrationale Vorurteile dem Land gegenüber. Das ging mir nicht anders, die meisten wurden aber recht schnell widerlegt.

Wenn ich alt werde …
werde ich, ein Pfeifchen schmauchend, im Schaukelstuhl auf einer Holzveranda sitzen.

Ein Tipp …
für alle, die MV nicht kennen, ist der Gespensterwald in Nienhagen. Am besten gegen Abend, um von einer Bank über’s Meer zu schauen und den Sonnenuntergang zu genießen.

© Christoph Trabert

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Herzlichen Dank, Christoph für Deine Antworten und die vielseitigen tollen Fotografien, die Du für das Interview beigesteuert hast! Ich wünsche Dir, dass Du noch lange in Rostock verliebt bleibst und natürlich viel Erfolg für Deine beruflichen Pläne und den geplanten Festivalbesucher-Fotoband!

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