Seit Tagen, ach seit Wochen, bin ich angefüllt.

Angefüllt mit Entsetzen über das, was in diesem Land und in der Welt passiert.

Angefüllt mit der Enttäuschung über Beziehungen und Freundschaften, die genau jetzt an diesen Fragen zerbrechen. Weil dort plötzlich Dinge zur Sprache kommen und Einstellungen zu Tage treten, die eine Fortsetzung dieser Freundschaften unmöglich machen.

Angefüllt mit Traurigkeit über so viel Hass, Menschenverachtung und Zynismus in diesem Land. Angefüllt mit Enttäuschung über so viel Gleichgültigkeit, Egosimus, Neid, Passivität und Blindheit. Angefüllt mit Scham darüber, wie wir in diesem Teil der Welt uns denen gegebenüber verhalten, die in anderen Teilen der Welt häufig nur ausbaden, was wir ihnen eingebrockt haben.

Angefüllt auch mit Wut auf führende Politiker dieses Landes, die von ihren macht- und wirtschaftspolitischen Ambitionen getrieben, nicht in der Lage sind oder schlicht nicht Willens sind, zu tun was getan werden muss, wenn man sich morgen noch im Spiegel ins Gesicht blicken können will.

Und immer wieder gehen mir Hannah Arendts Worte von der »Banalität des Bösen« durch den Kopf. Wir haben die Banalität des Bösen gerade wieder vor Augen. Wir werden durch Schweigen und Unterlassen wieder zu Tätern und Mittätern.

Wollen wir am Ende auch wieder sagen: »Wir haben nichts gewusst?« »Wir haben nicht gewusst, wie schlimm es war?« »Wir haben damit nichts zu tun?« »Andere hätten ja auch mal was tun können!« »Wir dachten, es geht uns nichts an?« »Was können wir dafür, wenn unsere Politiker …«, »Was können wir dafür, wenn unsere Politiker nicht …«, »Ich habe ja schließlich auch einmal jemandem geholfen, der … (unausgesprochen: »und damit meine Schuldigkeit getan.«)

Das sind alles banale Ausreden. Wir sind gefragt, heute, hier, jetzt und vor allem fortgesetzt! All unsere »Errungenschaften« (materiell wie ideell) sind einen Dreck wert, wenn wir unseren Mitmenschen in der Not unsere Hilfe vorenthalten, und uns von ihnen abwenden.

Meiner Generation ist es eingehämmert worden, das »Wir müssen uns erinnern!«, das »Nie wieder!« Soweit so schön und gut. Jetzt ist sie da, die Probe auf’s Exempel. Jetzt ist es mit Erinnern allein nicht mehr getan. Jetzt reicht das Skandieren und gebetsmühlenhafte Wiederholen der Worte »Nie wieder!« nicht mehr aus. Jetzt muss das alles in praktisches, tatsächliches Handeln umgesetzt werden. Sonst waren das alles Lug und Trug, blanker Selbstbetrug.

Hier erzähle ich jetzt noch eine weitere Geschichte zur Erinnerung, aber nicht um des reinen Erzählens und der reinen Erinnerung willen, sondern um zu verdeutlichen, warum wir jetzt, hier und heute, nicht schweigen, nicht untätig bleiben können. Warum wir viel mehr unsere Stimme erheben, Position beziehen und konkret handeln müssen.

Wir können das nämlich, auch wenn uns manche einreden wollen, wir könnten nicht. Das Boot ist hier noch lange nicht voll! Unser Leben gerät hier noch lange nicht aus dem Gleichgewicht, wenn wir unsere Türen für andere öffnen.

Unser Leben hier bleibt vielleicht nicht so, wie wir es kennen, wie wir vielleicht gedacht haben, es würde immer so weitergehen. Unser Leben hier wird sich verändern, aber wir können darauf Einfluß nehmen und es in nicht unerheblichem Maß mitgestalten.

Die Welt verändert sich. Wir sind und bleiben Teil dieser Welt und so verändert sich die Welt nicht nur in irgendwelchen fernen Ecken auf irgendwelchen anderen Kontinenten, sondern hier bei uns. Wir können uns nicht ewig nur die Rosinen aus der Welt picken. Wenn wir das tun, sind wir mitschuldig. Wir alle können und könnten viel mehr tun und bewegen, wenn wir nur endlich aus unserer Lethargie, Passivität und Bequemlichkeit heraus kommen.

Hier also nun eine wahre Geschichte von Krieg, Flucht, dem Leben danach und was das mit dem Heute zu tun hat:

Meine Mutter wurde 1937 auf einem Vorwerk bei Kalisz (heute Kalisz Pomorski) in der Pommerschen Seenplatte geboren. Sie war die dritte Tochter ihrer Eltern. Zwei Monate nach ihrer Geburt starb ihr Vater an einer Lungenkrankheit. Zurück blieb die junge Witwe mit ihren drei Töchtern. Mehr schlecht als recht brachte sie sich selbst und ihre Kinder mit Näharbeiten und Wäscherei durch. Trotzdem war die kleine Familie zufrieden und dankbar und genoß die pommersche Natur.

Zwei Jahre später brach der 2. Weltkrieg aus. Bis Ende Januar 1945 blieb die Familie in der Nähe von Kalisz. Dann wurden die Meldungen über die heranrückende russische Armee immer bedrohlicher. Erst waren es nur Gerüchte, was die russischen Soldaten mit Frauen anstellten, dann verdichteten sich die Gerüchte, und schließlich wurde aus Gerüchten Gewißheit. Die Mutter meiner Mutter machte sich Sorgen, um sich selbst aber vor allem um ihre Kinder, vor allem die beiden älteren Töchter, die damals 12 und 15 Jahre alt waren und somit im »besonders gefährdeten Alter«.

Sie besprach sich mit ihren Schwiegereltern, die mit auf dem Vorwerk lebten. Der Schwiegervater beschwichtigte und meinte, so schlimm würde es schon nicht kommen. Sie würden einfach abwarten und sehen, wie die Lage sich entwickeln würde. Doch seine Schwiegertochter, die Mutter meiner Mutter war unruhig und beschloß mit ihren Töchtern Richtung Westen aufzubrechen.

Nach Berlin wollte sie, denn dort lebte ihre Zwillingsschwester mit Mann und Sohn. Die kleine Familie packte ihr weniges Hab und Gut, auf einen Leiterwagen, verabschiedete sich von den Großeltern (der Großvater schüttelte mißbilligend den Kopf) und schloß sich anderen Flüchtenden aus der Gegend an.

Auf der Landstraße waren schon viel Flüchtende unterwegs und immer noch mehr kamen entlang der Straße hinzu. Alle waren in Eile und wollten so schnell wie möglich weg nach Westen. Die Straßen wurden immer voller und der Flüchtlingsstrom kam zum Erliegen. Die Straßen waren zu voll gestopft. Es war klirrend kalt und trotz der mehrfachen Kleiderschichten, die alle trugen, froren sie furchtbar. Als schließlich auch noch ein Rad am Leiterwagen zu brechen drohte, beschloß die Mutter meiner Mutter wieder umzukehren, was natürlich schwierig war, da sie nun gegen den Strom unterwegs waren. Schließlich tief in der Nacht erreichten sie das Vorwerk wieder und wurden von den Schwieger- bzw. Großeltern in Empfang genommen.

Innerhalb kurzer Zeit spitzte sich die Lage dermaßen zu, dass sogar der Großvater einsah, dass es wohl sinnvoll war, das Weite zu suchen. So machte sich die Familie - diesmal vollzählig - erneut auf den Weg gen Berlin. Natürlich waren die Straßen alle immer noch voller Flüchtlinge. Sobald man eine der Hauptfluchtstraßen erreicht hatte, kam man nur noch meterweise, teilweise schrittweise voran. Hinter ihnen dröhnten die Geschütze und immer wieder tauchten auch feindliche Flugzeuge auf, die ihre Bomben auf die Straßen und damit auch die Flüchtenden abwarfen und ein blutiges Chaos anrichteten. Mitten drin meine Mutter, achtjährig, mit ihren Großeltern, ihrer Mutter und ihren beiden älteren Schwestern.

Irgendwann im Sommer 1972, ich war 7 Jahre alt, kam ich von der Schule nach Hause (ich war erst kürzlich eingeschult worden) und fand meine Mutter im Badezimmer weinend auf dem Badewannenrand sitzend. Sie vergoß nicht nur ein paar Tränen, sie weinte völlig haltlos. Ich war komplett schockiert. So hatte ich sie bis dahin nur einmal - beim Tod meiner jüngeren Schwester - gesehen. Ich hatte keine Ahnung, was passiert sein mochte und fürchtete, es sei wieder jemand gestorben. Ich versuchte sie zu trösten oder wenigstens herauszubekommen, was geschehen war. Da erzählte sie mir das erste Mal vom Krieg und ihrer Flucht vor den Russen gen Westen. Es war, als ob ein Damm gebrochen war. Sie erzählte und erzählte und von da an, hat sie mir immer wieder ihre Erlebnisse geschildert.

Damals Anfang 1945 waren sie also alle unterwegs und kamen kaum voran. Es war unfaßbar kalt und da sie sich, eingekeilt im Flüchtlingsstrom, kaum bewegen konnten, kühlten sie schnell aus. Zuerst waren es nur einzelne, dann immer mehr, die ermattet und geschwächt zu Boden sanken oder neben der Straße zusammensackten und dort erfroren. Alte, Kinder, Kranke.

Die Mutter meiner Mutter redete ununterbrochen mit ihren Töchtern, versuchte sie irgendwie zu kleinen Bewegungen zu animieren, damit sie ja nicht zu sehr auskühlten oder einschliefen. Am Ende des ersten Tages hatten sie nur einen winzigen Teil des Weges zurückgelegt. In der Nacht wurde es noch kälter. Morgens wachten viele der Flüchtenden gar nicht mehr auf.

Umkehren war keine Option mehr. Es gab nur noch vorwärts. Nach wenigen Tagen waren die Strapazen für die Großmutter der Familie zu viel. Sie wurde krank. Irgendwie fanden sie zumindest einen kleinen Platz in einem Unterstand etwas abseits der Straße. Die Mutter meiner Mutter kümmerte sich um ihre Schwiegermutter und tat was sie konnte, aber schnell war klar, dass es die Ruhr war. Nach 2 Tagen starb die Schwiegermutter. Der Großvater war außer sich vor Trauer und Wut und machte der Schwiegertochter bittere Vorwürfe. Sie habe seine Frau nicht gut genug gepflegt. Seine drei Enkelinnen waren starr vor Schrecken.

Weiter ging die Flucht. Nach zwei weiteren Tagen erkrankte die Mutter meiner Mutter ebenfalls an der Ruhr. Sie hatte sich bei der Pflege ihrer Schwiegermutter und unter den miserablen hygienischen Umständen selbst angesteckt. Binnen 24 Stunden war sie tot.

Da standen die drei nun Vollwaisen, eine Halbwüchsige und zwei Kinder, und mussten zusehen wo sie blieben. Der Großvater hatte kein Wort des Trostes für sie übrig. Alles was er sagte, war »Wir müssen weiter! Lauft!« Die drei Mädchen fassten sich an den Händen bzw. griffen sich einen Kleiderzipfel und ließen sich wie betäubt von der Masse weiterschieben. Schritt für Schritt. Irgendwann auf dem Weg, war plötzlich auch der Großvater nicht mehr da. Er tauchte nie wieder auf und keiner weiß, ob er ebenfalls erkrankt, an Schwäche gestorben oder erfroren ist.

Im wahrsten Sinne des Wortes mutterseelenallein waren die drei Schwestern nun unterwegs. Die Älteste übernahm die Verantwortung für die beiden Jüngeren, und schaffte es irgendwie alle zusammenzuhalten, hier und da etwas zu Essen zu erbetteln, und wenigstens grob in Richtung Berlin zu bleiben.

Meine Mutter erzählte mir, dass sie damals ein einziges Spielzeug besaß. Einen kleinen Teddybären, den sie über alles liebte. Als sie auf die Flucht gingen, wollte sie diesen Teddy mitnehmen. Zunächst verbot ihre Mutter ihr das, ließ sich dann aber doch erweichen. »Ja, sie dürfe den Teddy mitnehmen, aber nur unter der Bedingung, dass sie ihn selbst tragen würde!« Natürlich versprach meine Mutter hoch und und heilig, sie allein würde den Teddy tragen und so ging er mit auf die Flucht.

Als ihre Mutter unter den erbärmlichen Zuständen starb, war dieser Teddybär für meine Mutter ihr ganzer Halt und Trost. Aber es kam, wie es kommen musste. Irgendwann auf der weiteren Flucht, ließen die Kräfte meiner Mutter nach, und schließlich konnte sie den Teddy nicht mehr selber tragen. Sie hatte genug damit zu tun, sich selbst halbwegs auf den Beinen zu halten. Ihre Schwestern konnten und wollten den Teddy natürlich auch nicht weitertragen. Und so stand meine Mutter schließlich vor der Wahl: Allein mit dem Teddy zurückbleiben oder sich von dem Teddy trennen und auch noch ihn zurücklassen.

Dieses Fluchtdetail erzählte sie mir unter anderen damals, als ich sie weinend auf dem Badewannenrand fand. Sie erzählte mir, wie sie ihren Teddy in einen gefrorenen Graben gelegt, sich von ihm verabschiedet hatte, und wie sie dann weinend, ohne ihren letzten Freund und Tröster, mit ihren Schwestern weiter gezogen war.

Ich war wie gesagt gerade mal 7 Jahre alt, als ich diese Geschichte hörte, und sie hat sich mir daher besonders eindrücklich eingeprägt und wurde zum Sinnbild des Schreckens eines Krieges und einer Flucht. Ich konnte mir als Kind kaum etwas Schrecklicheres, Grausameres vorstellen. Natürlich erzählte mir meine Mutter soviel anderes - viel grauenvolleres - Schreckliches, aber das war es, was mich als Kind besonders erschütterte. Alles andere schockierte mich auch, aber es blieb ein vages Entsetzen, weil ich es mir nicht wirklich oder nur sehr rudimentär überhaupt vorstellen konnte. Das mit dem Teddy konnte ich von A bis Z nachvollziehen und nachempfinden.

Im Grunde war es ein Wunder, dass meine Mutter zusammen mit ihren beiden Schwestern es tatsächlich schafften, sich in den Wirren der Flucht, unter Beschuß durch feindliche Flugzeuge, ohne eigenen Proviant (sie erbettelten sich etwas zu Essen) bis nach Berlin durchzuschlagen. Aber schließlich standen die drei halbtot und am Ende ihrer Kräfte vor der Tür ihrer überraschten Tante.

Die musste zusehen, wie sie sich und ihren kleinen Sohn durchbrachte. Ihr Mann war als Soldat irgendwo in Frankreich unterwegs, vielleicht aber auch längst dort gefallen. Was wusste sie schon. Und nun standen ihre drei Nichten vor der Tür, eröffneten ihr, dass ihre Schwester tot war und tja, was nun?

Die Tante sagte den beiden älteren Schwestern, sie könne nicht alle drei bei sich aufnehmen. Sie sagte ihnen, sie sollten zusehen, dass sie irgendwo unterkamen und sich schnell irgendwie ihr eigenes Geld oder wenigstens Kost und Logis verdienten. Meine achtjährige Mutter durfte (»vorerst«, wie die Tante sagte) bei ihr und ihrem Sohn bleiben. Letztlich ist meine Mutter dann bei ihrer Tante geblieben und wurde zusammen mit ihrem Cousin großgezogen.

Ich naives Kind dachte natürlich, nun hätte das Elend für sie ein Ende gehabt. Sie war den Russen entkommen, hatte sich ins »sichere« Berlin gerettet, war mit einem Teil der Familie wieder vereint. Alles gut! Aber natürlich war es so nicht. Sie war nun das zusätzliche Maul, das mit durchgefüttert werden musste. Die eh schon kargen Vorräte mussten noch einmal mehr geteilt werden. Für alle blieb weniger. Freizeit, wie wir Spätgeborenen sie kennen, gab es für sie nicht mehr. Sie musste mit ran im Haushalt, in der Beschaffung von Lebensmitteln.

In der Schule war und blieb sie mit dem vorgeblichen Makel »Flüchtlingsgöre« oder »Flüchtlingskind« behaftet. Ihr wurde nichts zugetraut, sie wurde nicht gefördert. Natürlich es gab viele mehr wie sie. Aber schon damals gab es in den Köpfen der Menschen diese feine Trennlinie zwischen »wir Alteingesessenen« und »ihr Flüchtlinge«. Sie wurde überall nur geduldet, nicht geliebt. Sie musste beweisen, dass sie es wert war, durchgefüttert zu werden. Sie musste beweisen, dass sie mehr im Kopf hatte, als man so einer Flüchtlingsgöre zutraute. Klagen oder gar Ansprüche stellen und seien sie noch so klein, durfte sie schon gar nicht. Es wurde erwartet, dass sie sich klaglos in alles fügte, dankbar und demütig dafür dass man ihr überhaupt erlaubte zu sein.

Ja, man ließ sie nicht verhungern. Man gab ihr Kleidung, dass sie nicht nackt gehen musste. Aber es gab kaum mal mehr als das Allernötigste für sie. Da war keine Mutter, kein Vater mehr, die versuchten ihr das Bestmögliche zu geben. Sie trug Kleidung, bis sie ihr quasi in Fetzen vom Körper fielen und wurde deswegen gehänselt. Niemand hörte sich an, was das traumatisierte Kind zu erzählen gehabt hätte. Mit ihren pubertären Problemen blieb sie sich selbst überlassen. Was sie bekam waren Tadel, nicht Lob. Die Kontakte zu ihren beiden älteren Schwestern waren selten, die mussten selber zusehen, wie sie durchkamen.

Später gab es einen Jungen in den sie sich verliebte. Er war ziemlich beliebt bei den Mädchen und umschwärmt. Als sich herausstellte, dass er ernsthaft Interesse an diesem Flüchtlingsmädchen hatte, wurden die anderen Mädchen gänzlich feindselig. Sie gönnten gerade dem Flüchtlingsmädchen den Schwarm aller Mädchen nicht.

Seine Mutter war entsetzt, als er sie zum ersten Mal mit nach Hause brachte. Ein Flüchtlingsmädchen war nicht gut genug für ihren Sohn. Der konnte doch jede haben, die er wollte! Warum ausgerechnet dieses Flüchtlingsmädchen? Sie tat alles was nur möglich war, ihn davon abzubringen sich weiter mit dem Flüchtlingsmädchen abzugeben. Er setzt sich am Ende durch, eines der wenigen Male in seinem Leben. Auszubaden hatte es die neue Schwiegertochter, das ewige Flüchtlingsmädchen. Die Schwiegermutter änderte ihre Ansicht nie, so sehr das ehemalige Flüchtlingsmädchen auch versuchte sie von ihrem Wert zu überzeugen. Nichts war oder konnte je gut genug sein.

Und dann spielte das Leben dem Flüchtlingsmädchen noch einmal unfreundlich mit. Es stellte sich heraus, dass sie keine Kinder bekommen konnte. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen der Schwiegermutter. War ja klar, wer ein Flüchtlingsmädel nimmt, muss sich nicht wundern, wenn sich herausstellt, dass es »beschädigte Ware« ist.

Was all das mit meiner Mutter anstellte, kann sich jeder selber denken. Innerlich blieb sie bis zu ihrem Tode immer das Flüchtlingskind. Das Flüchtlingskind, dass seine Traumata, seine Verluste, seine Verletzungen nicht überwinden konnte - auch weil sie nicht die Unterstützung bekam, die sie gebraucht hätte - eben weil sie ja »nur ein Flüchtling« war.

Das Schicksal meiner Mutter ist nur eins unter Millionen. Viele haben Ähnliches und noch Schlimmeres erlitten. Manche sind daran zerbrochen, andere waren aufgrund glücklicher Fügungen oder anderer hilfreicher Menschen in der Lage das Erlittene zu überwinden und zu einem wirklich zufriedenen und glücklichen Leben zu finden. Es ist im Grunde nichts Besonderes am Schicksal meiner Mutter.

Aber es war ihr Schicksal, dessen Zeuge ich ab meinem 5. Lebensjahr wurde, dass meinen Blick auf Krieg und Flüchtlinge geprägt hat. Schon als Kind von 7 Jahren war ich fassungslos darüber, dass sich kaum ein Mensch fand, der diesem Flüchtlingskind (meiner Mutter) mit Freundlichkeit und Hilfe zur Seite zu stehen bereit war. Ich konnte nicht fassen, wie man einen Menschen so allein und ohne Hilfe lassen konnte.

Damals schwor ich mir insgeheim: Sollte ich jemals im Leben auf Menschen treffen, die in Not sind, ich würde helfen. Niemand sollte erleiden müssen, was meine Mutter (und natürlich Millionen andere Menschen) erlitten haben. Ich hatte ja noch keine Ahnung, wie vielen solcher Menschen ich in meinem eigenen Leben noch begegnen sollte.

Heute sind mehr Menschen auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung, Verfolgung, zerstörten Lebensbedingungen, wirtschaftlicher Not und was sonst noch Menschen dazu bringen kann, alles aufzugeben, um ein besseres Leben zu gewinnen oder schlicht nur das nackte Leben zu retten, als nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wir leben wahrhaft auf einer Insel der Seligen. Vor unseren Toren spielen sich überall Tragödien und Dramen ab. Und ich kann nicht fassen, wie sich Menschen hier hinstellen und die Augen davor verschließen können. Oder noch schlimmer: hinschauen und sagen, das geht mich nichts an. Ihr bleibt mal schön draußen aus unserem Land (das vielen wie ein Paradies erscheint und vermutlich auch immer noch eines ist!).

Ich kann genauso wenig fassen, dass Menschen, die selbst einmal Flüchtende waren bzw. Nachkommen von Flüchtenden sind, sich heute hinstellen und allen Ernstes sagen: »Uns hat es auch niemand leicht gemacht. Warum sollten es die neuen heutigen Flüchtlinge leichter haben, als wir (bzw. unsere Eltern/Großeltern) damals. Wir (bzw. unsere Eltern/Großeltern) mussten uns alles doppelt hart erarbeiten und denen (den Flüchtenden von heute) sollen wir es jetzt in den Arsch schieben?«

Ich kann nicht fassen, dass wir in all unserem Reichtum hier - und selbst die Ärmsten in diesem Land sind materiell gesehen immer noch reich, gemessen an dem, was andere in anderen Teilen dieser Welt besitzen -, so geizig sind, nicht mal einen Bruchteil abgeben zu wollen.

Ich kann nicht fassen, dass es hier in unserem Land Menschen gibt, die geplante oder sogar schon bewohnte Flüchtlingsunterkünfte anzünden. So viel Haß, soviel Mißgunst, soviel Kleinkarriertheit, wo kommt das her? Ich habe Angst, dass wir bald wieder an Gräbern stehen, weil Menschen die sich hier sicher hofften, in solchen Flammen umgekommen sind.

Ich kann noch weniger fassen, was für eine erbärmliche Rolle unsere Politiker in führenden und ausführenden Positionen in der ganzen Situation spielen, was Beamte dieses Staates und andere Verantwortliche teilweise in laufende Kameras absondern und wie sie sich angesichts der Not verhalten.

Ich schäme mich in Grund und Boden für all das und kann es schier nicht fassen. Und gleichzeitig sagt mir meine innere Stimme: Eigentlich hast Du gewusst, dass es so ist und so kommen würde. Du hast gewusst, wie dünn der Firnis der Zivilisation, der Toleranz und des vielbeschworenen »Miteinanders« bei vielen ist. Was bist Du so fassungslos? Du hast es gewusst.

Und doch, es gibt zum Glück und für mich auch zum Trost, immer noch Menschen, die ihre Türen und Herzen weit öffnen, die bereit sind auf jede ihnen mögliche Art und Weise zu helfen, wo Hilfe Not tut. Ich wünsche mir so sehr, dass die Zahl dieser Menschen größer ist als die Zahl jener, die diejenigen, die in größter Not an ihre Tür klopfen, abweisen. Ich wünsche mir so sehr, dass diese Menschen aufstehen und laut Einspruch erheben gegen diejenigen, die auf die Schwächsten der Schwächsten losgehen, verbal oder buchstäblich.

Wir alle sind Menschen. Keiner von uns hat mehr Recht auf Freiheit, Frieden, ein gutes Leben, als irgendein anderer. Meine Freiheit, mein Frieden, mein gutes Leben ist bedroht, wenn Freiheit, Frieden und das gute Leben meines Mitmenschen bedroht ist.

Komme mir niemand mit »Wir können schließlich nicht allen helfen!«, denn das ist nur eine Ausrede, um denen nicht zu helfen, die längst vor unserer Tür stehen, und denen wir sehr wohl helfen könnten, wenn wir nur wollten.

Machen wir die Augen auf und sehen wirklich, was vor unseren Augen geschieht!

Machen wir den Mund auf, wenn wir verleumderische und bösartige Sprüche oder Lügen in Bezug auf die Flüchtenden und deren Situation hören! Halten wir mit Fakten dagegen, beziehen deutlich Position! Werden zum Fürsprecher für die, die sich hier zu uns geflüchtet haben oder flüchten wollen.

Wir können vielleicht nicht verhindern, dass es in dieser Welt Flüchtende gibt und immer geben wird, aber wir können sehr wohl etwas tun für diejenigen, die es bis zu uns schaffen und ihnen helfen nicht nur hier anzukommen, sondern das, was sie erlebt haben, zu verarbeiten und zu überwinden und sich ein neues Leben aufzubauen.

Haben wir den Mut und Anstand unsere Herzen weit zu öffnen, sie sprechen zu lassen und ihnen dann zu folgen und zu tun, was wir tun können!

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6:30 Uhr: Eine Stunde bevor der Wecker klingeln sollte aufgewacht. Kurz überlegt, ob so tun, als ob ich es nicht bemerkt hätte. Dagegen entschieden.

Balkontür auf und tatsächlich noch kühle frische Luft hinein gelassen.

6:50 Uhr: Fixes Frühstück: Toast & Tweets. Dabei in einem Tweet gelesen, dass heute WMDEDGT? (Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?)-Tag ist (wie jeden 5. eines Monats! und ausgerufen von Frau Brüllen) und gedacht: Toll, ich muss heute Abend nicht zum drölfzigmillionsten Mal denken: Mist, heute war WMDEDGT?-Tag und ich hab’s wieder verpasst mitzumachen! Wie so häufig bin ich Spätzünder oder »Late Bloomer«. Überhaupt, eine meiner Superkräfte: mit Elan auf den Zug aufspringen, wenn der schon in den Zielbahnhof einfährt und abbremst, und mich kurz darauf wundern, wieso alle aussteigen und der Zug nicht weiterfährt. ;-)

7:30 Uhr: Nicht zu spät, eher zu früh (das halbe Haus schlief noch, inklusive Teile meines Gehirns), an die heute morgen anstehenden Putzaufgaben begeben. Später wird’s eh zu heiß. Während des Putzens wieder versucht eines der großen Rätsel der Menschheit zu lösen. Welches verrate ich, wenn ich die Lösung gefunden habe. Also wahrscheinlich nie oder kurz nachdem jemand anderes sie nicht nur gefunden, sondern bekanntgegeben hat (Sie erinnern sich: Spätzünder -> Zug -> Bahnhof -> EndeGelände).

Während des Putzens außerdem die gestrige Ausgabe der in Schweden beliebten Radiosendung »Sommar«, die dort Kultcharakter hat, nachgehört. Während der Sommerwochen werden dort interessante Menschen aus allen möglichen Bereichen wie Film, Theater, Musik, Literatur, Sport, Politik, Soziales etc. eingeladen und dürfen etwa 1 1/2 Stunden das Programm selbst gestalten. Das ist wirklich meist sehr interessant. Gestern war der Tänzer und Choreograf Alexander Ekman dran und seine Musikauswahl wirkte sich denn auch positiv auf die Putzaktion aus. Kurz unterbreche ich das Putzen, als die Kraniche, wie jeden Morgen, laut rufend über unser Haus hinwegziehen. Ich sehe ihnen gerne nach, wenn sie so im Formationsflug vorbeifliegen.

9:00 Uhr: Nach Abschluß der Putzarbeiten, geduscht. Draußen mittlerweile voller Sonnenschein und steigende Temperaturen. Das wird heute wieder schön warm.

9:20 Uhr: Kurzer morgendlicher Plausch mit einer der WG-Mitbewohnerin.

9:30 Uhr: Ran an den Schreibtisch und einiges weggearbeitet sowie anstehende Telefonate erledigt.

10:45 Uhr: Zwischendrin die Tagesernte grüne Bohnen geschnippelt. Schrieb ich kürzlich hier im Blog:

»Die grünen Bohnen erscheinen meinem Laienauge ein bisschen schwächlich auf der Brust und auch nicht so zahlreich, wie gedacht, aber was weiß ich schon. Vermutlich ernten wir am Ende Massen an Bohnen und wissen nicht mehr wohin damit!«

Jetzt stellt sich heraus, es waren prophetische Worte. Die grüne Bohnen-Ernte fällt dieses Jahr überreichlich aus. :-)

11:15 Uhr: Noch etwas weiter am Schreibtisch gearbeitet und dann telefonisch einen Besuch Anfang kommender Woche festgezurrt. Also jemand kommt uns besuchen. Höchstwahrscheinlich werden es sogar noch mehr Besucher - es ist Ferienzeit, da erinnern sich viele gerne relativ spontan an ihre Freunde in Ostsee-Nähe. ;-) Aber ja, wir freuen uns! :-)

12:00 Uhr: Die Glocke läutet und ruft alle WG-Bewohner zum Mittagessen. Es gibt mit Käse überbackenen Nudelauflauf und diesen grandiosen Bohnensalat, selbstverständlich mit frischen Bohnen, Tomaten und Basilikum aus dem Garten. Ein wunderbarer Sommersalat für heiße Tage. Die Reste sicherte ich mir gleich noch für mein Abendessen.

12:45 Uhr Kurzer Ausflug auf die Terrasse. Es ist eindeutig zu heiß, um draußen zu bleiben. Also wieder rein und im etwas abgedunkelten Zimmer nochmal an den Schreibtisch, Weiteres abarbeiten. Die Kater liegen ziemlich demonstrativ faul in der Gegend herum, was meiner Motivation einen kleinen Dämpfer gibt.

13:15 Uhr: Die Post war da und hat mal was für mich gebracht, was nicht Werbung oder Rechnung ist, nämlich eine Postkarte aus Konstanz, und ein handgeschriebener Brief von einer Freundin aus Österreich über den ich mich sehr freue, weil a) handgeschrieben (ist heutzutage ja schon fast eine Seltenheit!), b) wir in 95% über Mails und 3% über Telefon kommunizieren und der Brief daher eine echte Überraschung ist und ich c) weiß, dass sie eigentlich gerade mega viel um die Ohren hat.

Apropos Postkarten, die nehmen auch von Jahr zu Jahr ab. Ich prangere das an! Klar, über Internet geht alles schneller und schließlich hat man ja Urlaub und will nicht ewig und drei (Urlaubs)Tage Postkarten an die Daheimgebliebenen schreiben, aber schön war’s doch, als man als Daheimgebliebener zum Trost wenigstens schöne bunte Postkarten mit Ansichten aus aller Welt bekam. Heute löst schon eine Postkarte aus Konstanz Freudentaumel aus, ich meine Konstanz!!! (Tschuldigung an alle Konstanzer! ;-) )

13:30 Uhr: Ich weiß nicht, ob der Freudentaumel der Auslöser ist oder was anderes aber ich habe eine Eingebung und trage »WMDEDGT?« als wiederkehrenden Termin in mein Todoist ein, inklusive rechtzeitiger Erinnerung. Warum ist mir das nicht schon viel eher eingefallen? \o/

13:40 Uhr: Zeit mal wieder Twitter zu checken. Lese einige längere Texte und Artikel online.

14:30 Uhr: Die Kater haben gewonnen, ich lege eine kurze Mittagspause ein.

15:00 Uhr: Pflaumenkuchen mit gebrannter Mandelkruste dazu Eiskaffee und Schwatz über dies und das mit WG-Mitbewohnerin. Wir verabreden uns für später.

15:30 Uhr: Bisschen weiter arbeiten, Musik hören und zwischendrin das ein oder andere twittern.

16:30 Uhr: 3/4 der WG packen ihre Badesachen und Handtücher, und ab geht’s zu unserem Badesee für eine kleine Abkühlung und Erfrischung. Es tut - wie immer - gut nach der Sitzerei am Schreibtisch den Körper lang zu machen und etwas zu schwimmen. Das Wasser ist nach der Abkühlung heute Nacht relativ frisch, so dass ich versuche in Bewegung zu bleiben, um nicht zu schnell auszukühlen. Bei den angekündigten Temperaturen für die nächsten Tage wird sich auch das Wasser schnell erwärmen. Immer noch kühl genug um sich bei großer Hitze abzukühlen, aber nicht mehr so kalt, dass man schnell anfängt zu frieren.

Während ich so vor mich hinschwimme, entdecke ich Herrn und Frau Schwan, die gerade ihre vierköpfige Kinderschar spazierenschwimmen. Offenbar geht das Paar davon aus, dass der See eigentlich ihnen gehört und nähert sich mit den Kleinen bis auf 2 Meter. Ganz geheuer ist mir das nicht, denn die Elterntiere beäugen mich wachsam und misstrauisch, und bei Schwänen mit Nachwuchs muss man auf alles gefaßt sein. Ich möchte nicht gerne von einem erbosten Schwanenelternteil im Wasser attackiert werden, besonders nicht wenn es so tief ist, dass ich nicht mehr stehen kann. Also schwimme ich möglichst unauffällig nach rückwärts weg von den Schwänen. Die Kleinen piepsen in einem fort und gucken neugierig. Sehr niedlich, aber ich denke die ganze Zeit: kommt bloß nicht auf die Idee das komische Objekt im Wasser genauer anschauen zu wollen! Die Schwaneneltern lotsen ihre Kleinen weiter, machen einen eleganten Bogen und schneiden mir Richtung Ufer quasi den Weg ab. Na toll! Wieder schwimmen sie mit den Kleinen bis auf 2 Meter an mir vorbei. Ich verhalte mich möglichst ruhig und lasse sie ziehen. Endlich orientieren sie sich Richtung Schilfgürtel und verschwinden spurlos darin. Jetzt kann ich ans Ufer zurückschwimmen und bin froh, dass ich ohne Attacke davon gekommen bin. Noch ein bisschen in der Sonne aufwärmen auf dem Steg, dann geht’s wieder nach Hause und unter die warme Dusche, denn inzwischen ist mir doch etwas kalt.

18:15 Uhr: Der Schreibtisch hat mich wieder. Ich will noch ein paar kleinere Sachen erledigen.

19:00 Uhr: Heute Nachrichten und nebenher schnell etwas zu Abend essen. Der Rest Bohnensalat, Sie erinnern sich?! Noch genauso lecker, wie am Mittag. Allerdings vergeht mir sehr schnell der Appetit ob der furchtbaren Meldungen. Wieder viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Es ist schier nicht mehr zu ertragen! Unsere Nachkommen werden fragen: »Wie konntet Ihr das zulassen?!« :-( Die türkische Luftwaffe bombt mal eben auf Verdacht ein kurdisches Dorf in Schutt und Asche. Es gibt viele zivile Opfer, oder wie es im Militärsprech heißt »Kollateralschäden«. :-( In Deutschland kocht die »Landesverrat-Affäre« weiter vor sich hin.
Und den deutschen Milchbauern steht die Milch das Wasser bis zum Hals, weil sie z.Zt. von 51 Cent pro Liter Milch, die in den Discountern bezahlt werden, nur 28 Cent bekommen.

19:30 Uhr: Ich gieße die Erdbeer-, Paprika- und Tomatenpflanzen und freue mich über weitere Tomaten, die in den nächsten Tagen wohl erntereif sein werden. In die Sorte »Zuckertraube« habe ich mich bereits verliebt. Fruchtig-süß mit ganz leichter Säure, ein echter Genuß.

Während ich auf dem Balkon zugange bin, fahren die mächtigen Erntemaschinen vorbei, deren Brummen und Piepsen jetzt wieder bis tief in die Nächte hinein zu hören sein wird.

19:45 Uhr: Den Abend verbringe ich damit, an der »Auftrags-Überraschungsdecke« weiter zu häkeln. Dabei höre ich noch einige Podcast-Episoden, die über Tag herein gekommen sind. Zwischendrin werfe ich einen Blick auf meine Twitter-Timeline fave, retweete, twittere selber und bestelle meine »Hay Day-Farm« und tausche zu meiner großen Freude Nachrichten mit einer lieben Freundin, von der ich in letzter Zeit nichts gehört habe.

Irgendwann zwischen Mitternacht und 1 Uhr werde ich ins Bett wandern, noch ein paar Seiten lesen und spätestens um 2 Uhr das Licht ausmachen. Morgen muss ich früh auf.

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Balkon-Paprika - © Liisa

Ja, da schaut Ihr, was? Das sind meine Paprika, also eine der Sorten, die ich dieses Jahr erstmals auf dem Balkon ziehe. Zwei der Paprikasorten, produzieren im Moment ganz ordentlich Paprika, denen ich quasi stündlich beim Wachsen zusehen kann. Ich kann mein Glück kaum fassen und warte jetzt schon gespannt, wann die Paprika anfangen Farbe aufzulegen. Gelbe und Rote Paprika sollen es am Ende sein. Ich bin gespannt! Die dritte Paprikasorte fängt gerade an Paprika zu entwickeln, die sind aber wirklich noch klitzeklein, Baby-Paprika sozusagen. Vielleicht lässt sich die Pflanze ja von ihren Nachbarn rechts und links anspornen und legt dann eine ähnliche Geschwindigkeit beim Wachsen der Paprika vor, wie ihre Vorbilder. Anyway, es ist immer noch alles mega-spannend.

Balkon-Tomaten - © Liisa

Taadaa! Das ist die erste von mir selbstgezogene Tomate meines Lebens! Vor einigen Tagen habe ich sie geerntet. Ich habe kurz überlegt, sie in Gießharz zu konservieren und dann à la Damien Hirst als Kunstwerk auf meinen Schreibtisch zu stellen. ;-) Letztlich war die Neugier nach dem Geschmack dann aber doch größer. Und ich kann sagen, der Geschmack war wirklich großartig. Am liebsten hätte ich gleich noch zwei, drei weitere Tomaten hinterher gegessen. Nur, leider war erst die eine Tomate reif. Ich muss also noch etwas warten.

Balkon-Tomaten - © Liisa

Die Tomatenpflanzen tragen inzwischen eine ganz gute Anzahl an Früchten, wobei ich gespannt bin, wie groß die Tomaten am Ende wirklich werden. Da es Cocktail-Tomaten sind, natürlich nicht riesig, aber ich fürchte ein bisschen, sie könnten relativ klein ausfallen. Die geerntete Tomate ist die bisher größte gewesen und war etwa Golfballgroß. Na, ich werde es ja bald wissen. Auf jeden Fall ist das Projekt »einmal Tomaten auf dem Balkon ziehen, und wenigstens eine Tomate ernten können« (ja, ich habe nicht gleich nach den Sternen gegriffen, sondern ein bescheidenes Projektziel gewählt) erfolgreich abgeschlossen. Alle weiteren Tomaten, die ich noch ernten kann, sind somit Zugabe. :)

Gemüse- und Nutzgarten - © Liisa

Zum Glück sind wir ja nicht von meiner Balkon-Ernte abhängig, denn natürlich haben wir im Garten auch einen »Gemüse- und Kräutergarten«, von dem ich Euch heute mal ein paar Fotos zeigen möchte. Mein Beitrag zu diesem Garten ist nur sehr geringfügig. Ich habe dabei geholfen die Steckzwiebeln der Sorte »Stuttgarter Riesen« zu setzen. Da konnte man nicht viel falsch machen. ;-)

Ansonsten ist der Gemüse- und Kräutergarten das Reich meines Garten-Yodas und wie Ihr gleich seht, mein Garten-Yoda weiß im Gegensatz zu mir, was sie tut und wir können über die Ernte nicht klagen.

Mein Beitrag zu diesem Garten bestand und besteht in der Hauptsache darin, sehr regelmäßig Schnecken, die sich in den Garten verirrt haben, herauszusammeln und per Luftfracht zu expedieren. Ich war also sozusagen die erste Verteidigungslinie im Garten, und ich glaube, ich habe mich ganz gut geschlagen. Nun aber ab in den Garten!

Pfefferminze - © Liisa

Ich bin erfreut, über reichlich Pfefferminze in diesem Jahr. Wir haben zwei Sorten Pfefferminze im Garten, wobei ich die echte marokkanische Pfefferminze vorziehe (steht in einer anderen Ecke des Gartens und wurde nicht fotografiert).

Knoblauch - © Liisa

Kräuter haben wir allerhand im Garten. Manche entwickeln sich dieses Jahr sehr schön, andere nicht so recht. Das wechselhafte Wetter bekommt einigen Kräutern nicht wirklich. Aber wie ich inzwischen schon gelernt habe: »Etwas Verlust ist immer im Garten!« Die nächsten Fotos sind quasi selbsterklärend. ;-)

Basilikum - © Liisa

Thymian - © Liisa

Oregano - © Liisa

Es gibt noch allerlei andere Kräuter im Garten, die ich aber nicht alle einzeln fotografiert habe, sonst wäre dieser Blogeintrag noch länger geworden.

Pepperoni - © Liisa

Die Pepperoni übt sich im Erröten, so dass wir wohl bald einige ernten können, allerdings scheint mir dieses Jahr kein so gutes Pepperoni-Jahr zu werden, wie das vergangene.

Kürbisse- © Liisa

Die Kürbisse (Butternut und Roter Zentner), es sind haben ja noch Zeit bis zur Ernte. Wir haben sie dieses Jahr zum ersten Mal direkt in den Nutzgarten gepflanzt, sonst waren sie an anderen Stellen im Garten.

Pflücksalat- © Liisa

Na, ist der Pflücksalat nicht eine Pracht? Er wurde und wird aber auch eisern gegen die in Heerscharen anrückenden Schnecken verteidigt! Die meisten Schnecken schaffen es gar nicht erst bis an ihn heran, sondern werden schon vorher abgefangen und die ein, zwei, die es doch bis zum Pflücksalat schaffen, haben höchstens Zeit ein, zwei Bissen von ihrer »Henkers-Mahlzeit« zu nehmen, bevor sie in hohem Bogen über den Zaun auf die dahinter liegende riesige Wiese fliegen. Da brauchen sie eine Weile, bis sie sich wieder an den Salat heran gearbeitet haben!

Rote Beete - © Liisa

Die Rote Beete macht sich ebenfalls bestens. Das wird glaube ich eine stattliche Ernte. Ich bin sehr gespannt darauf! Genauso wie auf den roten Mangold, der sich dahinter versteckt.

Grüne Pflückbohnen - © Liisa

Die grünen Bohnen erscheinen meinem Laienauge ein bisschen schwächlich auf der Brust und auch nicht so zahlreich, wie gedacht, aber was weiß ich schon. Vermutlich ernten wir am Ende Massen an Bohnen und wissen nicht mehr wohin damit!

Steckzwiebeln Stuttgarter Riesen - © Liisa

Noch ein kurzer schneller Blick auf einen kleinen Teil der Stuttgarter Riesen, also auf die Steckzwiebeln, die sich prächtig machen. Da dürfte die Ernte ähnlich großzügig ausfallen, wie im vergangenen Jahr.

Tomaten - © Liisa

Die »richtigen« Tomaten machen sich Dank der Pflege des Tomatenmeisters hier im Haus, ganz prächtig! Der widmet sich mit großer Leidenschaft, der Aufzucht selbiger und verfeinert das Verfahren von Jahr zu Jahr um winzige Nuancen. Wenn die Ernte ähnlich hoch ausfällt, wie im vergangenen Jahr, leben wir wieder den kompletten Winter von unseren eigenen Tomaten.

Tomaten - © Liisa

Tomaten - © Liisa

Außerdem wachsen unter dem Dach auch noch Zucchini und Schlangengurken heran. Die hab ich aber nicht fotografiert, dafür hätte ich nämlich das sorgsam vom Meister hergestellte Mikroklima stören müssen, und das konnte ich natürlich nicht verantworten. Glauben Sie mir einfach, dass die da unter idealen Bedingungen heranwachsen!

Brombeerhecke - © Liisa

Ebenfalls nicht fotografiert habe ich die riesige Himbeerhecke, die es am einen Ende des Gartens gibt und die mich jedes Jahr erneut in Erstaunen versetzt, ob der schieren Menge an Himbeeren, die sie hervorbringt. Es ist eine späte Sorte und somit - was mich sehr erfreut - maden- und wurmfrei! Die ersten Früchte zeigen sich, sind aber noch winzig, deswegen auch (noch?) kein Foto.

Nicht mehr lange und es beginnen wieder die »Himbeerwochen« in der WG! Das bedeutet, die Himbeeren werden in allen nur möglichen Varianten gereicht, und wenn wir sie wirklich wirklich nicht mehr sehen und essen können, werden sie eingefroren. Die Nachbarn haben übrigens die Erlaubnis von der Rückseite der Hecke zu pflücken und kommen dem gerne regelmäßig nach. Nach der ersten Himbeer-Euphorie, die allerdings eine Weile anhalten kann, werden die Himbeeren auch gerne großzügig verschenkt. Wo um alles in der Welt kommen diese Massen Himbeeren bloß her?! Wirklich ich hatte schon Himbeer-Alpträume, ähnlich dem Märchen, wo der (Reis?)Brei immer weiter aus dem Topf quillt und schier nicht mehr aufzuhalten ist.

Sie fragen sich, was das denn dann für eine Hecke ist, da oben auf dem Foto? Es ist unsere Brombeerhecke, die zu meiner großen Freude von Jahr zu Jahr größer und umfangreicher wird.

Brombeerhecke - © Liisa

Tatsächlich ziehe ich nämlich Brombeeren den Himbeeren etwas vor. Ich freue mich schon darauf, bald wieder Brombeerkuchen mit frischen eigenen Brombeeren zu backen und vielleicht noch das ein oder andere neue Brombeer-Rezept auszuprobieren.

Dornröschenhecke - © Liisa

Zum Abschluß des heutigen Garten-Rundgangs noch ein Foto, das zumindest einen kleinen Ausschnitt unserer »Dornröschen-Hecke« zeigt. An dieser Rosenhecke erfreue ich mich jedes Jahr auf’s Neue, weil sie so wahnsinnig viele schöne Blüten hervorbringt. Es ist fast wie eine Wand aus Rosen, nur viel schöner und leichter natürlich. Schade, dass die Rosen immer relativ schnell verblühen.

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