Pfingsten ist vorüber, der sehr anspruchsvolle und anstrengende Besucher wieder weg und damit liegt der Berg, der sich vor mir aufgetürmt hatte und schon seit Januar drohte, hinter mir. Irgendwie erschüttert es mich jedesmal aufs Neue, zu merken, wie erleichtert ich bin, wenn das hinter mir liegt.

*

Aus der ARTE-Mediathek habe ich die Dokumentation über Astrid Lindgren nachgeguckt. Sie hat auch ihr Teil an Schwerem im Leben gehabt. Mit 18 schwanger geworden und ihren Sohn Lasse in der Fremde bekommen und für drei Jahre bei einer Pflegefamilie zurücklassen müssen, bis sie ihn schließlich wieder zu sich nehmen konnte. Diese Entscheidung, zu der sie sich durch die äußeren Umstände gezwungen sah, hat sie bis zum Ende ihres Lebens bereut und die sie als Quelle einer tiefen Traurigkeit benannte, die es in ihr gab. Später verheiratet mit einem Mann, der ihr, ihrem unehelichen Sohn und den weiteren Kindern, die in dieser Ehe geboren wurden, zwar ein Heim bot, sie aber mehrfach betrog und am Ende zum Alkoholiker wurde. Der zweite Weltkrieg mit all seinem Schrecken, in dem sie im Widerstand tätig war. Noch später dann der Sohn, der ebenfalls zum Alkoholiker wurde und mit nur 59 Jahren an einem bösartigen Hirntumor starb. Und trotz alledem, war sie fähig wunderbare Bücher zu schreiben und Figuren zu schaffen, die Kinder und Erwachsene in aller Welt liebten und lieben. Diese Mischung aus Nüchternheit, Bescheidenheit und Pragmatismus, die so viele (alte) Schweden auszeichnet und natürlich ihre Fantasie, die aber immer auch Wurzeln in der Realität hatte.

Wieder einmal habe ich mich in diesem Zusammenhang gefragt, was genau es ist, das Menschen befähigt, etwas aus ihrem Leben zu machen, ihre Ziele zu verfolgen und auch zu erreichen. So viele Faktoren spielen da hinein. Astrid Lindgren hätte genauso gut auch scheitern, an ihrer Lebensgeschichte zerbrechen können. Aber sie war fähig alle Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden und sogar noch etwas Gutes daraus entstehen zu lassen.

Warum sind manche Menschen fähig dazu, und andere trotz allem Bemühen, eben nicht? Warum sind manche Menschen immer oder fast immer zur rechten Zeit, am rechten Ort, um die passgenauen Chancen, die sich ihnen bieten ergreifen zu können, während andere immer einen Schritt zu spät kommen, ohne dass ersichtlich oder erklärbar ist, wieso?

»Schicksal!« - reicht mir nicht als Erklärung. Aber wenn es tatsächlich so wäre, wie kann man dann irgendeinem Menschen, sein (Lebens)Elend zum Vorwurf machen? Wie ungerecht ist das dann? Der, dem das »Schicksal« (fast) immer lacht, erntet obendrein noch Ruhm und die Bewunderung der anderen und hat doch unter Umständen nicht mehr dafür getan, wie der, dem »das Schicksal nicht hold war«. »Jeder ist seines Glückes Schmied!« ist ein hehrer aber meiner Meinung nach unwahrer Satz, der zudem schon manchen endgültig zu Boden geschickt hat.

In dem Zusammenhang erinnerte ich mich wieder an etwas, das ich vor einiger Zeit bei Andre Spiegel las und das einen Teil des Dilemmas (Stichwort »Aufmerksamkeitskommunismus«) benennt:

»Es gibt so und so viel Output auf der Welt, und so und so viel Aufmerksamkeit, die für ihn zur Verfügung steht. Nach welchem Schlüssel könnte man diese Aufmerksamkeit zuteilen – wieviel Aufmerksamkeit darf ein Autor gerechterweise auf sich lenken, bevor sein Verhalten asozial wird und kulturschädigend.«
Quelle

Diese Frage, betrifft nicht nur Autoren, sie betrifft im Grunde alle Menschen. Je größer, erfolgreicher, strahlender, etc. etc. wir werden, desto größer wird auch unser Schatten, aus dem viele andere nicht mehr heraustreten können. Wer es ganz nach oben geschafft hat, hat dabei immer andere nach unten in den Staub getreten. Es geht vermutlich gar nicht anders.

Die Frage ist, vielleicht viel eher, ob wir uns dessen bewusst sind und bleiben. Das unser Erfolg (egal in welchen Bereich) immer auf Opfern anderer beruht. Der Mensch neigt aber wohl dazu, diese unangenehme Erkenntnis zu verdrängen, und sich lieber ganz den Strahlen der Erfolgssonne zuzuwenden.

Im Konkurrenzkampf des Lebens gibt es Gewinner und Verlierer, so ist das Leben. Für manche hält sich im Laufe eines Lebens die Waage zwischen Gewinnen und Verlusten letztlich in der Balance, aber für manche schlägt sie eben in eine der beiden möglichen Richtung aus. Das Leben an sich ist eben nicht gerecht oder fair.

Man kann nur versuchen, so gut es geht, andere mitzunehmen auf die Gipfel, dorthin wo es strahlt und scheint und möglichst wenig Opfer am Wegesrand zurückzulassen. Oder zu versuchen, so gut es geht wieder gut zu machen und auszugleichen, was man verursacht hat. Achtsamkeit, Rücksicht- und Anteilnahme nennt man das wohl.

*

Ich werde nie begreifen, warum so viele Menschen ernsthaft glauben, jemand der sich schwer tut, sich verbal oder schriftlich auszudrücken, sei »irgendwie dumm«, »habe nichts zu sagen/beizutragen« oder sei »eben nicht sehr intelligent«. Damit wird so vielen Menschen schlicht Unrecht getan. Das fängt teilweise schon in der Schule an, wo stillen Kindern unterstellt wird, sie würden nichts verstehen oder hätten nichts beizutragen. Ich weiß nicht, wie das heute ist, aber zu meiner Schulzeit wurden dafür sogar schlechtere Noten vergeben. Schweigen ist aber nicht gleichzusetzen mit »Dummheit«. Mancher Schweigsame hat mehr im Kopf als die, die am lautesten schreien, und die dauernd zu allem etwas zu sagen haben.

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Vanessa hat angefangen, Pia hat fortgesetzt und ein »Stöckchen« draus gemacht und ich als relative Garten-Novizin kann einem solchen Stöckchen natürlich nicht widerstehen.

1. Wer ernten will, muss erst schwitzen und gelegentlich bluten.
Ich stehe mit den meisten Insekten auf Kriegsfuß und ganz besonders mit blutsaugenden Exemplaren. Im Garten aber gibt es kein Entkommen. Es kribbelt und krabbelt, ich lerne sogar Insekten kennen, von deren Existenz ich bisher nicht einmal etwas ahnte. Und natürlich gibt es auch Mücken, die im Bruchteil von Sekunden erkennen, dass mein Blut offenbar besonders schmackhaft ist. Ich habe also die Wahl, entweder ich stelle mich den kribbelnden, krabbelnden und stechenden Mistviechern Tierchen oder es wird nur eine leere Brache und keine Ernte geben.

2. Wer gärtnern will, darf keine Angst vor Schmutz und Dreck haben.
Gartenfern aufgewachsen und vor allem erzogen, mit starker Betonung des Dreiklangs: Sauberkeit, Ordnung und Manieren, war ein Garten aus Sicht der Erziehenden ein potentieller Quell des Grauens. Kein Wunder, dass gehobene Stände früher eigens Gärtner bzw. Knechte und Mägde beschäftigten, die sich im Garten die Hände für die feinen Herrschaften dreckig machen durften. Sich im Garten aufhalten, Blumen und Bäume bewundern, die Früchte der Bäume und Hecken, die Ernte aus dem Nutzgarten genießen, alles gut und fein. Aber sich selber die Hände dafür schmutzig machen? Nein, danke! Das war die ausgegebene Devise! Was man sich da alles einfangen könnte!! Was in Gartenerde an Keimen, Bakterien, etc. lauert! Und überhaupt Erde unter den Fingernägeln ist total unakzeptabel! Sie verstehen, es ist eigentlich ein Wunder, dass irgendwo, tief in mir, ein Rest an echter Gartenneugier und -freude überlebt hat.

Und nun, war und ist die Chance da, dass ich mir entgegen aller Warnungen und anerzogenen Verhaltensweisen so richtig die Hände dreckig machen kann, im Garten!!! Und was passiert? Ich stelle fest: die Warnungen und die Erziehung haben gefruchtet und zwar ordentlich. Überraschend oft schrecke ich erstmal zurück und muss mich überwinden mich tatsächlich dreckig zu machen. Wer wirklich und wahrhaftig im Garten arbeitet, bleibt nicht sauber, auch nicht die Kleidung und wenn ich mich noch so sehr vorsehe! Tatsächlich hege ich den Verdacht, je mehr ich mich vorsehe, desto dreckiger bin ich hinterher! Statt nun also ständig nach Dreckfallen Ausschau zu halten und zu versuchen mich um Drecksarbeit herumzudrücken, heißt die neue Devise: »Dreck tötet nicht, aus Dreck wächst Leben (nicht nur die kommende Ernte sondern dank dieser auch die Fortsetzung meines eigenen Lebens! Der Mensch muss essen!)! Ran an die Kartoffeln (auch wenn die von Kartoffelkäfern übersät sind)!

Zum Glück ist mein Garten-Yoda so weise wie der echte Yoda und findet das richtige Maß, mich zu fördern und zu fordern und in die Tiefen des Drecks einzuführen. Und manchmal, manchmal habe ich sie schon erlebt, diese legendären Momente: furchtbar dreckig, aber sehr sehr glücklich!

3. Ein Garten ist eine Art Zeitmaschine
Doch wirklich und diese Zeitmaschine katapultiert einen in Nullkommanix ins Greisenalter und zurück in die Kindheit und wieder ins Greisenalter. Wie ich das meine? Die zumindest für mich eher ungewohnten Bewegungsabläufe und Körperhaltungen führen dazu, dass mein Körper innerhalb recht kurzer Zeit anfängt ächzend und knarzend zu protestieren. Gelenke steifen in erschreckender Geschwindigkeit ein und lösen sich bei veränderter Körperhaltung nur langsam wieder aus dieser Steifigkeit, jederzeit bereit bei der geringsten nächsten Inanspruchnahme noch stärker zu versteifen. Muskeln und Sehnen schmerzen und seit ich Gartenarbeit mache, weiß ich auch wieder, was die Knubbel zwischen Ober- und Unterschenkel sind, nämlich Kniee die ebenfalls lautstark mit Knacken, Krachen und Schmerzen reagieren können. Am Ende einer Garten-Session fühle ich mich wie eine 80- oder 90jährige.

ABER mittendrin kann ich immer wieder für Momente und Minuten zu einem Kind werden. Ein Geruch aus dem Garten, der mich anweht und zurückversetzt in den einzigen Garten meiner Kindheit. Einen Garten, den ich (Millionen)Stadtkind, nur ein gutes Jahr erlebte, und der mir damals riesig und wie ein Paradies auf Erden erschien. Als ich Jahrzehnte später zu dem Haus samt Garten von damals zurückkehrte, stellte ich fest, es war tatsächlich ein relativ kleiner Garten. Egal, offenbar haben sich damals einige Gartengerüche in meinem olfaktorischen Gedächtnis abgelagert und die erwachen nun zu neuem Leben.

Oder ich entdecke, dass die erst vor wenigen Tagen gesetzten Steckzwiebeln tatsächlich schon 3, 4, 5 cm grün aus dem Erdreich treiben. Eine Erdbeerpflanze erste Blüten trägt oder der Schnittlauch blüht. Sowas versetzt mich in reine kindliche Begeisterung. Fehlt nur noch, dass ich vor Freude in die Hände klatsche! Andächtig bewundere ich jede einzelne Blüte, hege fast mütterliche Sorge um erstes keimendes Grün und kann mich an diesen kleinen Wundern kaum satt sehen.

Bis mir einfällt, ich muss noch weiterarbeiten und schwupps, bin ich wieder die alte Greisin, deren Knochen ächzen und klagen. Zeitmaschine galore!

4. Gartenarbeit und Perfektionismus ist keine gute Kombination
Wenn Gartenarbeit langfristig Freude machen soll, dann ist zwar eine gewisse Systematik und Ordnung hier und dort durchaus hilfreich, aber Gartenarbeit und Perfektionismus, das geht nach meiner Erfahrung nicht lange gut. Also zumindest, was mich betrifft. Ein Garten ist ein Garten, ein Sammelsurium von Lebewesen, die zuweilen sehr eigensinnig sein können. Ich kann zwar hier und da ein bisschen korrigierend eingreifen, hier und da etwas richten aber am Ende wird sich die Natur doch immer wieder durchsetzen. Es ist eine Art Urgewalt. Wende ich zuviel Aufmerksamkeit, Arbeit und Mühe auf eine Ecke des Gartens, lacht diese Natur in meinem Rücken und wuchert dort ins Unermessliche. Und ein Garten macht so viel Arbeit, dass keine Zeit bleibt, erst Tage lang zu grübeln, ob ich die Steckzwiebeln nun in zwei, drei langen Reihen stecken will oder lieber doch in 4x4, um am Ende nette kleine Zwiebelquadrate zu haben. Ich neige zu gründlichem Abwägen und vorsichtigen Schritten und stelle im Garten fest, so geht das nicht. Immer wieder gibt es Situationen, in denen schnelle Entscheidungen und beherztes Handeln gefragt sind. In dieser Hinsicht ist der Garten ein gutes Übungsfeld und Gegengewicht für mich.

5. Gartenarbeit verbindet, ob man will oder nicht.
Zumindest wenn nebenan auch gegärtnert wird oder irgendwelche Wege am Garten vorbeiführen. Das ist so ähnlich wie mit einem Hund unterwegs sein. Bekannte und wildfremde Menschen sprechen einen an und erzählen einem ich-weiß-nicht-was-alles über ihren Hund, geben (mehr oder weniger) kluge Ratschläge und wollen sich gleich mit einem zu gemeinsamen Spaziergängen verabreden.

Übersetzt für den Garten: Bekannte und wildfremde Menschen sprechen einen an und erzählen einem ich-weiß-nicht-was-alles über ihren Garten, geben (mehr oder weniger) kluge Ratschläge und wollen dass man gleich in ihrem Garten weitermacht (mit Unkraut rupfen, Gießen, pflanzen, etc. etc.).

6. Im Garten tun sich neue Welten des Wissens auf
… deren Tiefen (jedenfalls von mir) ungeahnt sind. Das ist ungemein spannend. Ich komme kaum mal aus dem Garten (egal ob nun der Garten ums Haus oder von unserem Balkongärtchen) ohne neue Fragen. Also wird fleißig im Internet recherchiert - was manchmal eher zu noch mehr Verwirrung führt, weil es, was Gartendinge angeht, unzählige Meinungen zu allem Möglichen gibt - Gartenblogs entdeckt und gelesen, Gartenliteratur besorgt und plötzlich finde ich mich im Einkaufszentrum vor Gartenzeitschriften wieder, die ich jahrzehntelang nie bemerkt habe und begeistere mich für besonders ergonomisch geformtes Gartenwerkzeug oder grandiose Tipps und Tricks für Gärtner.

7. Gärten können bei schwacher Selbstdisziplin ein teurer Spaß werden.
Wie immer haben nämlich clevere Leute erkannt, dass man rund um Gärten viel, sehr viel Geld verdienen kann. Man könnte ein Vermögen in einen Garten stecken, angefangen bei den Pflanzen, über Gartenhäuschen, Gartenwerkzeug und und und.

In meiner relativen Unerfahrenheit und meinem Novizen-Enthusiasmus neige ich zu unüberlegten Spontankäufen (was sonst eigentlich nicht meine Art ist), nur um dann festzustellen, dass z.B. der Boden im Garten dem gesunden Wachstum einer Magnolie eher abträglich ist (meine erfahrenen Gartenlehrer wussten Rat, machten den Boden passend und retteten der Magnolie so knapp das Leben. Dieses Jahr hatten wir dann nach drei Jahren das erste Mal eine blühende Magnolie, die den Namen auch verdiente!)

8. Gartenphilosophie beruhigt
Der Begriff »Gartenphilosophie« war mir wohl schon untergekommen, wie berechtigt dieser Begriff ist, geht mir erst jetzt auf. Der Garten lehrt mich Dinge über das Leben und auch Dinge über mich, auf die ich Kopfmensch in jahrelangen Denkversuchen und philosophischen Denkansätzen, nicht gekommen bin. Ehrlich gesagt, hat mich das einigermaßen überrascht. Aber es gefällt mir sehr! Ich habe in die Lektionen des Gartens sogar mehr Vertrauen als in die Lektionen, die ich aus Büchern oder aus langem Nachdenken über die Welt und uns Menschen gewonnen habe. Vielleicht, weil die Lektionen des Gartens so erdverwurzelt, so bodenständig daher kommen. Sie erscheinen mir darum verlässlicher, gewisser und damit sehr beruhigend.

9. Vorsicht vor Garten-Extremisten!!
In der Welt der Gärten und Gärtner lauern esoterische Abgründe, religionsähnliche Glaubenssysteme und gelegentlich auch extremistische Fanatiker! Gerade als unbedarfter Novize muss man sehr aufpassen, dass man nicht in solche Abgründe fällt oder zwischen Fronten gerät.

Ich nichtsahnender Naivling hatte ja gedacht, Gärtner sind friedfertige und geerdete Wesen. Natürlich gibt es diese Art Gärtner tatsächlich. Aber es gibt auch noch jede Menge anderer Ausprägungen, und die lerne ich nach und nach wohl alle kennen. Da heißt es manches Mal, fest auf die Zunge beißen und sich bloß nicht in Diskussionen verwickeln lassen, in denen ich schon aufgrund meines Novizentums prädestiniert bin, den Kürzeren zu ziehen, erst recht aber wenn es um »Glaubensdinge« geht. Da hört nämlich bei erstaunlich vielen Gärtnern der Spaß auf.

10. Wie der Garten mich lehrte den Regen zu lieben
Mein Leben lang mochte ich Regen nicht sonderlich. Regnete es mehr als zwei Tage in Folge, ging meine Laune in den Keller. Ich wollte Sonne, 365 Tage im Jahr am liebsten. Natürlich wusste ich theoretisch, dass Regen für die Natur wichtig ist. Betonung auf »theoretisch«! Erst seit ich hier in MV wohne, einen Garten vor Augen (und inzwischen auch Händen) habe, hat sich mein Verhältnis zum Regen grundlegend verändert. Ich habe mich tatsächlich schon dabei erwischt, wie meine Augen den Himmel nach Regenwolken absuchten, oder dämlich lächelnd, weil Regenrauschen an mein Ohr drang und ich damit wusste, ich muss heute nicht auch noch den Garten gießen.

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Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Herr Buddenbohm stellt heute auf Twitter die These auf, dass morgen kein Schwein Blogeinträge liest. Er hatte nämlich den sonst donnerstags in seinem Blog erscheinenden Wirtschaftsteil »Woanders« schon heute gepostet und damit einige Leser leicht oder auch heftiger verwirrt. Auf entsprechende Rückfragen und Beschwerden, war seine Begründung dafür, die besagte These. Ich stimmte ihm zu, merkte aber an, Menschen würden morgen sehr wohl Blogeinträge lesen, also ich zum Beispiel.

Um aber ganz sicher zu gehen, dachte ich mir später allerdings, ich schreibe dann doch lieber heute mal wieder neue Tagesnotizen, zumal es ein ereignisreicher Tag war, der sich daher für Tagesnotizen aufdrängte.

Gleich morgens früh ging es Richtung Rostock zum Gartencenter meiner Wahl, um dort noch letzte fehlende Balkonblumen und Utensilien zu holen, die für das Projekt »Gemüse auf dem Balkon« noch benötigt wurden. Es ist ein sehr sehr großer Gartenfachmarkt und dementsprechend lange hielten wir uns dort auf. Die ein oder andere Blume und das ein oder andere gewünschte Utensil wanderten in den Einkaufswagen, dazu auch einige Überraschungsteile, die so nicht geplant waren, an denen ich aber trotzdem nicht vorbei kam.

Sie können mich in allen möglichen Läden abstellen, dreimal um meine eigene Achse drehen, mir viel Geld in die Hand drücken und ich würde trotzdem nicht in das verfallen, was andere als »Kaufrausch« bezeichnen. Ich verfalle nicht in Kaufräusche … außer vielleicht ansatzweise in einem gut sortierten Gartencenter. So auch heute! Ich hätte drei, ach was, vier Einkaufswagen voll mit Blumen, großartigem Gärtnerwerkzeug und allerlei nettem Schnickeldi aus dem Gartencenter herausschieben können. Drei Stunden später stand ich dann doch etwas desorientiert mit meinem Wagen an einer Kasse. Die Kassiererin nannte mir den zu bezahlenden Betrag und an dieser Stelle kam ich wieder zu mir, und war dankbar, dass mich doch ein Rest an Selbstdisziplin vor Schlimmeren bewahrt hat.

Alle Beute Einkäufe wurden fix ins Auto geladen und heimwärts ging’s. Eigentlich war ich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich fix und foxi. Die vielen Eindrücke im Gartencenter, die immer mehr anschwellende Flut von Menschen, die durch selbigen schwappte, die diversen Entscheidungen, die ich hatte treffen müssen. Gut, Menschen, die wöchentlich oder wenigstens vierwöchentlich so ein Gartencenter aufsuchen und dazu schon auf eine jahrzehntelange Karriere als Hobby-, Amateur- oder Spitzengärtner zurückblicken, für die ist es ein Klacks, so ein Center zu besuchen und ihre Einkäufe zu erledigen. Aber so ein doch relativ blutiger Novize wie ich … Lassen wir das!

Zuhause angekommen, alles ausladen und auf den Balkon schleppen. Darunter drei 20 l-Säcke Erde. *ächz* Als alles oben auf dem Balkon war, fiel mir dann ein, dass einige Teile eigentlich hätte unten bleiben sollen, denn den noch fehlenden Blumenkasten (den ersten mit sehr schönen stehenden rosa Geranien hatte ich schon letzte Woche gepflanzt) wollte ich im Gartenhäuschen bepflanzen. Meine Konzentration zeigte erste Schwächen.

Also, die entsprechenden Pflanzen und den Blumenkasten geschnappt und wieder runter die Treppe und weiter zum Gartenhäuschen getrabt. Dort die Blumen eingepflanzt, anschließend gut gegossen, das Werk von meinem Garten-Yoda (»Viel zu lernen, Du noch hast!«) hier begutachten lassen, selber wohlgefällig den Balkonkasten betrachtet, und dann das nun schwere Ding wieder nach oben auf den Balkon getragen und platziert.

Die zur Freude der weltbesten WG-Genossin ebenfalls mitgebrachte Kapmargerite wurde in einen passenden Übertopf drapiert und ebenfalls platziert.

Und dann kam der für mich spannendste Teil. Gestern sind nämlich endlich unsere bestellten Tomaten- und Paprika-Jungpflanzen hier eingetroffen und die wollten nun eingepflanzt und unsere Balkon-Gemüse-Zucht eröffnet werden. Ich hatte mir theoretisch einiges im Internet angelesen, hilfreiche Videos zur Tomaten- und Paprikaaufzucht angesehen, und meine Twitter-Timeline hatte mich noch mit weisen Ratschlägen ausgestattet.

Ich weiß, sie lachen schon wieder oder schütteln fassungslos den Kopf, weil für sie Tomaten- und Paprikapflanzen einpflanzen ein Klacks ist, aber ich Novize … ;-) Jedenfalls nach einer Weile war es geschafft und nun stehen drei Tomatenpflänzlein (Green Zebra, Cocktailtomate »Zuckertraube« und Cocktailtomate »Brandywine Sherry«) und drei Paprikapflänzlein (Sweet Dreams, Korosko und Corno giallo) ordentlich aufgereiht auf unserem Balkon und warten vermutlich ähnlich sehnsüchtig auf Wärme und Sonne wie ich.

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Sie können sich nicht vorstellen, wie gespannt ich bin!

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Balkonbepflanzung 2015 - © Liisa

Vermelden kann ich außerdem, dass sich die Erdbeeren bisher prächtig machen. Vier von fünf haben erste Blüten und bei der fünften kann es auch nicht mehr lange dauern.

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