© Jenna Abraham

Was übrig blieb vom Tag:

  • Heute im Angebot: Migräne, Gliederschmerzen, Magenschmerzen. Ich hab dann ordentlich zugeschlagen. Dementsprechend heute nicht viel auf die Reihe bekommen. Mal abgesehen von der Migräne, hoffe ich, dass ich nicht gerade irgendwas Tödliches ausbrüte.
  • Das Wetter präsentierte die ganze Bandbreite seines Repertoires, als da wären: Sonnenschein, Regen und Schnee garniert mit eiskaltem Wind
  • Nicht viel gelesen, aber u.a. das hier: Deutsche Auswanderer, schwierige Einwanderer
  • Das Projekt »Lerche-to-be« habe ich abgebrochen. Ich kann so nicht arbeiten. Meine Produktivitätsrate ging Richtung ‘historisches Tief’ und meiner allgemeinen Verfassung und Stimmung war es je länger je mehr abträglich, gegen meinen eigentlichen inneren Rhythmus zu leben. Ich bin Eule und das ist auch gut so!
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© Shane Norrie
Wieder ein stürmischer Wintertag, von denen wir dieses Jahr so viele haben. Kein Schnee, nur die sich windenden und biegenden Bäume, das Pfeifen und Heulen des Windes rund ums Haus. Die armen kleinen Vögel schaffen es kaum das Vogelhaus anzufliegen. Ich zog mich schließlich in die Küche zurück. Buk Kuchen und machte neuen Vorrat an Pelmeni. Der Kuchen gelang außergewöhnlich gut und bescherte uns eine gemütlich Teestunde am Nachmittag. Ansonsten die anstehenden Routinearbeiten erledigt. Jetzt zum Abend hin wird es draußen immer stürmischer.

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»Glückliche Menschen zeichnet die Zuversicht aus, diesen Zustand immer wieder erreichen zu können. Sie haben durch sehr viele Erfahrungen eines Neuanfangs gemerkt, dass man es immer irgendwie schaffen kann. Dass man sich nur auf den Weg machen muss. Deshalb haben sie keinerlei Bedenken, Altes hinzuwerfen und etwas Neues auszuprobieren.«
- Prof. Gerald Hüther

Glücklich sein und in Zeiten des Unglücks die Zuversicht haben, dass man auch wieder glücklich sein wird. Nicht den Kopf in den Sand stecken, nicht resignieren oder am schlimmsten, sich in Selbstmitleid wälzen. Ich war glücklich und ich werde wieder glücklich sein! Ich muss nur selber aktiv weiter gehen und handeln, dann kommt der Tag, an dem mir plötzlich klar wird: Heute bin ich glücklich! Und überhaupt, das Glück! Es ist entgegen all dem Geschrei der Glückshändler, die uns erzählen, was wir alles so brauchen, bevor wir wahrhaft glücklich sein können, so bescheiden. Es braucht in Wahrheit so wenig, um sich zu zeigen und dauerhaft niederzulassen. Das kleine Glück wahrnehmen im lauten Leben und Alltag! Wer das gelernt hat, für den dauern Zeiten des Unglücks nie lange.

Je mehr Neuanfänge, desto leichter fallen sie und desto glücklicher der Mensch? Ganz so einfach ist es wohl nicht, aber es ist viel Wahres dran an dieser Aussage. Immer wieder kleine und große Neuanfänge, flexibel bleiben, andere Routinen einüben, neue Wege gehen, andere Blickwinkel einnehmen, neue Menschen kennenlernen. Es muss ja nicht gleich der Komplettausstieg sein oder die Weltumrundung. Manchmal reicht es auch schon, einen anderen als den üblichen Weg zu wählen auf dem Weg sonstwohin. An einer Blume am Wegesrand nicht achtlos vorbei zu gehen, sondern stehen zu bleiben, sie anzusehen, sich an ihrem Dasein zu freuen und mit ihr für einen kurzen Moment die Wärme der Sonne auf der Haut zu genießen. Das kann schon ein Glück sein, das einen durch den ganzen Tag begleitet und trägt.

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Ich erwäge die Anschaffung eines Sparschälers Julienne. Bin allerdings etwas eingeschüchtert davon, dass mehrere Käufer dieses Objekts der Begierde von außerordentlicher Schärfe und »eh Du Dich versiehst« abgeschnittenen Fingerteilen berichten. Eigentlich sollte das für den Kauf sprechen, hasse ich doch kaum etwas in der Küche mehr, als stumpf gewordenes Schnitt- Hobel- und Hackwerkzeug. Vorsichtig bin ich beim Hantieren mit solchen Utensilien ja sowieso.

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Ich hab mir dann heute den Dokumentarfilm »Night Will Fall« angeschaut, den die ARD gestern zu schon nachtschlafender Zeit gezeigt hat.

Die darin gezeigten Originalaufnahmen aus KZs in Deutschland nach deren Befreiung durch Allierte Truppen, die z.T. noch nie gezeigt wurden, sind erschütternd. Mein Verstand schien auf Hochtouren zu arbeiten, um zu verarbeiten, was er da zu sehen bekam. Aber dieses Grauen ist nicht zu verarbeiten. Diejenigen, die es damals mit eigenen Augen gesehen haben, sind die Bilder und Eindrücke ihr Leben lang nicht mehr losgeworden. So vieles ging mir beim Anschauen der Dokumentation durch den Kopf. Eine kleine Auswahl:

- Man hat den Opfern selbst im Tod keine Würde zugebilligt!
Das dachte ich angesichts der Bilder, wie SS-Wachmannschaften und deutsche Kriegsgefangene die Toten in Massengräbern beisetzten. Die Bilder, wie Leichen, die so abgemagert waren, dass sie fast nur noch Skelette waren, von den Soldaten an den Füßen gepackt und über hundert Meter und mehr hinter sich hergeschleift werden bis zu den ausgehobenen Massengräbern. Wie ein Mann, so einen Leichnam am Arm ergreift, den Arm über seine Schulter zieht und dann den Leichnam über den Rücken gehängt wegträgt wie einen Sack Müll. Natürlich, es waren tausende Tote, die da möglichst schnell unter die Erde gebracht werden mussten, aber so? Hätte man diesen geschundenen Opfern nicht wenigsten so ein kleines bisschen Würde am Ende ihres Lebens zurückgeben können? Oder spielte das dann eh keine Rolle mehr? Ich weiß es nicht, aber ich empfand es als furchtbar diesen Umgang mit den Toten zu sehen, der offenbar so von den Allierten gebilligt wurde.

- Die Perversion von Organisation und Effizienz!
Was man sieht, sind Lager, die nach Jahren eine Zustand der Perfektion, Organisation und Effizienz erreicht haben, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Säcke mit sortiertem und abgewogenen Haaren der Opfer. Die Sammlung der Kleider der Ermordeten, die dann an Unternehmen gegeben wurden, die sie zur Wiederverwendung herrichteten. Nichts, nichts davon sollte »umkommen«. Alles was irgendwie brauchbar war wurde, wie wir wissen, weiterverwendet oder verarbeitet bis hin zu Haut und Goldzähnen der Toten. Die Menschen, die diese Dinge durchgesehen und sortiert und weitergegeben haben, was bitte haben die gedacht????? Kann man seinen Verstand so komplett abschalten??? Offenbar ja. Es ist unfaßbar! Man möchte sich sofort jeglicher Anordnung zu mehr Organisation und Effizenz entziehen. Wir ordnungsliebenden, effizienten, regelsüchtigen Deutschen! Die ganze Welt beneidet uns, gerade auch wieder heute, um diese »Talente«. Sieht man aber diese Bilder, kann man sich ihrer nur schämen. Es sind blutbefleckte und besudelte Talente.

- Was bitte ist in den Deutschen, die die Lager mit eigenen Augen gesehen haben vorgegangen?
Hitchcock wollte Karten einsetzen, die zeigen sollten, wie nah diese Lager neben Dörfern und Städten lagen. Wie unmöglich es eigentlich war, dass angeblich die meisten »nichts gewusst« haben wollten von dem, was in den Lagern passierte. Teilweise wurde die Bevölkerung aus solchen Dörfern und Städten wie Weimar oder Dachau zusammengerufen und musste auf Anordnung der Allierten durch die Lager gehen und mit eigenen Augen sehen, was dort zu sehen war.

Man sieht auf den Filmaufnahmen, wie diese Deutschen auf die Lager zu spazieren. Viele tragen offenbar ihre beste Kleidung, Sonntagskleidung, und sind bester Stimmung. Der Krieg ist endlich vorüber. Sie haben überlebt. Die Sonne scheint. Wie schön!

Und dann sind sie nah genug an den Lagern und bemerken als erstes den Gestank. Manche Frauen halten sich ein Taschentuch vor Nase und Mund. Die Gespräche verstummen, schweigend laufen sie durch die Lager, wo die Überlebenden in kleinen Grüppchen auf dem Boden sitzen oder einzeln apathisch in einer Barackentür oder an eine Wand gelehnt, weil sie ansonsten wahrscheinlich einfach umkippen würden. Dazwischen liegen überall Tote, abgemagert zu Skeletten, teilweise schon in Verwesung übergegangen.
Ein wahrgewordener Albtraum. Es gibt kein Entkommen. Man kann nicht mehr weggucken. Egal wohin man schaut, nur Grauenvolles.

Und die biederen deutschen Bürger laufen vorbei an diesen Szenen, sie laufen vorbei an LKWs auf die Leichen gestapelt sind, vorbei an den noch offenen Massengräbern, in denen zu hunderten Leichname in grotesken Verrenkungen liegen. Irgendwann sind die Deutschen durch das ganze Lager hindurch, an den Massengräbern vorbei.

Ich frage mich, wie lange sie gedauert hat, diese Wanderung durch die Lager. Eine halbe Stunde? Weniger? Länger? Vielleicht ein oder sogar zwei Stunden? Was hat das mit den Menschen gemacht? Diese Konfrontation? Hatte sie überhaupt eine Wirkung? Und wenn ja, welche? Was sie mit eigenen Augen gesehen hatten, konnten sie ja wohl kaum verleugnen?

Ich habe mich gefragt, haben diese Menschen als sie wieder zuhause in ihren Häusern und Heimen waren, miteinander geredet? Und wenn ja, was mögen sie gesagt haben? Hat einer den anderen gefragt: »Hast Du das gewusst?« oder »Ich wusste ja, das … aber dass es so schlimm war, das habe ich ja nicht geahnt!«? Oder hat es ihnen am Ende die Sprache verschlagen, und sie haben an diesem Abend geschwiegen. Und auch am nächsten Tag, und am übernächsten und überübernächsten und nie wieder darüber gesprochen?

Es muss doch auch Menschen gegeben haben, an denen das Gesehene nicht einfach so abperlte. Was ist denen durch den Kopf gegangen? Wie sind die damit umgegangen, mit dem Bewußtsein, hier ist Schreckliches geschehen. Und ich habe es auf eine mehr oder weniger umfangreiche Art und Weise unterstützt und möglich gemacht.

- Traumatisierte Allierte
Wie viele allierte (größtenteils ja auch sehr junge) Soldaten, Krankenschwestern, Ärzte und sonstiges Personal, die keine Ahnung hatten, was sie in den Lagern erwartete, und die dann Stunden, Tage, manche Wochen und Monate dort eingesetzt waren, sind dadurch für ihr Leben traumatisiert worden? Noch lebende Zeugen, die in der Dokumentation zu Wort kommen und noch heute 7 Jahrzehnte später kaum über das, was sie gesehen und erlebt haben, sprechen können. Wie hat sie diese Erfahrung verändert? Mit wem konnten sie überhaupt darüber sprechen? Mussten sie das Grauen auch irgendwie in sich verschließen, verkapseln? Hat ihnen jemand geholfen, ihr Trauma zu verarbeiten?

- Leben nach der Hölle
Unfaßbar, dass die KZ-Gefangenen, die so gelitten haben und von denen viele nur wunderhaft überlebt haben, es überhaupt geschafft haben, sich ein neues Leben aufzubauen. Wozu der Mensch fähig ist! Wie hoch wohl die Zahl derjenigen Opfer ist, die niemand mehr gezählt hat? Nämlich derjenigen, die zwar die KZ überlebt haben, aber die ihr Trauma nicht überwinden konnten? Die deren Psyche sich nie mehr erholt hat? Die, die sich später doch das Leben genommen haben, weil sie nicht mehr der gefühlten »Schuld« überlebt zu haben fertig wurden? Die, die die nötige Kraft für einen Neuanfang nicht mehr gehabt haben? Wer hat diese Opfer gezählt?

- Nie wieder Auschwitz! Wir müssen aus der Vergangenheit lernen!
Ja, das hören wir seither immer und immer wieder und ganz besonders zu solchen Gedenktagen wie heute. Und wir nicken und sagen »Ja, nie wieder Auschwitz! So etwas darf nie wieder geschehen!« Aber wie sicher sind wir eigentlich, dass so etwas nie wieder geschieht? Nicht hier bei uns, nicht in Europa, nicht in anderen Ländern? Was genau tun wir dafür, die Wahrscheinlichkeit zu verringern? Was bedeutet dieses »Nie wieder Auschwitz!« dieses »So etwas darf nie wieder passieren!« für uns Nachgeborene, für uns Heutige? Konkret?

Wen juckt’s, dass Juden in Deutschland, sich längst nicht mehr trauen, mit der Kippa auf dem Kopf durch unsere Städte zu gehen?

Wen macht es fertig, dass auch heute 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, Synagogen und andere jüdische Einrichtungen von der Polizei bewacht werden müssen?

Wer ist mit Menschen jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens befreundet? Wirklich richtig eng befreundet? Wer weiß, wann sie ihre Feiertage feiern? Wer weiß, was ihnen wichtig und heilig ist? Wer ist bereit sich vor sie zu stellen, wenn sie auf der Straße angepöbelt werden?

Wer schaut hin und nicht weg? Wer schaut hin, wer lässt sich ein und ignoriert nicht schlicht?

Wer weist antisemitische und rassistische Äußerungen im eigenen Umfeld zurück?

Wer äußert sich gegen die Islamfeindlichkeit, die gerade wieder geschürt wird? Wer bezieht konkret Stellung? Nicht in einer größeren Gruppe, sondern als Einzelner, da wo es weh tut? Vielleicht in der eigenen Familie, im Freundes- oder Bekannten- und Kollegenkreis? Wer reicht Menschen anderen Glaubens die Hand, gerade jetzt?

Wer verweigert sich der Aufteilung zwischen »uns« und »denen da«?

Wer begehrt dagegen auf, dass unsere Politiker in unserem Namen eine Politik machen, die dazu führt, dass z.B. Flüchtlinge im Mittelmeer zu Hunderten ertrinken. »Ist doch nicht meine Schuld!« oder »Die da oben machen eh was sie wollen!«

Wer interessiert sich dafür, wie Flüchtlinge und Asylanten in unserem Land behandelt werden. Was in den Gesetzen und Bestimmungen steht, die sie betreffen. »Was geht’s mich an?!«

Wer von uns weiß, wo das nächstgelegene Asylheim oder Flüchtlingsheim ist? Wer dort vor Ort zuständig ist? Wie es da aussieht und unter welchen Lebensbedingungen die Flüchtlinge und Asylanten dort leben? »Ich hab genug mit mir und meinen eigenen Sorgen zu tun!« oder »Ich kann da eh nix dran ändern!«

Man könnte diese Liste noch lange fortführen …

Was haben WIR von Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Ravensbrück und wie sie alle heißen, gelernt? Wirklich gelernt? Nicht nur theoretisch, sondern konkret und praktisch? Wo wenden wir die Lehre, die uns diese Orte vermitteln, an? Oder sind Aussagen wie »Nie wieder Auschwitz!« nur noch leere Satzhülsen, nur noch ein fernes Echo, das schon fast verklungen ist, egal wie sehr an Tagen wie diesen solche Sätze wiederholt werden?

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© leider unbekannt

Manchmal tut es gut, einfach nur zu staunen. Zum Beispiel darüber, was für seltsame grandiose Lebewesen es auf diesem Planeten gibt. Hier z.B. eine sog »Spanische Tänzerin« (Hexabranchus sanguineus), die zu den Meeresnacktschnecken zählt.

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»Wer aufhört, sich für soziale Fragen, für das Leben jenseits der eigenen Blase zu interessieren und einzusetzen, ist für den politischen Prozess ebenso verloren wie die Demonstranten in Dresden, die »Lügenpresse« schreien und »der Politik« pauschal misstrauen.«
Lehren aus Pegida - Der Rückzug ins Private muss aufhören

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© leider unbekannt

Ich liebe alte Karten! Als ich dann heute dieses Foto sah, war ich sofort hellauf entzückt. Eine alte Karte mal nicht an die Wand hängen, sondern den Boden eines großen Zimmers oder Raums damit gestalten. Wie cool ist das denn? Fremde Länder und Kontinente »betreten«, nur indem man ein anderes Zimmer betritt! Mein Karten-Favorit für eine Umsetzung dieser Idee wäre wohl die »Carta Marina« von Olaus Magnus mit ihren herrlichen eingezeichneten Details und Seemonstern.

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Herzweitwurf! Mehr Herzweitwurf!

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© Wolfgang Schrittwieser

Heute Zeit gehabt, wieder etwas in Michael Maars »Heute bedeckt und kühl - Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf« zu lesen. Was ich schon wusste, was aber wieder bestätigt wird, große Literaten sind schon sehr eigene und nicht selten auch unangenehme Charaktere. Was da in den Tagebüchern über andere gelästert, geschimpft und hergezogen wird. Unfaßbar! Teilweise nachdem man sich gerade getroffen und vorgeblich freundlich ins Gesicht gelächelt und Stunden miteinander verbracht hatte, wie gute alte Freunde. Maar nennt fast alle Großen der deutschen Literatur und man bekommt den Eindruck, da gönnt einer dem anderen nicht die Butter auf dem Brot. Eitelkeiten, Empfindlichkeiten, Animositäten bis hin zu regelrechtem Abscheu und Hass. Und dazwischen Verleger und ähnliche Leute, die versuchen die schlimmsten Wogen zu glätten, auszugleichen, zu versöhnen und alle bei Laune zu halten.

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Arno Schmidts Frau hätte man im Leben auch nicht sein wollen! Sich und sein ganzes Leben auf dem Altar des großen Literaten zum Opfer bringen. Aber da ist sie im Laufe der Jahrhunderte nicht die einzige gewesen. Diesen Typ Frau gab und gibt es. Diesen Typ Mann, der so etwas erwartet / fordert, mit Freuden hinnimmt und zulässt natürlich auch.

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Menschlich unanständiges Verhalten kann ich jedenfalls auch bei großen Literaten nur bedingt »tolerieren«. Das Wissen darum entwertet für mich zumindest teilweise auch deren »Werk«. Irgendwie kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass ein Charakter, der zum Beispiel vor Eifersucht lodert, vor Neid geifert oder pedantisch und kleingeistig alle um sich herum unterdrückt, das aus seinem literarischen Werk wirklich heraushalten kann. Es muss sich irgendwo auch in seinem oder ihrem Schreiben niederschlagen. Jemand, der Menschen hasst, kann nicht wirklich liebevoll über sie schreiben. Irgendwo wird der Hass auftauchen und durchscheinen, und seien noch so viele Worte kunstvoll drumherum gedrechselt.

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Beim Lesen wanderten meine Gedanken dann auch zu manchen heute umjubelten Literatur-Stars (wobei das Kaliber insgesamt fürchte ich doch eher kleiner ist). Über deren persönliches Leben weiß man ja als normaler Leser kaum etwas (Tagebücher oder Biographien liegen meist noch nicht vor). Sind die jungen Literaten von anderen Art? Oder geht es da hinter den Kulissen ähnlich zu, wie bei den alten Literaten? Der Konkurrenzkampf dürfte sich ja eher noch verschärft haben. Dann sehr erleichtert gewesen, als mir einfiel, dass die wenigen Literaten, die ich zumindest ein bisschen kenne, eigentlich sehr freundliche, nette und hilfsbereite Charaktere sind. Ich hoffe, sie sind nicht nur grandiose Schauspieler, die zu verbergen wissen, was sie tatsächlich im Herzen tragen (was die alten Literaten teilweise sehr gut konnten).

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Peter Rühmkorf argwöhnte in seinem eigenen Tagebuch: »Wer Tagebuch führt, beginnt sich aufzugeben.«

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Die Wildgans hat sich überlegt, welche Lieder ihr zu den Blogs in ihrer Blogroll einfallen. Für Charming Quark ist ihr dieses hier eingefallen:


Elisa Gabbai · Winter in Canada (1966) - MyVideo

Passt schon, und hat mir beim Anhören ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert.

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© leider unbekannt

Nach einer anstrengenden Woche, ein ruhiger Tag. Ein bisschen lesen, ein bisschen Wintersport schauen, ein bisschen häkeln, ein bisschen unterhalten, ein bisschen Kater knutscheln. Und warten auf den Schnee. Erst als es schon dunkel ist, fallen endlich Schneeflocken. Sehr nass, und nicht sehr viele, aber immerhin. Vielleicht werden es über Nacht ja noch mehr.

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»Für mich gibt es zwei Konzepte: Das Konzept der Angst und das Konzept der Liebe. Und wenn wir bis jetzt mit dem Konzept der Angst gelebt haben, wird es Zeit, dieses zu verlassen.«
-Pablo Pinea

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Spannender Artikel darüber, warum wir in unserer Kommunikation oft gar nicht so nett sind, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, und ein interessanter 40tägiger Versuch.

»All this time I’d thought I was entertaining and insightful and I was really just a pretentious, self-satisfied know-it-all, seeking to be noticed at any cost. As disappointing as this was, it seemed beneficial to realize that I wasn’t just an asshole for fun. I was an asshole for a reason. …«
Could You Go 40 Days Without Being Mean?

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Schließlich noch Fotos aus privater Hand: Afghanistan, wie es vor 50 Jahren war.

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Malchower See - © Liisa

Was übrig blieb vom Tag:

  • Erste Tat des Tages: das Geburtstagskind mit Kerzenlicht und Geburtstagslied wecken
  • Ein Tag mit strahlendblauem und fast wolkenfreiem Himmel (nach Tagen, die ganz anders aussahen; kein Wunder, das Geburtstagskind ist ja auch ein Sonnenschein und obendrein ein geborenes Sonntagskind)
  • Ein Café direkt am See, mit wohlschmeckenden Torten und reicher Auswahl an Kaffee und Tee
  • Gegen Abend herrliches winterliches Licht und ein Himmel in den sanftesten Pastelltönen
  • Lebhafte Gespräche rund um den Käsefondue-Topf
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